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Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA - Neubauprojekte 2018

Der Boom geht weiter

Ein Ende der steigenden Immobilienpreise in Berlin zeichnet sich nicht ab. Doch für die Verbraucher gibt es auch gute Nachrichten: Die Zahl der fertiggestellten Neubauten steigt

Durch den Zuzug nach Berlin steigt auch die Nachfrage nach Wohnraum. Neue Wohnungen entstehen allerdings überwiegend im hochpreisigen Segment GETTY IMAGES/ISTOCKPHOTO/GOLERO

„2018 dürften in Berlin rund 18.700 Wohnungen fertiggestellt werden“, so der Rat der Immobilienweisen in seinem diesjährigen Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft. 2016 waren es noch 13.700, 2014 erst 8700. Die Studie konstatiert, dass dieser Anstieg „der Nachfrage entsprechen dürfte“, weshalb die Kaufpreise nachgeben würden. In Berlin sei mit einem Rückgang um ein Viertel bis ein Drittel innerhalb der nächsten fünf Jahre zu rechnen.

Die Mehrzahl der Experten setzt jedoch weiterhin auf Wachstum: „Der wichtigste Faktor der steigenden Mieten und Preise ist die sehr dynamische Entwicklung Berlins. Bevölkerung, Wirtschaftsleistung und Arbeitsplätze nehmen seit Jahren zu – und ein Ende ist nicht in Sicht“, sagt Henrik Baumunk, Head of Residential Services beim Immobilien-Dienstleistungsunternehmen CBRE. „Entsprechend zeichnet sich auch kein Ende der steigenden Mietund Kaufpreise in Berlin ab.“



„Das Wachstum der Immobilienpreise findet seine Grenzen jedoch beim Einkommen der Berliner, also welche Quadratmeterpreise diese sich demzufolge zur Miete oder bei Kauf leisten können“, sagt Francesco Fedele, Geschäftsführer von BF.direkt, einem Spezialisten für Immobilienfinanzierungen. Das Durchschnittseinkommen in der Hauptstadt steigt zwar ebenfalls an, aber nicht im gleichen Maße wie die Immobilienpreise. „Bislang wurde im Neubau vor allem auf High-End-Immobilien gesetzt, die eine hohe Rendite versprechen“, so Fedele. Die Hoffnung, dass viele Berliner sich ein Upgrade gönnen und dadurch die günstigen Wohnungen wieder frei werden, hätte sich jedoch nicht erfüllt. So fehlt es bislang vor allem an bezahlbaren Mietwohnungen. Diese könnten durch Neubau entstehen. „Über lange Zeit hat ein Teil der Investoren Grundstücke erworben, um sie später unbebaut mit großem Gewinn wieder zu veräußern“, sagt Fedele. „Wenn der Preisanstieg für Bauland nachlässt, steigt die Motivation, dieses Potenzial auszuschöpfen.“ Neubau könne so in Berlin neuen Schub bekommen.

„Es entstehen noch immer viel zu wenig bezahlbare Mietwohnungen“, sagt auch Maren Kern, Vorstand des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Knapp 4000 Mietwohnungen haben die rund 350 Mitgliedsunternehmen des BBU 2017 fertiggestellt, fast 800 weniger als geplant. Ein Grund sind steigende Baupreise: Im Mai 2018 lagen diese 5,7 Prozent über dem Vorjahresniveau, womit sie doppelt so stark stiegen wie die Preise insgesamt. „Ursache hierfür sind steigende Auflagen, vor allem aber auch die sehr angespannten Baukapazitäten“, so Kern.

Als Ansatzpunkte für mehr Neubau nennt sie „das Lösen von Blockaden beim Dachgeschossausbau, Beschleunigungsprämien für die Bezirke oder die Nutzung bereits vorhandener Ermessensspielräume bei Senat und Bezirken“. Für dieses Jahr planen die BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin die Realisierung von Neubauprojekten mit einem Volumen von rund 1,6 Milliarden Euro, fast 90 Prozent mehr als 2017. Das könnte die Fertigstellungszahlen weiter steigen lassen.

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