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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: NEUBAUPROJEKTE

Immobilienprojekte im Zeichen der Zeit

Auch der Wohnungsbau unterliegt Trends und aktuellen Entwicklungen. Schon heute zeigen viele Projekte, wie wir in Zukunft wohnen werden – und welche Bautrends Berlin in den kommenden Jahren prägen werden

Nachhaltigkeit von Beginn an mitgedacht: Zum Konzept des Projekts „Waterkant“ in Spandau gehört auch ein eigenes Quartiers-Nahwärmenetz unter Nutzung von Flusswärme. FOTO: EBA02 / EBA02

Wohnung ist nicht gleich Wohnung, Neubau nicht gleich Neubau. Auch der Immobilienneubau hat sich in den letzten Jahrzehnten ständig weiterentwickelt und unterliegt durchaus auch immer aktuellen Bautrends. Bevorzugte Materialien ändern sich ebenso wie Wohnungsgrößen, Technik oder Grundrisse. Bei Eigentumswohnungen stärker noch als im Mietwohnungsbau.

Heutzutage soll Bauen einerseits kostengünstiger werden, andererseits aber beispielsweise den gestiegenen Anforderungen an Komfort, Schall-, Brandund Umweltschutz entsprechen, barrierefrei sein, über eine moderne Medienversorgung und Smart-Home-Features sowie erhöhte Sicherheitsstandards verfügen. Vor diesem Hintergrund hat sich insbesondere die Idee der Stadtquartiere mit eigener Infrastruktur noch nicht abgenutzt. Im Gegenteil, sie wird weiterentwickelt zum Konzept der „nachhaltigen Smart Cities“. Schon alleine unter der Voraussetzung, dass sich große Brachflächen kaum anders sinnvoll entwickeln ließen, wie Thomas Herrschelmann, Pressesprecher und Referatsleiter Politik der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e. V. (FG-Bau), weiß. Große Projekte werden auf absehbare Zeit auch weiterhin als umfassende Stadtquartiere wie beispielsweise die Insel Gartenfeld in Spandau oder das Projekt Flughafen Tegel konzipiert werden. Eine Art Unterkategorie sind sogenannte Neubau-Cluster, bestehend aus mehreren hochgeschossigen Wohngebäuden mit Siedlungscharakter.
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Bestimmt wird der Wohnungsneubau aktuell und voraussichtlich auch in den nächsten Jahren von den Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Hinzu kommen Aspekte wie der demografische Wandel, die voranschreitende Metropolisierung und der Klimaschutz. Aber auch die aktuelle Entwicklung hinsichtlich der Materialpreise wird kurzfristig Auswirkungen auf die Bautrends haben. So liegt Holz als nachwachsender, wohngesunder und vielseitig einsetzbarer Baustoff zwar generell im Trend, aber: „Die enormen Preissteigerungen bei Holz in jüngster Zeit werden kurzfristig dazu führen, dass vor allem im Mietwohnungsbau verstärkt Kunststoffbodenbeläge Verwendung finden“, gibt Herrschelmann ein Beispiel für eine aktuelle, nicht unbedingt vorhersehbare Entwicklung.
Multifunktionale Raumkonzepte und nachhaltige Materialien gehören zu den aktuellen Bautrends, auch für das kommende Jahr. FOTO: MAD ARKITEKTER
Multifunktionale Raumkonzepte und nachhaltige Materialien gehören zu den aktuellen Bautrends, auch für das kommende Jahr. FOTO: MAD ARKITEKTER
Durch die neuen Möglichkeiten steigen auch die Ansprüche

Nachhaltigkeit wird gerade bei den entstehenden beziehungsweise sich in der Planung befindlichen Stadtquartieren immer größer geschrieben. So kommen etwa bei der „Waterkant“ in Berlin-Spandau unter Beteiligung der Gewobag eine Reihe von Smart-City-Technologien zum Einsatz. Dort werden beispielsweise ein eigenes Quartiers-Nahwärmenetz unter Nutzung von Flusswärme sowie ein Mobility-Hub mit Ladestationen für E-Fahrzeuge sowie Carund Bikesharing aufgebaut. Gewobag-Vorstandsmitglied Snezana Michaelis betont: „In unserer 100-jährigen Unternehmensgeschichte haben wir schon immer Innovationspotenziale beim Bauen, bei der Gebäudetechnik und beim sozialen Miteinander aufgegriffen und umgesetzt. Das ist Teil unserer DNA.“ Um als Wohnungsunternehmen die besten technischen Lösungen von heute und morgen integrieren zu können, hat die Gewobag mit Siemens in den Bereichen Energie, Mobilität sowie virtuelle und physische Infrastruktur eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Das Siemens-Know-how soll vor allem dazu dienen, bei der Energieversorgung die Sektoren Wärme, Strom und Verkehr miteinander zu koppeln und die Voraussetzungen für die klimaneutralen Stadtquartiere der Zukunft zu schaffen.

Für Simon Stöckicht, Direktor Kundenkommunikation und Servicestrategie beim Wohnungsunternehmen Deutsche Wohnen, ist die Digitalisierung gleich in zwei Bereichen von Bedeutung. „Zum einen wird es darum gehen, Effizienzen in der Bewirtschaftung zu verbessern. Dafür müssen möglichst viele Vorgänge oder Informationen digital und in Echtzeit verfügbar sein“, erläutert Stöckicht. Beispiel defekter Aufzug: Je kürzer die Kette ist, bis der Dienstleistende Bescheid weiß, desto besser. Im besten Fall erfährt er per automatisierter Push-Nachricht nicht nur, dass es einen Defekt gibt, sondern schon, welches Teil kaputt ist. Oder noch besser: Das Ersatzteil wird automatisch bestellt, weil das System selbst erkennt, dass keines mehr auf Lager ist. Und, weitergedacht, im Idealfall: „Der Aufzug sagt uns drei Tage vorher Bescheid, dass sich ein Defekt anbahnt“, so der Unternehmenssprecher.

"Die enormen Preissteigerungen bei Holz in jüngster Zeit werden kurzfristig dazu führen, dass vor allem im Mietwohnungsbau verstärkt Kunststoffbodenbeläge Verwendung finden."

Thomas Herrschelmann, Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e. V.

Der zweite Bereich sind Mehrwerte im Bereich Wohnen. „Mit den neuen Möglichkeiten ändern sich auch die Ansprüche der Menschen, die in unseren Wohnungen leben und zukünftig leben werden. Wir sehen die Digitalisierung als Chance. Dafür wollen wir Dienstleistungen anbieten, die helfen, das Leben unserer Kundinnen und Kunden einfacher zu machen – ob durch eine moderne Smart Home-Anwendung, eine schnellere Kundenkommunikation oder verbesserte Prozesse bei der Bewirtschaftung der Immobilien“, erklärt Stöckicht.

Bewohner denken wieder stärker in halben Zimmern

Auch wenn es im Zuge der Pandemie und der damit verbundenen veränderten Arbeitsbedingungen etwa durch Homeoffice zahlreiche Menschen in das zum Teil auch weitere Umland der Städte gezogen hat, so bleibt doch der übergeordnete Trend zur Metropolisierung ungebrochen. Daher werden in und am Rand der Metropolen alle für den Wohnungsbau geeigneten Flächen erschlossen werden. Modulares Bauen erweist sich als ein probates Mittel, um in kurzer Zeit bezahlbaren, komfortablen und nachhaltigen Wohnraum, insbesondere in den Ballungszentren und Universitätsstädten, zu schaffen.

Aber nicht nur vor dem Hintergrund der Pandemie und der veränderten Arbeitswelt sowie des geografischen Wandels werden Wohnkonzepte immer differenzierter und individueller. Neben barrierefreien und seniorengerechten Wohnungen sind herkömmliche Single-Apartments genauso gefragt wie Studenten-Studios, aber auch größere Einheiten für familiengerechtes Wohnen. Wobei da der Trend momentan zu weniger Quadratmetern geht, ohne auf Zimmer verzichten zu müssen. „Generell hat das verstärkte Arbeiten im Homeoffice dazu geführt, dass auch wieder mehr in halben Zimmern gedacht wird, die sich als Arbeitsplatz, aber auch für die Kinder nutzen lassen“, erklärt der Pressesprecher der FG-Bau. Dies bedingt, dass das multifunktionale oder auch vorausschauende Bauen im Kommen ist. Es macht eine flexible, generationenkompatible Umgestaltung des Wohnraums je nach Lebensphase und -situation möglich, sodass die Integration unterschiedlicher Lebensbereiche wie Wohnen, Arbeiten oder Kinderbetreuung deutlich komfortabler gestaltet werden kann. Und: Obwohl die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, braucht das Land mehr Wohnungen.

Bei all diesen Bautrends werden verstärkt neu entwickelte Materialien zum Einsatz kommen, die sowohl nachhaltig sind, als auch den Wohnkomfort steigern. Nanotechnologie sorgt etwa dafür, dass Fliesen nicht so leicht verschmutzen, somit weniger pflegeintensiv sind und auch den Einsatz von Putzmitteln reduzieren. Ein anderes Beispiel ist Dämmmaterial, das im Sommer vor großer Hitze schützt und im Winter wärmeisolierend wirkt. MANUELA BLISSE
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