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Eine Frage der Präsentation

Worauf kommt es bei der stilvollen Inszenierung von Bildern an? Ein Gespräch mit Innenarchitektin Julia Maria Rafflenbeul

Bei der klassischen Petersburger Hängung werden mehrere Bilder an einer Wand gruppiert. Foto: K. Bialasiewicz / Getty Images

Berliner Morgenpost: Frau Rafflenbeul, welche Kunst hängen Menschen Ihrer Meinung nach daheim am liebsten auf?

Julia Maria Rafflenbeul: Der Trend geht zum Original. Während früher viele Menschen gerahmte Poster aus einem Museumsshop an die Wand hängten, gibt es heute sehr viel mehr Werke von jungen Künstlerinnen und Künstlern zu erschwinglichen Preisen. Bei der Platzierung von Kunst beobachte ich definitiv zurzeit einen Trend zum Informellen.

Was bedeutet das genau?

Bilder werden auf Regale, hintereinander gestaffelt, auf Sideboards und auf den Boden gestellt oder in Aussparungen im Regal gehängt oder gestellt. Das geht sogar mit Billy-Regalen: Lassen Sie einfach zwei Regalböden auf Augenhöhe weg und stellen Sie ein Bild rein.

Welche Hängungsarten sollte jeder kennen?

Die Petersburger Hängung, das sogenannte „Heavy Hang“, also eine Gruppe von Bildern. Dann gibt es den Solist, ein großes Werk, und zuletzt noch die Reihung, also mehrere Bilder nebeneinander.

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"Man sollte die Farben des Kunstwerks und der Inneneinrichtung in einen Dialog bringen"


Julia Maria Rafflenbeul, Innenarchitektin und Interiordesignerin

Wohn-, Schlafzimmer oder die Küche, wo hängen Bilder und Fotos am besten?

Ich würde mich bei der Wahl des Raumes immer von meiner Intuition und der Größe des Kunstwerkes leiten lassen. Ist es ein Bild, das ich beim Aufwachen und zu Bett gehen anschauen möchte, eignet es sich als Eye-Catcher im Wohnzimmer, ist es Kunst, die mich beim Arbeiten beruhigt oder beflügelt? Hier gibt es keine festen Regeln, Kunst ist höchst persönlich und man sollte sich hier keinen Regeln unterwerfen, sondern dem Gefühl folgen. Nur so entsteht eine persönliche Sammlung und Hängung, die viel über den Eigentümer verrät.
Nur Mut: Die sogenannte Niedrig-Hängung von Bildern wirkt modern und nahbar. Foto: Yurii Usenko, malija / Getty Images
Nur Mut: Die sogenannte Niedrig-Hängung von Bildern wirkt modern und nahbar. Foto: Yurii Usenko, malija / Getty Images
Was muss man bei der Raumhöhe beachten?

Haben Sie Mut zum Niedrig-Hängen, das ergibt einen intensiveren Dialog mit der Kunst. Ich mag es, in ein Kunstwerk quasi hineinzulaufen. Faustregel ist dabei, dass meine Augenhöhe etwas oberhalb der Mitte des Bildes ist.

Gibt es andere Trends bei der Wanddekoration?

Eindeutig Textilien, also Wandteppiche wie etwa „Vintage Kelim Rugs“ und alte Gewänder, beispielsweise Röcke von chinesischen Bäuerinnen aus Kokosgewebe. Und Keramik: Die gute alte Töpferei hat mittlerweile den Sprung in die Kunstwelt geschafft. Immer häufiger werden sehr kunstvoll gestaltete Möbelstücke wie kleine Hocker oder Tischchen, aber auch Lampenschirme aus Keramik angeboten. Immer noch im Trend sind die sogenannten „Heavy Hangs“, also eine bunte Mischung aus vielen Formaten, alten und neuen Rahmen – ein „Mix and Match“.

Wie machen Spiegel Räume größer?

Ich empfehle Mut zur Größe. Ich setze häufig vollflächige Spiegel ein, also von Wand zu Wand, von Boden zu Decke, um Größe zu simulieren, vor allem in Ankleiden und kleineren Räumen. Was viele nicht wissen: Öffnungen für Steckdosen und Wandleuchten lassen sich aus einem Spiegel ausschneiden und ihn so zur Wand werden. Für andere Räume gilt: Je größer, desto besser, je mehr sich darin spiegelt, desto mehr Größe wird vorgetäuscht. Immer schön sind zudem Spiegelinstallationen, also eine bunte Mischung aus Größen und Rahmen, am besten mit einer warmen Lichtquelle an der Wand.

Was muss man beim Lichteinfall durch Fenster oder Lampen beachten?

Lichtanfällige Werke auf Papier wie Fotos sollte man mit Museumsglas rahmen lassen. Das schützt vor Licht und wirkt auch so, dass sich Lichtquellen nicht so sehr darin spiegeln.

Wie korrespondieren Bilder und Fotos am besten mit Möbeln, hängt man etwa im Wohnzimmer ein großformatiges Bild oder Foto am besten über das Sofa?

Man sollte die Farben des Kunstwerks und der Inneneinrichtung in einen Dialog bringen. Ein Solist oder Eye-Catcher passt gut über ein Sofa. Einen „Heavy Hang“ sollte man mit einem Möbelstück ankern, am Besten über einem langen Sideboard oder über einem Bett, aber nicht über einem Sofa. Man sollte auch darauf achten, auf was man schaut, wenn man auf dem Sofa sitzt. Gut ist, wenn sich Hoch- und Querformate im Raum abwechseln.

Welche Rolle spielt die Raumgröße, gilt generell, dass man in kleine Räume wenig Bilder hängt und in große Räume viele Bilder?

Ich rate zum Mut zur Größe. Kleinformatige Bilder können Räume schnell kleiner wirken lassen. Ein großes Kunstwerk, als Solist platziert, ist eine großzügige und raumgreifende Geste und kann einen Raum optisch vergrößern. In großen Räumen funktioniert eine kleinteilige Hängung aber durchaus neben großformatigen Solisten, durch eine geschickte Inszenierung der verschiedenen Formate kann man Räume ganz neu strukturieren. Generell sollte man beim Aufhängen von Bildern auf sein Bauchgefühl hören: Regeln sind praktisch in der Theorie. Die eigene Intuition ist aber unschlagbar. Annette Walter

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