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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: WOHNEN AM WASSER

Mit dem E-Auto direkt an den Strand

Der Immobilienmarkt im Südosten von Berlin und im angrenzenden Landkreis Oder-Spree ist in Bewegung. Wohnungen und Häuser am Wasser sind selten und gefragt – und vor allem in Brandenburg steigen die Preise

In Bad Saarow entstehen Luxuswohnungen nach Plänen von David Chipperfield. FOTO: BLOOMIMAGES GMBH *UNVERBINDLICHE ARCHITEKTURVISUALISIERUNGEN

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen sich an den Ufern von Treptow und Köpenick die Volkseigenen Betriebe aneinanderreihten und im Landkreis Oder-Spree Fuchs und Hase gute Nacht sagten. Heute sind sowohl der Doppelbezirk im Südosten von Berlin als auch das angrenzende Umland gefragte Adressen. Das graue und verschlafene Image von dereinst wurde von einem Boom abgelöst, der über die Landesgrenze hinausreicht und derzeit nur von Problemen bei der Verkehrsanbindung gebremst wird. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Einer dieser Gründe ist, dass Treptow-Köpenick kulturell immer interessanter wird. In den kommenden Jahren entwickelt sich der Spreepark im Plänterwald zu einem Ort für „Kunst, Kultur, Natur“, so verspricht es der Slogan. Gerade erst wurde die Wiedereröffnung vom „Haus Zenner“ gefeiert – das Ausflugslokal im Treptower Park war schon zu DDR-Zeiten populär. Die neuen Pächter wollen zunächst mit einem Bier- und Weingarten an den Erfolg von dereinst anknüpfen. Und selbst die Partyszene zieht es in den Bezirk: Die „Griessmühlen“-Macher siedelten nach der Vertreibung aus Neukölln in die ehemalige Bärenquell-Brauerei über. Ihr neues Projekt, das viele junge Menschen anziehen wird, nennen sie stolz „Revier Südost“. In den Landkreis Oder-Spree hingegen zog es zuletzt vor allem Ruhe suchende Familien, die stadt-, aber eben auch naturnah zwischen Wäldern und wunderschönen Seen leben wollen.
Achterdeck
Wohnungen für neue Arbeitskräfte gesucht

Hier wie dort werden die Menschen allerdings in Zukunft nicht mehr allein sein. Sowohl Treptow-Köpenick als auch der Brandenburger Landkreis Oder-Spree steht ein Wirtschaftsboom und infolgedessen ein enormer Bevölkerungszuwachs bevor. Einerseits wegen des nahe liegenden Flughafens, dessen Potenzial durch die andauernde Corona-Pandemie noch nicht einmal im Ansatz ausgereizt ist. Andererseits durch die Gigafactory des Automobilherstellers Tesla, die derzeit in Gründheide gebaut wird.

Bis zu 40.000 Menschen sollen – ginge es nach Tesla-CEO Elon Musk, lieber heute als morgen – dort E-Autos für den europäischen Markt produzieren. Rund 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten aus der Region kommen. Man rechnet damit, dass 25.000 von ihnen erst nach Berlin und Brandenburg ziehen müssen. Experten veröffentlichten kürzlich ein neues landesplanerisches Konzept. Sie gehen davon aus, dass rund 16 Prozent dieser neuen Tesla-Mitarbeiter im engeren Bezugsraum leben wollen: in Schöneiche, Woltersdorf und Erkner, also im direkten „Speckgürtel“, aber auch in Grünheide, Spreenhagen oder Fürstenwalde. Einen kleineren Teil könnte es in Richtung Storkow ziehen. Die übergroße Mehrheit dürfte es allerdings nach Frankfurt an der Oder und Berlin verschlagen – und hier vor allem in den Südosten der Stadt.
Vue Potsdam
Baulandpreise werden weiter steigen

Die gute Nachricht: In Treptow-Köpenick wie auch in Brandenburg gibt es eigentlich genügend Flächen. Allein im Berliner Doppelbezirk beziffert Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) das Neubau-Potenzial auf 27.000 Wohnungen, die dort bis zum Jahr 2030 entstehen könnten. Auch in Brandenburg gibt es in den einzelnen Gemeinden, Dörfern und Städten noch viel Bauland, das kurz- und mittelfristig erschlossen werden könnte. Insgesamt konnten im Zuge der Erstellung des landesplanerischen Konzepts in allen beteiligten Kommunen mehr als 3000 Einzelflächen und fast 1000 Hektar Bauland identifiziert werden. Vor allem in Brandenburg sind viele dieser Flächen noch in privater Hand. Es ist davon auszugehen, dass deren Besitzer die Entwicklung abwarten. Sie spekulieren auf eine weiter steigende Nachfrage. Und die treibt bekanntlich die Preise.

Hochpreisig dürfte auch das Wohnen am Wasser werden. Noch trifft das allerdings nicht auf alle Projekte zu: Zumindest die Preise der Eigentumswohnungen, die derzeit in Treptow-Köpenick in Wasserlage errichtet werden, liegen noch nicht über dem Berliner Durchschnitt. Interessante Neubauprojekte finden sich dort beispielsweise in Wendenschloss, darunter das „Achterdeck“ von Kondor Wessels. Strategis vermarktet bereits heute die 187 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen. Kaufpreis: ab moderaten 215.000 Euro. Obwohl die Fertigstellung erst für 2025 anvisiert wird, erfährt die Berliner Morgenpost auf Nachfrage, dass bereits mehr als 40 Wohnungen vergeben sind.

Nördlich der Köpenicker Altstadt entstehen weitere 83 Wohnungen am Wasser. Das Neubauprojekt „Am Generalshof“ wird von Ziegert vermarktet. Die gehobene Ausstattung ähnelt jener vom „Achterdeck“, doch dürfte der Quadratmeterpreis von 5000 Euro andere Interessenten anlocken als das Projekt der Deutsche Wohnen. „Am Generalshof“ messen die bis zu fünf Zimmer großen Wohnungen zwischen 55 und 145 Quadratmeter. Sie sollen im zweiten Quartal 2023 fertiggestellt sein.

Standortwerbung mit der Großansiedlung

In Brandenburg wiederum ist man da schon weiter und setzt bei der Vermarktung gezielt auf potenzielle Käufer aus dem Tesla-Umfeld. „Unweit der künftigen Gigafactory“ ist eine Formulierung, die sich in den gängigen Immobilienportalen immer wieder finden lässt. Andere Anbieter weisen vorsorglich schon heute auf die wachsende Nachfrage hin. „Jetzt noch Preis sichern“ ist ein anderes sich wiederholendes Credo.

Dabei sind die Preise bereits hoch, was auch daran liegt, dass vor allem kleinere Projekte umgesetzt werden. Ein Beispiel sind die „Seelogen“ am wunderschönen Scharmützelsee. Dort entstehen acht Eigentumswohnungen, die sich über zwei Villen erstrecken. Die Wohnungen umfassen drei bis vier Zimmer (79 bis 111 Quadratmeter) und verfügen teilweise über einen eigenen Garten. Die Vermarktung übernimmt Schyma Immobilien. Die Fertigstellung ist für April 2022 anvisiert. Der Preis startet ab knapp über einer halben Million Euro. Ebenfalls in Bad Saarow entstehen bis zum Frühjahr 2023 die „Marina Apartements“. In einem mehr als 14.000 Quadratmeter großen Privatpark werden nach Plänen des Stararchitekten David Chipperfield 53 Wohnungen im Luxussegment gebaut.

Besonders ist nicht nur die naturnahe Lage, zum Objekt gehören auch der namensgebende Hafen und ein eigener Strandabschnitt. Auch die „inneren Werte“ stimmen: Die Wohnungen sind mindestens 50 Quadratmeter groß, verfügen über zwei bis sieben Zimmer, mit Raumhöhen ab drei Metern. Verwendet werden viele naturnahe wie gleichsam hochwertige Materialien. Die Bewohner teilen sich einen Spabereich mit beheiztem Indoor-Pool, Saunen, einem Geräteraum und einem Ruhebereich. Das kommt an: Nach Informationen der Berliner Morgenpost wurden bereits 50 Prozent der Wohnungen verkauft oder reserviert. Das Interesse sei weiterhin anhaltend groß, teilt uns ein Unternehmenssprecher der Artprojekt Communication & Event GmbH mit.

Vom Bungalow bis hin zur sanierten Villa

Schwieriger sieht es da bei anderen Seen in der Region aus. In Woltersdorf errichtet die Klaus Haus Immobilien & Bau GmbH ein „Trio am Kalksee“ mit sechs Doppelhaushälften, die direkt vom Bauträger vertrieben werden – und beinahe vollständig abverkauft sind. Schon komplett vermarktet ist das Neubauprojekt am Werlsee in Grünheide. Die meisten Häuser, die hier derzeit auf den Markt kommen, sind dagegen Bestandsimmobilien. Das Angebot reicht von Bungalows über Zweifamilienhäuser bis zu Reihenhäusern und sanierten Industriellen-Villen.

Obwohl der Markt derzeit nicht viel hergibt, ist davon auszugehen, dass sich in den kommenden Jahren einiges tun wird. Brandenburger Landbesitzer werden dieses verkaufen, Kommunen und Bezirke neue Flächen zur Bebauung freigeben. Wer im Südosten sucht, sollte sich daher immer auf dem Laufenden halten: Dann findet man vielleicht auch eines Tages das eigene Traumobjekt, vielleicht sogar direkt am Wasser. MAX MÜLLER

Wogende Wellen, die bis vor die Haustür schwappen

Neue Wohnquartiere in Ufernähe entstehen vor allem am Rand Berlins. Ein Überblick über aktuelle Neubauprojekte in Wasserlage
„Uferkrone“, „My Bay“ oder auch „Achterdeck“ – die Nähe zum Wasser steckt bei einigen Neubauprojekten bereits im Namen. Sie versprechen wogende Wellen direkt vor der Haustür. In Berlin gibt es eine ganze Reihe von Plänen, die offenen Uferflächen von Spree, Havel, Dahme sowie jene der zahlreichen Kanäle, Seen und Tümpel zu bebauen oder zu verdichten. Private und kommunale Auftraggeber planen und realisieren gleichsam diese Projekte, die vielfach an der Peripherie, im Südosten oder ganz im Westen der Stadt zu finden sind.

Private Bauherren treiben Projekte voran

Eines der aktivsten Wohnungsunternehmen in Treptow-Köpenick ist die Deutsche Wohnen mit ihren Tochterfirmen. Bis zu 4000 Wohnungen will der Konzern in den kommenden Jahren errichten. 1200 davon entstehen am Wendenschloss, verteilt auf 64 Gebäude, die sich über den Marienhain des ehemaligen Gutsbesitzers Carl Bolle ziehen. Auch dessen historische Villa soll rekonstruiert werden, ebenso ist der Bau einer Kindertagesstätte in Planung.

Und das ist nur eines der größeren Projekte. Hinzu kommen verschiedene kleinere. Die Buwog hat mittlerweile sämtliche Eigentumswohnungen des Grünauer Projekts „52 Grad Nord“ veräußert. Auch im Block der „Uferkrone“, nördlich der Köpenicker Altstadt gelegen, gibt es keine einzige freie Wohnung mehr. Bereits Ende 2022 bezugsfertig ist das Ensemble „My Bay“ an der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg. 60 Wohnungen mit einer Grundfläche von 48 und 115 Quadratmetern entstehen dort, wo sich eines Tages auch die Berliner „Coral World“, eine Art Aquarium-Abenteuerpark, ansiedeln will.

Am anderen Ende der Stadt, in Spandau, ist wiederum die Buwog zugange. 100 Eigentumswohnungen in drei Gebäuden gehören zum Ensemble „Speicherballett“. Hier finden sich noch einzelne freie Wohnungen in verschiedenen Größen zwischen 330.000 und knapp 800.000 Euro. Auf der anderen Seite der Insel Eiswerder wiederum sind kommunale Unternehmen tätig: Entlang der „Waterkant“ errichtet die WBM in Kooperation mit der Gewobag bis zu 2500 neue Wohnungen. Bis 2025 soll im nördlichen Spandau ein komplett neues Quartier mit Spielplätzen, mehreren Kindertagesstätten, Nahversorgungseinrichtungen und Freizeitangeboten entstehen. Die Nachfrage bei Mietinteressenten ist groß.

Vereinzelt werden auch in der Stadtmitte Neubauprojekte realisiert, vor allem in Charlottenburg. Zuletzt hat dort die Cannon Berlin Group das Projekt „Charlottenburg No. 1“ realisiert – mit einigen letzten freien Wohnungen im Luxussegment. Zu diesem zählen auch die 26 Eigentumswohnungen, die am Charlottenburger Ufer 14 entstehen (Tetragon Projekt Management GmbH). Ende des Jahres soll außerdem noch der „Charlottenbogen“ (AMAG Bauten), ein Neubauensemble nördlich der Helmholtzstraße, bezugsfertig sein (2 bis 5 Zimmer, ab 329.000 Euro). Langsam, aber sicher wird in der Innenstadt der Platz am Wasser knapp. MAX MÜLLER
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