Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Immobilien 

Statt Montana an die Havel

Die US-Amerikanerin Andrea Willson hat ihre Heimat in einem ehemaligen Kutscherhaus nahe Potsdam gefunden

Andrea Willson mit Hund Bozer in einem ihrer beiden Wohnzimmer im Landhausstil. Hier hat die Drehbuchautorin und Filmschaffende, die sich selbst auch als Country-Girl bezeichnet, schon viele Gäste bewirtet. SVEN LAMBERT (5)

Für Andrea Willson war 1999 ein entscheidendes Jahr. Die heutige Mittfünfzigerin fragte sich damals, wohin sie eigentlich gehöre. Sie ist in Heidelberg geboren, ihr Vater gehörte als Offizier der US Army an, ihre Mutter war stadtbekannt als schöne junge Frau. Schon bald nach der Geburt zog das Kind mitsamt seinen Eltern nach Kalifornien um, dort ist Willson aufgewachsen. Später aber – die Mutter hatte Sehnsucht nach Europa – ging die Familie in die Schweiz, dann nach Belgien und danach wieder nach Amerika, wo sie bis heute lebt.

Andrea Willson kehrte aber in die Heimat ihrer Mutter zurück. 1988 berichtete sie für den New Yorker PBS Channel 13 aus Deutschland. Ihre Karriere weitete sich 1992 aus, als sie bei der Kirch-Gruppe und den TV-Sendern ProSieben und RTL 2 als Redakteurin tätig war. Sie schrieb Drehbücher für TVFilme, wechselte dann zur Deutschen Columbia Pictures als Produktionschefin. Dort kam im Jahr 2000 ihr erster Kinofilm „Anatomie“ heraus, in jenem Jahr der erfolgreichste deutsche Film. Seit 2011 ist Willson als freie Drehbuchautorin im Geschäft, sie hat mit Matthias Schweighöfer und Karoline Herfurth gearbeitet.

Ihre letzte Idee war eine romantische Komödie über Menschen und Hunde. Der Film „Wuff“, Regie führte Detlev Buck, kommt Ende Oktober in die Kinos. Inzwischen bereitet sie die Drehbuchadaption einer Erzählung der Schriftstellerin Elke Heidenreich vor, es wird zugleich ihr nächster Kinofilm.

Das Wohnhaus, das einst ein Kutscherhaus war und 1900 erbaut wurde, ließ Andrea Willson umbauen.
Das Wohnhaus, das einst ein Kutscherhaus war und 1900 erbaut wurde, ließ Andrea Willson umbauen.
Das alles geschah, weil Andrea Willson 1999 entschieden hatte, in Brandenburg zu leben. „Hier will ich Wurzeln schlagen“, sagt sie. „Ich glaube, hier habe ich endlich meine Heimat gefunden. 27-mal bin ich in meinem Leben schon umgezogen, das reicht! Noch nie habe ich so lange an einem Ort gewohnt wie in Sacrow.“

Sie weiß noch genau, dass sie dorthin am 24. Juli 1999 zu einer Hochzeit eingeladen war. Neben dem Feiern lief sie durch den Ort. „Ich habe mich sofort in ihn verliebt. Hier könnte ich alt werden, dieses Gefühl hatte mir bis dahin gefehlt. Als Amerikanerin wollte ich sowieso unbedingt ein Haus, das gehört bei uns zur DNA. Also habe ich es mir an der Havel gekauft. Es ist wunderschön.“ Dazu trägt auch das 2500 Quadratmeter große Gartengelände bei. „Ich sah die alten Bäume, den Rasen und dass der Blick weit reichte“, sagt Willson. „Das hat mich an ein Puzzle aus meiner Kindheit erinnert. Im Grunde meines Herzens bin ich ja ein Country-Girl geblieben.“

Mit der Einrichtung von Räumen hat Willson viel Erfahrung.
Mit der Einrichtung von Räumen hat Willson viel Erfahrung.
In jahrelanger Arbeit hat sie einen Schatz gehoben

Ihr Wohnhaus hat sie komplett umgebaut. Es war einst ein Kutscherhaus, auch die Pferde standen hier über Nacht. Im Jahr 1900 war die Anlage gebaut worden, zur DDR-Zeit wurde sie arg vernachlässigt. Das Dach war porös, der Vorhof mit Zement überdeckt, einige Wände ruinös. In jahrelanger Arbeit und mit viel Geld hat sie einen schon verlorenen Schatz gehoben. In das Vorgelände ließ sie das ursprüngliche Kopfsteinpflaster verlegen.

„Es hat unglaublich viel Arbeit gemacht“, erinnert sich Andrea Willson. „Meinerseits gab es auch gravierende Fehler. Mein größter Fehler war, dass ich keine Bewässerungsanlage in den Boden legen ließ. Das bereue ich, denn in diesem heißen Sommer musste ich stundenlang den Garten wässern.“

Dabei hat die Frau mit einem Schweizer und einem US-Pass dafür gesorgt, dass das Haus mit Teilen eines Fachwerks original wiederaufbereitet wurde. Das zieht auch andere Leute an, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, erzählt sie. Ihr Haus ist ein Treffpunkt, die Hausherrin ist für ihre Kochkünste bekannt. „Ich hatte schon oft 20 Gäste an meinem Tisch“, sagt sie. „Ich bin gern Gastgeberin und habe mich mit meinen Nachbarn angefreundet.“

Andrea Willson hat Erfahrung bei der Einrichtung und Ausstattung von Räumen. 250 Quadratmeter auf zwei Etagen mussten geplant werden, allein die beiden Wohnzimmer sind 55 und 50 Quadratmeter groß. Eine Zeit lang hatte sie sich, von der Filmarbeit etwas erschöpft, mit Interieur befasst. Ihre Freundin Sarah Wiener, eine Österreicherin, die mehrere Gastro-Einrichtungen in der Hauptstadt betreibt, hatte sie beauftragt, einen Teil eines neuen Restaurants zu gestalten. Daraufhin bat sie ein Freund aus der Filmbranche, sein Haus in Potsdam umzugestalten, im Stil der Häuser auf Long Island. „Das Dekorieren habe ich von meiner Mutter“, erklärt sie.

Ihre offene Küche bezeichnet die Hausherrin als ewiges Provisorium.
Ihre offene Küche bezeichnet die Hausherrin als ewiges Provisorium.
Das eine ihrer beiden Wohnzimmer hat Andrea Willson zum Wohlfühlort gemacht. Dort gibt es Sofas, Sessel und Teppiche auf Eichendielen, schöne alte Schränke, dezent grau getünchte Wände, an denen viele Bilder überwiegend zeitgenössischer Künstler hängen. Dazu ein riesiger Flachbildschirm. Hier sitzt sie abends und schaut sich Filme an. „Das muss ich, um zu wissen, was derzeit läuft“, sagt sie. Kinofilme findet sie besser. „Die erzählen Geschichten, die viel besser verstanden werden.“

Ferner sei sie dazu übergegangen, an den Abenden mehr zu lesen. Neben amerikanischer Literatur ist sie auch fit in der deutschen Belletristik, überall in den Räumen sind Bücher verteilt. So wie immer frische Blumen aus dem eigenen Garten in Vasen verstreut sind.

Das Bad mit Kronleuchter, Gardinen und historischen Fliesen.
Das Bad mit Kronleuchter, Gardinen und historischen Fliesen.
Das zweite Wohnzimmer hat eine offene Küche

Zwischen den beiden Wohnzimmern liegt der Eingangsbereich ins Haus. Dort hat Willson breite Fliesen legen lassen, die Besucher regelrecht anlocken. Für das benachbarte Bad holte sie sich von einem Experten historische Fliesen, die sie von einer Brandenburger Firma überarbeiten ließ. Hier hat sie ihren wunderbaren alten Schreibtisch stehen, vier Meter lang, darauf der glänzende Computer. „Ich arbeite gern in einem solchen Raum, da kommen die Gedanken von selbst.“ Denn der Arbeitsraum ist nicht nur groß, er hat auch Oberlicht. Von dem Vorraum aus geht eine Treppe hinauf zu ihrem Schlafzimmer und anderen privaten Räumen.

Das zweite Wohnzimmer auf der anderen Seite bezeichnet die Hausherrin als „Herz des Hauses“. Es ist mit einer offenen Küche verbunden, die sie als „ewiges Provisorium, an das ich mich gewöhnt habe“, sieht. Für das Geschirr hat sie zwei große Schränke, Töpfe und Pfannen sind in Regalen gestapelt. „Ich habe hier nicht eine einzige Schublade.“ Dafür hat sie einen sehr amerikanischen Gasherd, riesig, zweigeteilt und geeignet für das Braten des Truthahns an Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest.

In der Mitte steht der große Esstisch mit seinen sechs Stühlen. An die andere Rückseite hat sie einen opulenten Kamin einbauen lassen, Holzscheite liegen gestapelt daneben. Auf der anderen Seite, am Fenster in den Garten, stehen Sessel, einer davon gehört Bozer, ihrem Kromfohrländer. Vor sieben Jahren ist Andrea Willson auf den Hund gekommen, sie hat ihn, der einer seltenen Rasse angehört, aus Schweden geholt. Bozer war die Vorlage für den Film „Wuff“, dessen Drehbuch Willson schrieb. Er ist dabei, wenn sie zu ihrem Lieblingssee radelt, er schwimmt mit ihr und begleitet sie beim Pilzesuchen.

Andrea Willson hat ihr Haus so eingerichtet, dass sie hier gut mit ihrem Hund zusammenleben kann. „Wenn ich nach Amerika fliege, habe ich dort bald wieder Sehnsucht nach unserem Leben hier“, sagt sie. „Allenfalls eine Ranch in Montana könnte mich dazu verlocken, mit Bozer nach Amerika zu gehen.“

Nachrichten

WASCHBECKEN
Verstopfung mit Zange und Bürste lösen

Verstopfungen im Abfluss des Waschbeckens können hartnäckig sein. Statt chemische Mittel zu nutzen, greift man besser zu Rohrzange und länglicher Bürste, rät die DIY Academy in Köln. Erst wird der Abfluss von oben mit der Bürste gereinigt. Danach stellt man einen Eimer unter den Siphon. Mit der Zange die Feststellringe lösen und das gebogene Kniestück abnehmen. Angesammeltes Wasser kommt in den Eimer, hartnäckiger Schmutz wird mit der Hand entfernt. dpa

PILZBEFALL
Schwachstellenanalyse vor dem Baubeginn

Holzzerstörende Pilze sind nicht nur ein Altbau-Problem. Auch Neubauten in Holztafeloder Ständerbauweise sind von Nassfäulepilzen bedroht, vor allem wenn Dichtungen mangelhaft ausgeführt wurden. Der Verband Privater Bauherren rät zu einer Schwachstellenanalyse der Konstruktion vor Baubeginn und während der Bauphase. Oft befallen die Pilze Balkontragebalken, die dem Regen ausgesetzt sind. In Wand- und Deckenkonstruktion richten sie Schäden an. dpa

ZIMMERPFLANZEN
Bambus eignet sich als Kratzbaum

Haustierbesitzer sollten bei der Wahl ihrer Zimmerpflanzen auch an ihre Vierbeiner denken. So eignet sich der Stamm von Bambus-Pflanzen als natürlicher Kratzbaum für Katzen. Zum Anknabbern lädt Katzengras ein. Das sei ballaststoffreich und helfe damit Katzen, aber auch Hunden bei der Verdauung. Darauf weist das Blumenbüro hin. Als robuste Pflanzen, die herumtobenden Tieren gut standhalten, empfehlen die Experten Grünlilie und Zyperngras. dpa

Zahlenwerk

272 Wohnungen entstehen in einem autofreien Stadtquartier zwischen Königlicher Porzellan-Manufaktur (KPM) und Spree im Nordosten von Charlottenburg. Das Ensemble gruppiert sich um einen nach KPM-Gründer Wilhelm Caspar Wegely (1714–1764) benannten Platz, der jetzt eingeweiht wurde. sta
Weitere Artikel