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Extra: Neubauprojekte

Postamt Lichterfelde und Tivoli-Brauerei in Berlin-Kreuzberg

Historisches Flair und Neubaustandard sind in Berlin und Umgebung keine Gegensätze. Etliche Wohnquartiere in und an Denkmälern zeugen davon

Im Postamt Lichterfelde entstehen auch unter dem Dach neue Wohnungen. FOTOS: ZIEGERT (2)

Theresia Baldus 

Früher wurden hier Briefmarken gekauft und Pakete aufgegeben, demnächst werden in dem historischen Postamt in Lichterfelde Menschen leben. Vier Etagen- und acht Dachgeschosswohnungen entstehen in dem 1925 erbauten Gebäude. Auf dem Grundstück, das sich in Richtung Teltowkanal erstreckt, werden zudem drei Neubauten errichtet – mit insgesamt 36 Wohnungen, zwei Ladenflächen sowie Büros.

Heil- zu Wohnstätten

In Berlin werden Wohnungen benötigt. Gleichzeitig sind diverse Fabriken, Postämter, Brauereien oder Krankenhäuser überflüssig geworden. Da bietet es sich an, die häufig unter Denkmalschutz stehenden Gebäude umzunutzen. In Berlin und Umgebung ist dies in der Vergangenheit schon häufig geschehen. Vor allem Brauereien, etwa die Tivoli-Brauerei in Kreuzberg oder Schultheiss in Spandau, wurden zu Wohnungen umfunktioniert. In der Kreuzberger Wartenburgstraße, Ecke Großbeerenstraße leben Menschen in einer ehemaligen Geriatrie. Im brandenburgischen Beelitz sind vor zwei Jahren die ersten Mieter in die Heilstätten eingezogen, wo Anfang des vergangenen Jahrhunderts noch Tuberkulose-Patienten genesen sollten. Weitere Mieter werden folgen. Denn der Investor, das Berliner Unternehmen KW-Development, plant auf dem Gelände mehr als 1000 neue Wohneinheiten.
Große Bauprojekte in und an denkmalgeschützten Gebäuden sind zwar selten geworden. Doch vereinzelt werden noch immer historische Objekte saniert und umgenutzt. In manchen werden Gewerbeeinheiten angesiedelt, wie etwa in der ehemaligen Schultheiss-Brauerei in Moabit. Vergangenen Sommer wurde dort ein Einkaufszentrum eröffnet. Doch hier und dort entstehen auch Wohnungen in und an Denkmälern. In der Brauerei Berliner Bürgerbräu in Friedrichshagen etwa, in der bis 2010 noch gebraut wurde, sollen künftig unter anderem Wohnungen entstehen. Das ist aber noch nicht spruchreif.

Postamt Lichterfelde und Tivoli-Brauerei in Berlin-Kreuzberg Image 1
Bei anderen Projekten sind die Entwickler und Investoren schon weiter, etwa beim anfangs erwähnten Postamt Lichterfelde. Laut Karsten Waldschmidt, Leiter Produktstrategie beim Immobilienunternehmen Ziegert, – der Makler hat den Vertrieb übernommen – werden Ende nächsten Jahres die ersten Wohnungen in den Neubauten fertiggestellt sein. Im Postamt selbst wird dies voraussichtlich Anfang 2021 der Fall sein. Dennoch sind bereits mehr als 30 Prozent der Einheiten verkauft. Einige der Dachgeschosswohnungen waren laut Daniel Hanack, Geschäftsführer der ausführenden SHSP-Architekten Generalplanungsgesellschaft in Berlin, bereits vor Verkaufsstart veräußert.

Wohnraum in Denkmälern ist eben begehrt. Schließlich versprühen sie einen Charme, den kein Neubau versprühen kann. Die Wohnungen selbst sind natürlich technisch auf dem modernsten Stand. Ob Energieeffizienz oder Gegensprechanlage: Selbst im Denkmal verzichtet niemand auf die Annehmlichkeiten der heutigen Zeit. Aber zum Teil verbleiben alte Elemente bestehen. In den entstandenen Wohnungen in Beelitz-Heilstätten zum Beispiel wurden viele der rund 100 Jahre alten Villeroy-&-Boch-Fußbodenfliesen erhalten. Laut Jan Kretzschmar, Geschäftsführender Gesellschafter von KW-Development, „macht es auch nichts, wenn mal eine Ecke abgeplatzt ist“. Im Gegenteil: Die Mieter sind von der Authentizität begeistert.

Beispiel Beelitz-Heilstätten: ehemaliges Küchengebäude vor und nach der Sanierung. FOTOS: KRISTINA GESKE / KW-DEVELOPMENT
Beispiel Beelitz-Heilstätten: ehemaliges Küchengebäude vor und nach der Sanierung. FOTOS: KRISTINA GESKE / KW-DEVELOPMENT
Doch selbst wenn die Gebäude entkernt werden, im Inneren also nicht mehr viel übrig bleibt von früher: Die Hülle ist noch da. Die Außenmauern bleiben erhalten, sie werden in der Regel nur aufgehübscht. Wie das aussehen kann, zeigt sich auch an der alten Glockengießerei in Neukölln. Der Charme der handwerklich und industriell anmutenden Hallen blieb nach der Umwandlung bestehen.

Hochpreisige Angebote

Für die Entwickler solcher Areale ist genau dies die Herausforderung: Denkmalgeschützte Gebäude sollen, so Kretzschmar, „möglichst behutsam in Schuss gebracht werden“. Neue Häuser, die sich um die alten herum gruppieren, sollen sich wiederum „respektvoll in das Denkmalensemble einfügen“. Um dies zu gewährleisten, müssen die Planer mit der Denkmalschutzbehörde zusammenarbeiten. „Zum Teil stimmt man mit der Behörde überein, zum Teil nicht“, sagt Hanack. Dann gelte es Kompromisse zu finden.

Schwierig ist die Errichtung von Wohnungen in alten Gemäuern aber auch deshalb, weil die Baukosten im Voraus schwer zu beziffern sind, sagt Architekt Hanack. „Man kann ja nicht alles vorher mit dem Hammer aufschlagen.“ Aus diesem Grund verteuerten sich solche Bauvorhaben häufig, sodass Erwerber in der Regel recht hohe Preise zahlen und Mieter mit hohen Mieten rechnen müssen. Einziger finanzieller Vorteil ist die Abschreibungsmöglichkeit. Die Investoren können diesen steuerlichen Vorteil unter gewissen Umständen an die Käufer weitergeben. Ansonsten zahlen diese Liebhaberpreise.

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