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Extra: FERIENIMMOBILIEN

Sylter Preise bleiben unerreicht

Von Villen für 28 Millionen Euro bis zum unbekannten Juwel: Die Preisunterschiede bei Ferienimmobilien auf den deutschen Nord- und Ostseeinseln sind beachtlich

Auf die Form kommt es an: Während es auf breiteren Inseln wie Föhr – gemessen an der Gesamtfläche – weniger Immobilien in Wassernähe gibt, bieten schmale Inseln wie Sylt mehr Top-Lagen. FOTO: RELAXFOTO.DE/GETTY IMAGES

Für die einen ist es eine verführerische Träumerei in komplizierten Zeiten, für die anderen ein konkretes Kaufvorhaben. Fest steht: Noch nie suchten so viele Menschen in Deutschland online nach den Stichwörtern „Ferienhaus kaufen“ oder „Ferienwohnung kaufen“ wie im Sommer des vergangenen Jahres. Ein Grund dafür ist sicherlich die Sehnsucht, sich im Urlaub zu Hause zu fühlen. Durch die Pandemie ist noch ein weiterer Trend hinzugekommen: Homeoffice mit Aussicht. Der Blick aufs Meer schlägt dabei übrigens den Blick auf die Berge. Gerade die deutschen Nord- und Ostsee-Inseln sind besonders gefragt, wie aus dem Marktbericht Ferienimmobilien 2021 von Engel und Völkers hervorgeht.

Sylt, Norderney und Juist erzielen die höchsten Preise

Generell ist das Angebot auf allen Inseln knapp und die Nachfrage hoch. Das treibt die Preise. Besonders auf Sylt werden immer wieder neue Rekorde aufgestellt. Mit dem Verkauf einer Immobilie für 28 Millionen Euro wurde 2020 trotz Corona der Spitzenwert des vergangenen Jahres um eine Million Euro übertroffen. Im Marktsegment der Ferienwohnungen reichen die Quadratmeterpreise aktuell bis 20.000 Euro in sehr guter Lage.
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Neben Sylt erreicht auch Norderney dieses Preisniveau. Auf der ostfriesischen Insel ist das Angebot nicht nur extrem begrenzt, sondern aufgrund strikter Regulierungen kann dieses zudem kaum noch wachsen. Da werden schon mal Höchstpreise bis zu 25.000 Euro pro Quadratmeter fällig. Ein Blick auf die Preisentwicklungen auf dem Portal immowelt.de untermauert die Beobachtung: Hier werden aktuelle Kaufpreise von Immobilien in Ferienregionen betrachtet – also nicht spezifisch Ferienimmobilien. Am teuersten ist Rekordjäger Sylt, gefolgt von Norderney, Juist und Wangerooge. Föhr, Amrum und Borkum befinden sich im Mittelfeld. Fehmarn dagegen im letzten Drittel.
Sandstrände, Steilküsten und Salzwiesen: Auf der idyllischen Insel Poel gibt es sie noch: Ferienimmobilien zu erschwinglichen Preisen. FOTO: BILDAGENTUR-ONLINE/MCPHOTO-KERPA/PICTURE ALLIANCE
Sandstrände, Steilküsten und Salzwiesen: Auf der idyllischen Insel Poel gibt es sie noch: Ferienimmobilien zu erschwinglichen Preisen. FOTO: BILDAGENTUR-ONLINE/MCPHOTO-KERPA/PICTURE ALLIANCE
Borkum, Juist, Norderney, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge liegen wie eine Perlenkette vor der niedersächsischen Küste. Die Ostfriesischen Inseln zählen seit Langem zu Deutschlands beliebtesten Feriendestinationen und gehören zu den äußerst schwer erschwinglichen Sehnsuchtsorten. Das liegt auch daran, dass sie vergleichsweise klein sind. Spiekeroog beispielsweise hat eine Größe von 18,25 Quadratkilometern. Mehr als die Hälfte davon besteht aus der Ostplate mit ihren weiten Sandstränden und Dünen – kein Platz für Neubauten. Darüber hinaus gilt die Faustregel, dass die Nähe zum Meer den Preis entscheidend mitbestimmt. Deshalb lässt sich auf größeren Inseln generell eher ein günstigeres Objekt finden. Auf Rügen bekommt man in weiterem Abstand zum Strand teilweise noch Immobilien für unter 3000 Euro pro Quadratmeter. Dagegen ist auf Norderney die See überall nah; auch aus diesem Grund gibt es hier nur in Ausnahmefällen Wohnungen unter 10.500 Euro pro Quadratmeter auf dem Markt. Und sogar die Form der Insel spielt eine Rolle: Das schlanke Sylt bietet auf seine Gesamtfläche bezogen mehr Wassernähe als das breitere Föhr. Und das kostet eben.

Die Nordsee ist rauer als die Ostsee, der Salzgehalt höher, der Wellengang stärker. Das mag zu ihrer Attraktivität beitragen. Die Preise an der Ostsee sind im Vergleich durchschnittlich etwas niedriger. Ferienimmobilien sind auch hier sehr beliebt, aber man bekommt beispielsweise auf Rügen in guter bis sehr guter Lage noch Ferienwohnungen für 4000 bis 15.000 Euro pro Quadratmeter und auf Usedom für 5000 bis 9000 Euro. Allerdings steigt hier ebenfalls die Nachfrage spürbar und in den angesagten Urlaubsregionen finden sich kaum mehr Möglichkeiten für Neubauprojekte.

Auch das Kleinod Hiddensee bietet Preise in dieser Größenordnung. Die autofreie Insel gehört praktisch zum deutschen Kulturgut: Der Literatur-Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann und der Stummfilm-Weltstar Asta Nielsen hatten hier Sommerhäuser, Albert Einstein war regelmäßiger Gast auf Hiddensee und Hans Fallada schrieb auf dieser Insel den Roman „Kleiner Mann, was nun?“. Mit Quadratmeterpreisen von 5000 bis 8000 Euro, bei gelegentlichen Ausreißern bis 10.000 Euro, ist die Insel nicht so teuer, wie man erwarten könnte. Ein frei stehendes reetgedecktes Haus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche findet man auf Hiddensee für rund 1,6 Millionen Euro.

Die beschauliche Ostseeinsel Poel gilt als Geheimtipp – noch

Ein wahrhaft unentdecktes Juwel könnte aber – je nach Geschmack – die Insel Poel sein. Hier bekommt man Wohnungen in sehr guter Lage schon für einen Quadratmeterpreis zwischen 4000 und 5000 Euro. Der Höchstpreis, der 2021 erzielt wurde, lag bei 6000 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Auf Juist wurden bis zu 21.000 Euro bezahlt.

Aber auch andere Zahlen sind bei der Entscheidung für den Standort eines Inseldomizils einen genaueren Blick wert: Laut Routenplaner dauert die Fahrt von Prenzlauer Berg sechs Stunden und 25 Minuten bis nach Juist, vier Stunden und 44 Minuten nach Hiddensee, aber nur zwei Stunden und 43 Minuten nach Poel. Die Strecke lohnt sich auch für einen spontanen Wochenendtrip oder für eine Besprechung aus dem Inselaufenthalt nach Berlin. Das eher unbekannte Poel ist eine ruhige und beschauliche Ostseeinsel. Es gibt eine Steilküste, Salzwiesen und drei Sandstrände, von denen Gollwitz im Nordosten der einsamste ist. In seinem flachen Wasser können Kinder unbeschwert spielen, während die Eltern den Blick auf das vorgelagerte Langenwerder genießen – das erste Seevogelschutzgebiet Mecklenburgs. Außerdem befindet sich auf der Insel ein Reiterhof, diverse Wassersportmöglichkeiten und ein 800 Quadratmeter großen Indoorspielplatz. Der Hauptort ist Kirchdorf mit 1700 Einwohnern. Die Fischereiflotte von Poel besteht aus 28 Booten von fünf bis elf Metern Länge. Eine Besonderheit ist der Krabbenfang. Die Saison geht von Ende Mai bis Anfang August. Die Jahresfangmengen sind jedoch so klein, dass sie nur regional vermarktet werden.

Ferienwohnungen in den schönsten Urlaubsgegenden des Landes sind gefragt wie nie. Käufer schätzen insbesondere die Unabhängigkeit, selbst Eigentümer der Unterkunft zu sein und über diese verfügen zu können. Die überwiegende Zahl der Käufer von Ferienimmobilien vermietet aber zeitweise an Touristen weiter, um die Investition zu finanzieren. Und die Vermietbarkeit von Ferienwohnungen auf deutschen Inseln ist hervorragend. Auch die mittel- bis langfristige Wertentwicklung der Objekte zeigt, dass der Kauf selbst zu hohen Preisen ein lohnendes Investment sein kann. Die Nachfrage nach Ferienwohnungen an Nord- und Ostsee wird auf absehbare Zeit nicht sinken, sondern eher ansteigen. Denn Fernreisen dürften angesichts der anhaltenden Klimadiskussion teurer werden und damit tendenziell an Attraktivität verlieren.

Bei der Suche nach dem persönlichen Traumobjekt stoßen Kaufinteressenten immer wieder auf sanierungswürdige Immobilien. Sich darauf einzulassen oder auch nicht unterliegt individuellen Überlegungen. Die entscheidenden Faktoren sind die handwerklichen Fähigkeiten des Käufers – und die Stabilität seines Nervenkostüms –, der genaue Zustand der Immobilie und die Infrastruktur der Insel. Denn während man auf Rügen nahezu unter Festlandbedingungen sanieren kann, ist das autofreie Spiekeroog nur mit der Fähre erreichbar, sodass allein der Transport von Baumaterial und Maschinen kalkulatorisch in eine völlig andere Größenordnung fällt.

Im Prinzip lässt sich sagen, dass die Auswahl an Ferienimmobilien auf den Inseln so vielfältig ist, dass für jeden etwas zu finden ist – aber möglicherweise nicht zu bekommen, denn das Angebot ist knapp. Allerdings außerordentlich reizvoll und mit verlässlicher Wertstabilität. Alsdann: Viel Glück! Felix Haß
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