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Extra: Immobilien

Ein Heim mit eigenem Büro

Immobilienentwickler haben den Trend zum Arbeiten zu Hause aufgegriffen und setzen dafür beim Grundriss an. Die Zauberformel lautet: ein Zimmer mehr bei gleicher Wohnungsgröße

Ein improvisiertes Büro zu Hause ist keine Dauerlösung – eigene Arbeitsräume sind gefragt. foto: Getty Images

Die Lage ist vertrackt: Einerseits werden seit Jahren immer kleinere Wohnungen und Häuser nachgefragt. Steigende Immobilienpreise zwingen Normalverdiener dazu, sich einzuschränken. Andererseits hat Corona viele Arbeitnehmer ans Arbeiten zu Hause gewöhnt und den Trend zum Homeoffice befeuert. Das aber erfordert mehr Raum im Eigenheim – was die Kosten in die Höhe treibt.

Das Paradoxon ist kaum zu lösen. Aber ein paar Ideen, wie man den Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum und einem abgetrennten Zimmer zum ungestörten Arbeiten vereinbaren kann, gibt es doch: „Die Projektentwickler haben sich auf die Bedürfnisse eingestellt“, sagt Karsten Waldschmidt, Leiter Produktstrategie beim Berliner Immobilienunternehmen Ziegert. „Sie planen immer öfter ein oder ein halbes Zimmer mehr auf derselben Quadratmeterfläche ein“.
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Das Thema Homeoffice scheidet die Geister. Die einen sind froh, dass sie seit einigen Wochen ihre Kollegen im Büro wieder treffen können. Andere finden es gut, dass sie sich lange Anfahrtswege sparen oder dem Kind nach Schulschluss zu Hause mal „Hallo“ sagen können. Fakt ist: Noch immer arbeiten viele Menschen daheim und der Trend zum Arbeiten am heimischen Schreibtisch ist gesetzt. Er wird auch von vielen Unternehmern forciert, die sich dadurch sinkende Büromieten versprechen. Er wird ebenso von politischer Seite unterstützt. Es soll ein Recht auf Homeoffice geben, ferner sollen Arbeitszimmer von der Steuer abgesetzt werden können. All das führt langfristig zu einer Neuordnung in Sachen Arbeitswelt: weg vom festen Büroplatz hin zum Schreibtisch in den eigenen vier Wänden.
Arbeiten mit Blick ins Grüne in Stadtrandlage: „Am Generalshof“ in Köpenick. Foto: Ziegert Immobilien
Arbeiten mit Blick ins Grüne in Stadtrandlage: „Am Generalshof“ in Köpenick. Foto: Ziegert Immobilien
Eine derartige gesellschaftliche Umwälzung hat extreme Auswirkungen. Diese sind einerseits soziologischer Natur: Was bedeutet es, wenn die Menschen vermehrt vereinzelt arbeiten? Wie müssen sich Familien organisieren, wenn Eltern tagsüber zu Hause statt in der Firma sind? Sie betreffen andererseits das Thema Immobilien: Wie können Arbeitnehmer zu Hause ungestört ihrer Tätigkeit nachgehen? Der Couchtisch ist zum Konferieren und kreativ sein jedenfalls nicht geeignet. Schon gar nicht, wenn man ihn mit einem anderen Familienmitglied teilen muss. Nicht von ungefähr führten beengte Verhältnisse in den vergangenen Monaten zu einigen familiären Konflikten.

Funktionierende Lösungen müssen her

Die Projektentwickler haben einige Lösungen parat. Sie versuchen, den Spagat zwischen Kosten und Komfort dadurch zu lösen, indem sie die Grundrisse noch vorteilhafter und wirtschaftlicher gestalten: Sie behalten die übliche Quadratmeterfläche annähernd oder gar ganz bei, sparen zum Beispiel am Flur, um im Gegenzug ein Zimmer oder ein halbes Zimmer von etwa sechs bis acht Quadratmetern hinzuzufügen. In der Regel reichet ein solches Räumchen aus, um einen Schreibtisch und ein Regal unterzubringen. Wichtiger als viel Fläche sind eine gute Ausstattung mit dem benötig ten Equipment, eine funktionierende Internetanbindung sowie ein ergonomischer Arbeitsplatz. Diese Punkte sollten Arbeitnehmer übrigens auch mit ihrem Arbeitgeber verhandeln.
 
Platz statt Lage: Auf der Suche nach größeren Wohnungen wählen Kaufinteressenten gern weniger zentrale Lagen, wie beim Projekt „Wohnen am Plänterwald“. Foto: Verimag
Platz statt Lage: Auf der Suche nach größeren Wohnungen wählen Kaufinteressenten gern weniger zentrale Lagen, wie beim Projekt „Wohnen am Plänterwald“. Foto: Verimag
Auf die Wohnung bezogen sind dabei die Architekten und Entwickler gefragt: Sie lösen das Dilemma zwischen begrenzter Fläche und mehr Rückzugsmöglichkeit durch „clevere Grundrisse“, so Waldschmidt: „Mit Schiebetüren oder Einbauschränken ist dies realisierbar, ohne spürbar an Wohnkomfort einzubüßen.“ So haben Familien etwa die Möglichkeit, tagsüber einen Arbeitsbereich vom Wohnzimmer abzutrennen und ihn abends fürs gemeinsame Essen wieder zu öffnen. Laut Karsten Waldschmidt werden solche Lösungen von Bauträgern immer häufiger in der Planung berücksichtigt.

Wem das zu behelfsmäßig erscheint, zieht alternativ auch gerne in die Randlagen der Stadt. „Immer mehr Menschen finden das Leben im Grünen lebenswerter“, sagt Jan Kretzschmar, Geschäftsführer des Berliner Bauträgers KW-Development. Das Unternehmen hat unter anderem das Objekt „Wohnen am Plänterwald“ entwickelt. Es steht aktuell zum Verkauf und wird laut Kretzschmar stark nachgefragt. „Gut 60 Prozent der Wohnungen wurden bereits veräußert.“

Auch Ziegert-Experte Waldschmidt sieht den Trend zum „naturnahen Rückzugsort“, der gleichzeitig ungestörter Arbeitsort sein kann. Die vom Immobilienunternehmen vermarkteten Einheiten „Am Generalshof“ in Köpenick finden daher hohen Zuspruch. Die Überlegung der Käufer: Sofern man nicht, oder nur ab und zu, zur Arbeit in die Stadt fahren muss, ist eine Wohnung im Speckgürtel eher ein Vor- als ein Nachteil: Die Wegstrecken ins Büro fallen weg, die Preise für die Immobilie sind günstiger, die Terrasse vor der Tür verschönert die Pause. Theresia Baldus
 
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