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Extra: Blick ins Umland

Eberswalde – Kreisstadt auf dem Vormarsch

Innovative Studiengänge und eine gute Anbindung: Eberswalde im Nordosten von Berlin wird immer attraktiver – das spiegelt sich nicht zuletzt auch im Immobilienmarkt

Vor wenigen Jahren lud die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WHG) noch zum kostenlosen Probewohnen nach Eberswalde ein – inzwischen sind solche PR-Aktionen überflüssig. FOTO: ANDREAS GORA / IMAGO

Etwa eine halbe Stunde braucht die Regionalbahn vom Berliner Hauptbahnhof nach Eberswalde. Wochentags fahren die Züge sogar mehrmals pro Stunde in die Kreisstadt im Landkreis Barnim und zurück. Hatte Eberswalde zwischen 1990 und 2010 mit einer sinkenden Einwohnerzahl zu kämpfen, wächst die Stadt seit 2013 wieder kontinuierlich. Rund 43.000 Menschen leben dort heute.

Die Möglichkeit, nahe der Großstadt im Grünen zu leben, und das zu bezahlbaren Mieten, sieht Johan Bodnar, Pressesprecher der Stadt, als einen wichtigen Pluspunkt. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und ihre mehr als 2000 Studierenden aus aller Welt bereichern das Stadtleben zusätzlich. Hinzu kommt eine lebendige Kulturszene, die von einem Jazz- über ein Filmfestival bis hin zu Ausstellungen und Stadtfesten reicht. Unter dem Motto „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Bewegung“ öffnete das Brandenburger Kulturjahr Anfang Juni in der frisch sanierten Borsighalle.

Immobilienpreise liegen noch im Brandenburger Mittelfeld

Kaum ein besserer Ort ist dafür vorstellbar, denn Eberswalde ist einer der ersten Industriestandorte in der Mark Brandenburg. Das brachte ihm den Beinamen „Märkisches Wuppertal“ ein. Schon im 17. Jahrhundert entstanden die Eisenspalterei, das Messingwerk mit seiner Siedlung, das Alte Walzwerk, die Papierfabrik und das Kraftwerk Heegermühle. Lebensader der Stadt ist der Finowkanal. Die 1605 bis 1620 erbaute Verbindung zwischen Spree und Oder ist die älteste künstliche und noch befahrbare Wasserstraße Deutschlands. Sie diente der Energiegewinnung und dem Transport der hergestellten Waren. Heute ist sie ein Eldorado für Paddler und Radler, die am Ufer kilometerlange Fahrradwege vorfinden.
Buwog
Frühere Arbeiterunterkünfte wie die Messingwerkssiedlung sind heute beliebte Wohnlagen. Überhaupt sind Bauland und Immobilien in Eberswalde zunehmend gefragt. Wie andere Städte in Brandenburg profitiert Eberswalde von den steigenden Immobilienpreisen in Berlin, die Häuslebauer nach vergleichsweise günstigen Grundstücken im Umland suchen lassen.

Das treibt die Immobilienpreise zwar in die Höhe. Laut einer Studie der Ostdeutschen Landesbausparkasse (LBS) aus dem November 2020 liegt Eberswalde im Brandenburger Vergleich aber immer noch im Mittelfeld. Durchschnittlich 165.000 Euro kostet eine gebrauchte Immobilie. Reihenhäuser sind mit 125.000 Euro etwas günstiger. Für erschlossenes Bauland zahlen Interessierte im Schnitt 75 Euro pro Quadratmeter. Doch die Schwankungen sind je nach Lage groß. Zwischen 40 und 140 Euro sind möglich. So ist Eberswalde erschwinglicher als die Nachbarstadt Bernau, die mit ihrem S-Bahnanschluss noch etwas gefragter ist bei Pendlern.
Begehrte Neubauten: In der Grenzsstraße realisiert die Kirsan Bau GmbH mehrere Einfamilienhäuser. FOTO: KIRSAN BAU GMBH / KIRSAN BAU GMBH
Begehrte Neubauten: In der Grenzsstraße realisiert die Kirsan Bau GmbH mehrere Einfamilienhäuser. FOTO: KIRSAN BAU GMBH / KIRSAN BAU GMBH
Der Grundstücksmarktbericht des Barnimer Gutachterausschusses verzeichnet im Geschäftsjahr 2020 steigende Umsätze auf dem Eberswalder Immobilienmarkt. Mit rund 550 Millionen Euro ist der Geldumsatz gegenüber dem Vorjahr um rund ein Prozent leicht gestiegen, etwas weniger als in den vorangegangenen Jahren seit 2016. Es wurden jedoch deutlich weniger Flächen als in den Vorjahren verkauft.

Auch auf den Mietmarkt wirkt sich die gestiegene Nachfrage aus. Die Preise bei Neuvermietungen für Wohnungen in Eberswalde stiegen in den vergangenen sechs Jahren um 25 Prozent an. Anfang 2020 lag die Durchschnittsmiete für eine Wohnung bei 5,23 Euro pro Quadratmeter.

„In Eberswalde gibt es eine große Nachfrage nach sehr differenziertem Wohnraum, Wohnformen und Wohnlagen“, erläutert Johan Bodnar. Lud die städtische Wohnungsbaugesellschaft WHG vor wenigen Jahren noch Familien zum kostenlosen Probewohnen nach Eberswalde ein, hat sie solche PR-Aktionen heute nicht mehr nötig.

„Ob die junge Familie, die der Hektik des Großstadtlebens entfliehen will, Seniorinnen und Senioren aus dem ländlichen Raum, die die urbane Infrastruktur nutzen, oder die Studierenden, die in unserer Waldstadt nachhaltige Konzepte und Ideen erlernen und umsetzen wollen: Eberswalde ist attraktiv für alle“, sagt Johan Bodnar nicht ohne Stolz.

Das drückt sich auch in den zahlreichen Neubauprojekten aus, die momentan entstehen. Einfamilienhäuser werden ebenso gebaut wie mehrgeschossige Häuser mit Miet- und Eigentumswohnungen. In der Eberswalder Innenstadt werden Gründerzeitaltbauten aufwendig saniert. So ließ die WHG Eberswalde im Bebelquartier 33 Wohnungen hochwertig sanieren. Fast alle sind bereits vermietet.

Ein weiteres Projekt der WHG ist das „Carré Heegermühle“. In drei Bauteilen entstehen 1900 Quadratmeter Mietfläche für Wohnen und Gewerbe. Dazu gehört ein dreigeschossiger Neubau an der Eberswalder Straße mit circa 33 Seniorenapartments. In einem Anbau ist Platz für eine Tagespflege und eine Seniorenwohngemeinschaft. Am angrenzenden Grundstück an der Biesenthaler Straße soll ein Neubau mit Wohn- und Geschäftsräumen den Bestand ersetzen.

Ebenfalls an Senioren richtet sich ein Bauprojekt der Johanniter in der Innenstadt von Eberswalde. Der soziale Träger erstellt rund 70 barrierefreie Wohnungen mit Serviceangebot mit einer gewerblich nutzbaren Erdgeschosszone.

Neue Grundrisse und Aufzüge für Plattenbauwohnungen

Das künftige Wohnbaugebiet „Christel-Brauns-Weg“ entwickelt die Stadt mit voraussichtlich 56 Grundstücken zum Eigenheimbau. „Hierzu läuft das Bebauungsplanverfahren und die Planung der Erschließung des Baugebietes“, erläutert Johan Bodnar.

Rund 22 Baugrundstücke am Bärbel-Wachholz-Weg sollen die Clara-Zetkin-Siedlung erweitern. Nach den Erschließungsmaßnahmen werden sie sowohl für städtische als auch private Bauvorhaben zur Verfügung stehen.

Mit dem Bebauungsplangebiet „Schwärzeblick“ entwickeln Investoren ein Neubaugebiet mit ungefähr 300 neuen Wohneinheiten in mehrgeschossigen Häusern. Die Bauarbeiten sollen demnächst beginnen.

Selbst in den Eberswalder Plattenbauten tut sich etwas. Waren sie in der Vergangenheit für Zugezogene eher wenig attraktiv und wiesen einen vergleichsweise hohen Leerstand auf, hat die Wohnungsgenossenschaft Eberswalde 1893 im Mai mit der Sanierung begonnen. Im Quartier Cottbus im Brandenburgischen Viertel werden bis 2024 elf Häuser saniert. 70 der 168 Wohnungen bekommen laut 1893-Vorstand Volker Klich einen neuen Grundriss. Es werden Aufzüge eingebaut, um den barrierefreien Zugang zu den Wohnungen zu sichern.

Doch nicht nur im Wohnungsbau tut sich etwas. Wer als Freiberufler nach Eberswalde zieht und einen Ort zum Arbeiten sucht, wird zum Beispiel im Co-Working-Space des Anbieters Thinkfarm fündig. Im Medienhaus Eberswalde bietet er in Kooperation mit der WHG Eberswalde auf 600 Quadratmeter flexible buchbare Arbeitsplätze und Besprechungsräume an. So kann der Traum vom Leben und Arbeiten im Grünen Wirklichkeit werden. JUDITH JENNER
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