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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: Neubauprojekte

Neues Leben im alten Krankenhaus

Auf dem Gelände der ehemaligen Neuköllner Frauenklinik entstehen rund 1400 Wohnungen. Die ersten Mieter sind bereits eingezogen, andere Abschnitte sind noch in Planung. Was fehlt, ist eine Zukunftsvision für den gesamten Kiez

„Neumarien“ aus der Luft: Auf diesem Teil des Klinikgeländes entstehen auch Wohneinheiten mit Mietpreisbindung und eine Kita. FOTO: BUWOG (2)

BIM Berliner Immobilien Messe
Vor 15 Jahren schloss der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes die Frauenklinik am Mariendorfer Weg in Neukölln. Auf dem Areal wurden in den Folgejahren häufig illegale Partys organisiert, Obdachlose lebten in den leerstehenden Gebäuden, es gab mehrere Brände – Bilder, an die heute nichts mehr erinnert. Längst sind Bautrupps angerückt, um eines der größten Neubauprojekte des Bezirks im Berliner Südosten zu verwirklichen. In den kommenden Jahren sollen auf dem einstigen Klinikgelände bis zu 1400 Wohnungen entstehen. Die ersten Mieter sind bereits in die sanierten sowie neu errichteten Wohnungen eingezogen, andere Bauabschnitte existieren bislang nur auf dem Papier.

Flächen aufgeteilt

Zwei Bauträger teilen sich die Fläche: Das Petruswerk, eine Tochtergesellschaft der Avila Group, entwickelt den Wohnpark „St. Marien“ nördlich des Mariendorfer Wegs. Und das Bauunternehmen Buwog zieht auf dem südlichen Abschnitt auf einer Fläche von 56.000 Quadratmetern das Viertel „Neumarien“ hoch. Allein die Lage dürfte viele potenzielle Mieter anziehen. An der Grenze zwischen Neukölln und Tempelhof gelegen, ist es nicht weit bis zur Hermannstraße und ihrem S-Bahnhof mit Anschluss an die Ringbahn. Nordwestlich liegt, ebenfalls fußläufig erreichbar, das Tempelhofer Feld, das zu den beliebtesten Naherholungsflächen der Stadt zählt. Es gibt diverse Einkaufsmöglichkeiten, Sportstätten sowie in unmittelbarer Nähe die Hermann-Sander-Grundschule.

„Die Hausgemeinschaft ist bunt gemischt von Singles bis hin zu Familien.“

Michael Divé, Buwog-Pressesprecher

Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen am ehesten auf dem vom Petruswerk bebauten Gelände, auf dem ehemalige, denkmalgeschützte Klinikteile in Wohnungen umgewandelt und Neubauten realisiert werden. Zur Straße hin erstrecken sich die drei bereits sanierten historischen Gebäude, die miteinander verbunden sind. Im Westen befindet sich ein winkelförmiger Verwaltungsbau, dessen offenstehende Seite durch einen Neubau ergänzt wurde, sodass ein abgeschlossener Innenhof entstand. An diesen schließt sich die einstige Krankenheilanstalt an, deren Behandlungszimmer nun großzügige Wohn- und Schlaflandschaften bilden. In die ehemalige Direktorenvilla zieht eine Kindertagesstätte, die über 80 Plätze verfügt.
Die ersten Wohnungen in „Neumarien“ wurden bereits im Februar bezogen. Weitere Einheiten werden dieses Jahr fertiggestellt.
Die ersten Wohnungen in „Neumarien“ wurden bereits im Februar bezogen. Weitere Einheiten werden dieses Jahr fertiggestellt.
Angebot für Studenten

Dazu kommen in naher Zukunft einige Neubauten: vier sogenannte Punkthäuser mit je zwölf Wohnungen, ein kammförmiger Riegel mit 228 Einheiten sowie ein 21-stöckiges Hochhaus, das von siebenstöckigen Gebäudeteilen flankiert wird – jeweils ausgestattet mit zwei bis vier Wohnungen pro Etage. Die Autofahrer finden Stellplätze in einer Tiefgarage. Entlang der Silbersteinstraße ist zudem bereits ein Studentenwohnheim mit 137 möblierten Micro-Appartements fertiggestellt worden – inklusive Gemeinschaftsflächen sowie einem separat mit dem Bezirk geplanten Familienzentrum. Insgesamt gibt es rund 600 Wohnungen, die zwischen 47 und 135 Quadratmeter groß sind. Die Miete startet ab 13,50 Euro je Quadratmeter. Für Studierende gilt das „all inclusive“-Konzept, sodass die einzelnen Appartements monatlich ab 500 Euro kosten.

Auch auf dem Buwog-Gelände gibt es eine Kindertagesstätte mit 70 Plätzen, diese wird dreisprachig sein – neben Englisch und Deutsch auch mit einem Schwerpunkt auf Dänisch. Das Quartier bietet insgesamt 214 Mietwohnungen, von denen einen Monat nach Fertigstellung bereits rund 120 Wohneinheiten vermietet sind. „Die Hausgemeinschaft ist bunt gemischt von Singles bis hin zu Familien. Der überwiegende Teil der Menschen kommt aus Neukölln selbst oder den angrenzenden Bezirken, wobei viele Mieterinnen und Mieter auch in der Umgebung arbeiten“, sagt Buwog-Pressesprecher Michael Divé und fügt hinzu: „Aktuell haben wir auch noch schöne Zwei- und Dreizimmerwohnungen frei“. Ein Unterschied zum Projekt des Petruswerks: Es gibt mietpreisgebundene Wohnungen. Das betrifft 25 Prozent der nun fertiggestellten Einheiten und 30 Prozent der in Planung befindlichen 615 Wohnungen des Projekts. Für diese WBS-gebundenen Wohnungen wird künftig ein Mietzins von 6,50 Euro fällig, für alle anderen werden es durchschnittlich 13 Euro sein.

Was derzeit noch fehlt, ist ein nachhaltiges Konzept für die Zukunft des Kiezes, was bei einer Bürgerversammlung Ende Januar dieses Jahres deutlich wurde. Dazu gehört der Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung ebenso wie der Wunsch nach einer weiterführenden Schule der Möglichkeit, das Abitur zu machen. Auf diese Fragen muss der Bezirk in den kommenden Monaten Antworten finden, solange noch gebaut wird. Max Müller
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