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Extra: Immobilien

Viel ist nicht genug

In Pankow wird viel Neues gebaut. Das wird aber vermutlich nicht ausreichen. Bis 2030 soll die Bevölkerung um mehr als zehn Prozent wachsen

Das „Cosyyard“ in der Greifswalder Straße gehört zu den gehobenen Projekten im Bezirk. foto: Ziegert Immobilien

Noch sehen die Gebäude und Höfe in der Greifswalder Straße 30 alles andere als schmuck aus. Aber ein Werbeplakat kündigt an, dass es in Kürze gemütlich werden soll: Im zweiten Hinterhof, wo jetzt noch Schuppen und Garagen vergammeln, entsteht das luxuriöse Neubauprojekt „Cosyyard“. Außerdem sollen das Vorder- und Gartenhaus in Gründerzeit- Architektur saniert werden. Die zehn neuen Wohneinheiten zwischen gut 30 und knapp 140 Quadratmetern sollen im dritten Quartal 2022 bezugsfertig sein. 40 Prozent sind laut dem Berliner Immobilienunternehmen Ziegert, das den Bau vermarktet, verkauft oder reserviert. Das verwundert nicht. Wer im beliebten Prenzlauer Berg wohnen möchte, hat nur noch wenige Chancen auf Neubauprojekte. Sie sind wegen der kaum noch vorhandenen Flächen extrem rar.
WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH
Der Bezirk Pankow ist heterogen. Der Prenzlauer Berg ist dicht besiedelt. Andererseits befinden sich weiter im Norden noch viele Vegetationsflächen, die im Übrigen größtenteils landwirtschaftlich genutzt werden. Somit ergibt sich auch in der Bebauung ein differenziertes Bild: Einfamilienhäuser, Gründerzeit- und Plattenbauten – alles ist dabei. Und doch ist Pankow ein großer Bezirk, mit 410.000 Einwohnern sogar der bevölkerungsreichste der Stadt. Der Zuzug geht ungebremst weiter. Bis 2030 sollen 45.000 Menschen hinzukommen – ein Plus von rund elf Prozent.
Das Quartier Gustav-Adolf-Straße wächst. Foto: Thomas Bruns / Gesobau
Das Quartier Gustav-Adolf-Straße wächst. Foto: Thomas Bruns / Gesobau
Die Liste der Neubauprojekte im Bezirk ist lang

Sie alle müssen irgendwo wohnen. Und deshalb wird gebaut und geplant – in allen Stadtteilen: In Französisch-Buchholz entsteht das Objekt „Vive la Rose“ mit 52 Eigentumswohnungen. Ebenfalls im ehemaligen Hugenottendorf sollen auf 23.000 Quadratmetern 84 Reihenhäuser entstehen – das „Gut Buchholz“. In Pankow, in der Nähe des Bahnhofs, werden 51 Wohnungen unter dem Namen „Pan&Co“ errichtet, in der Wollankstraße entstehen die „Neuen Florahöfe“ mit 37 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten, zwei Steinwürfe entfernt das Projekt „Kiez & Gloria“ mit 24 Eigentumswohnungen. In der Pankower Talstraße baut die Berliner Strategis AG sechs Stadthäuser mit 132 Miet- plus 264 Eigentumswohnungen unter dem schönen Namen „Immergrün“. Der Großteil ist bezogen, die Gesamtfertigstellung soll bis Ende des Jahre erfolgen. Nur noch 14 Eigentumswohnungen sind frei.

Das ist nur ein Auszug aller Projekte von privaten Investoren. Neben ihnen ist etwa die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gesobau aktiv, vor allem in Pankow und Weißensee. „Derzeit befinden sich neun Projekte mit insgesamt 367 Wohnungen im Bau“, sagt die Pressesprecherin. Fünf weitere Projekte befänden sich im Planungsstadium. Es handelt sich jeweils um Mietwohnungen.
 
Geplante Mietwohnungen der Gesobau in der Schloßallee. Foto: Gesobau
Geplante Mietwohnungen der Gesobau in der Schloßallee. Foto: Gesobau
Und dennoch ist fraglich, ob es am Ende ausreicht. Man muss sich nur die großen geplanten Projekte ansehen, um Zweifel zu bekommen: Im „Blankenburger Süden“ etwa werden die Bagger wohl nicht vor 2030 anrollen. Ursprünglich sollte der Baubeginn 2027 erfolgen. „Die Infrastruktur stammt aus dem letzten Jahrhundert. Wenn dort mehr Menschen wohnen, entsteht mehr Verkehr, und dafür brauchen wir Straßen und eine leistungsfähige Straßenbahnanbindung. Sonst stehen alle nur im Stau und die Menschen ärgern sich. Die Verkehrsplanung braucht ihre Zeit“, so erklärt Sebastian Scheel, neuer Senator für Stadtentwicklung und Wohnen, die Verzögerung.

Beim geplanten Projekt Karow-Süd hapert es ebenfalls an der Verkehrsinfrastruktur, die erst einmal geschaffen werden muss, sagt der Pankower Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn. Und auch an der Michelangelo-Straße stockt es erheblich: 800 der ursprünglich 1.200 geplanten Wohnungen werden vorerst nicht gebaut. Um sie zu realisieren, müssten zuvor Leitungen und Straßen verlegt sowie Eigentumsfragen geklärt werden. Auch langfristig ist damit nicht mit einer preislichen Entspannung zu rechnen. Dabei wäre diese nötig, um Normalverdienern in Pankow einen Platz zum Leben zu geben.

Schon in den vergangenen Jahren sind die Immobilien stetig teurer geworden. Laut Till McCourt, Leiter Research bei der Ziegert Gruppe, lag der mittlere Quadratmeterkaufpreis für eine Eigentumswohnung mit drei Zimmern im Bezirk bei rund 5300 Euro. 2018 waren es noch 4800 Euro. Das ist ein Preisanstieg von mehr als zehn Prozent. Gegenüber 2009 sind es sogar fast 90 Prozent mehr. Damals kostete ein Quadratmeter im Schnitt 2850 Euro. Noch teurer ist es in Prenzlauer Berg. Hier zahlte man im vergangenen Jahr für eine vergleichbare Wohnung im Schnitt 6300 Euro pro Quadratmeter. Und das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht. McCourt: „Von Preisnachlässen ist im laufenden Jahr 2020 aufgrund der begehrten Wohnlagen im Bezirk im Neubausegment nicht auszugehen.“ Theresia Baldus
 
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