Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA - Neubauprojekte 2018

In die Lücken und in die Luft„Käufer sind anspruchsvoller geworden“

Rund um den Alexanderplatz entstehen Bauprojekte im Luxussegment, aber auch ein dezidiert soziales Vorhaben

Über die Pläne für das Hines-Hochhaus am Alexanderplatz wird derzeit noch verhandelt HINES

Noch vor wenigen Jahren galt der Alexanderplatz als Spätentwickler ohne Reiz. Von den Hochhäusern, die der städtebauliche Entwurf des Architektenduos Hans Kollhoff und Helga Timmermann seit 1993 vorsieht, wurde noch keines gebaut. Doch rund um den Platz entstehen zahlreiche Neubauprojekte, Baulücken verschwinden. Die Palette reicht vom gehobenen Standard bis hin zu hochpreisigen Objekten im Luxussegment.

Auch die Hochhauspläne kommen voran. Im Dezember eröffnete zum einen das 19-geschossige Motel One in der Grunerstraße. 60 Meter ragt das Hotel direkt neben der Stadtbahn in die Höhe. Direkt neben der Shoppingmall Alexa entsteht mit dem „Grandaire“ ein dreiflügeliges Gebäude, das am höchsten Punkt 65 Meter erreicht. 269 Wohnungen und 650 Quadratmeter Ladenfläche finden darin Platz. Der Neubau soll im Sommer 2020 fertig werden.

Für zwei weitere Türme haben Investoren Bauanträge gestellt. Wegen einer beantragten Überschreitung der Geschossflächenanzahl musste die russische Monarch-Gruppe für ihren „Capital Tower“ Ecke Gruner-/Alexanderstraße jedoch bis zum März dieses Jahres auf die Baugenehmigung warten. Schräg gegenüber plant der amerikanische Investor Hines. Da das gewaltige Hochhaus direkt über den Schächten der U-Bahn-Linie 5 stehen würde, hat die BVG Bedenken angemeldet, die Gespräche dauern noch an.



Im Umfeld des Quartiers geht es dafür voran. Mit einer Reihe kleinerer Projekte schließen sich die Baulücken. Direkt am Spreeufer gelegen, mit Blick auf die Jannowitzbrücke und den Fernsehturm, ergänzen die Häuser des „C/O Mitte“ nahtlos eine Reihe von Altbauten aus der Kaiserzeit: mit zwei Höfen und Stuckfassaden. Das „Magazin 17“ in der gleichnamigen Straße gibt sich dagegen dezidiert modern. Der Siebengeschosser schließt unmittelbar an einen Altbau an und steht diagonal zu einem Plattenbau aus DDR-Zeiten.

Weiter im Westen, zwischen Brandenburger Tor und Gendarmenmarkt, entsteht gerade ein Gebäudeensemble, bei dem Gründerzeit und Moderne eine ambitionierte Symbiose bilden. An der Ecke Glinka-/Taubenstraße standen vier Häuser, Ende des 19. Jahrhunderts mit Erkern und Stuckfassaden erbaut, lange Jahre leer. Sie werden nun saniert, bauzeitliche Details bleiben dabei erhalten, und neu interpretiert. Ein Neubau ergänzt den historischen Bestand.

Das Wohnbauprojekt „Pandion Wall 18“ wiederum möchte „gründerzeitliches Gestaltungsideal mit neuzeitlichem Wohnkomfort“ verbinden. Zwischen Spittelmarkt und Märkischem Museum entsteht ein Haus mit 128 Eigentumswohnungen und sieben Gewerbeeinheiten. Anspruch auf Noblesse mit historischer Patina erheben auch die „Kronprinzengärten“. Von den zwölf Gebäuden wurde eines als Botschaftsgebäude errichtet. Bekannt wurde das Ensemble jedoch vor allem, weil bei den Arbeiten die denkmalgeschützte Friedrichswerdersche Kirche erheblich beschädigt wurde.

Direkt am Alex bekommt wiederum die Internationale Moderne aus den 1960ern ein neues Gesicht. Zwischenzeitlich sollte das „Haus der Statistik“ einem Neubau weichen. Um seinen Erhalt und die künftige Nutzung wurde jahrelang gestritten. Nun steht fest, dass auch weniger gut betuchte Menschen am Alex noch ein Dach über dem Kopf finden werden: Nach der Sanierung soll das Haus laut Senat ein „Ort für Verwaltung sowie Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen“ werden. Die „Initiative Haus der Statistik“ will darin auch Wohnraum für Geflüchtete, Studenten und Senioren schaffen.

Weitere Artikel