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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: WOHNEN AM WASSER

Villen auf dem Wasser

Wenn die Grundstücke am Wasser knapp werden, ist das Wohnen auf dem Wasser eine Alternative. Das Start-up Wohnschiffmanufaktur bietet eine Luxus-Variante dieser Art zu leben an – und will dafür weltweit Klienten gewinnen

Eine Variante für Wochenendausflüge: der Nature Cruiser & Waterloft. FOTO: WOHNSCHIFFMANUFAKTUR&+31ARCHITECTS (3)

„Ich kann mir unsere Watervillen auch gut in Südfrankreich oder in den Emiraten vorstellen“, sagt Marcel Neugebauer, Gründer und Geschäftsführer der Berliner Wohnschiffmanufaktur (WSM), „Anfragen liegen durchaus vor“. Das junge Start-up baut komfortable und nachhaltige Luxus-Hausboote und Wasservillen für Menschen, die ihren Traum vom Leben auf dem Wasser in Berlin oder an einem anderen schönen Ort irgendwo in Europa verwirklichen wollen. Ein Traum, der durchaus in Erfüllung gehen kann. Vielleicht sogar mitten in einer Großstadt wie Hamburg oder Berlin? In Amsterdam liegen Hausboote dicht an dicht an den Ufern der Grachten und prägen so das Stadtbild der niederländischen Hauptstadt. Auch im teuren London wohnen Menschen vergleichsweise günstig auf Booten auf den Seitenarmen der Themse. In Deutschland ist das Leben auf dem Wasser bislang noch eher selten. Auch in Berlin leben nur wenige Menschen auf Hausbooten. Das liegt auch daran, dass die Möglichkeiten dafür hierzulande deutlich eingeschränkter sind als in den genannten europäischen Nachbarländern.
Helma Wohnungsbau
Für Marcel Neugebauer begann alles im Jahre 2014 zum Ende seines Wirtschaftsstudiums beim Segeln des Unisports. „Wir schliefen in Schlafsäcken auf den Stegen unter den Sternen, über dem Wasser“, erzählt Neugebauer. Jeden Morgen nach dem Aufwachen seien sie im Wasser gewesen. „Da wurde mir bewusst, so möchte ich täglich aufwachen. Ein weiter Blick, die Ruhe und Langsamkeit der Schiffe und Tiere auf dem Wasser, die Reflexionen der Sonne“, schwärmt der Gründer. Das war die Geburt seiner Idee, naturnah und im Einklang mit der Natur am und auf dem Wasser zu leben. Neugebauer begann, ein Wohnschiff für das ganzjährige Wohnen auf dem Wasser zu planen und zu realisieren.

Zunächst fuhr Neugebauer nach Amsterdam, um sich dort möglichst viele Wohnschiffe anzusehen. „So fand ich unsere Architekten, die inzwischen auch Co-Founder in der Wohnschiffmanufaktur sind“, erläutert der Manager. Nach den ersten Überlegungen wurde ein Grundriss von rund 100 Quadratmetern im Originalmaßstab in einer großen Lagerhalle aufgebaut. „Wir konnten so durch das ganze Schiff spazieren und einen reellen Eindruck aller Räume gewinnen. Und es wurden auf diesem Weg noch einige wichtige Verbesserungen vorgenommen“, erinnert sich der 35-Jährige an die Anfangszeit des Start-ups.
Wer auf einem der luxuriösen Boote wohnt, kann jede Nacht auf dem Wasser verbringen.
Wer auf einem der luxuriösen Boote wohnt, kann jede Nacht auf dem Wasser verbringen.
Nur ausgewählte Materialien verbaut

Weiter ging es für den Firmengründer dann mit einer Tour durch Europa für die Farb- und Stilwahl sowie die Auswahl der Materialien, Lieferanten und Partner. So sind über die vergangenen sieben Jahre viele Kooperationen, neue Details und Verbesserungsideen entstanden und eingeflossen. Zu den Partnern von WSM zählen inzwischen so bekannte Firmen wie Bora, Solarlux, Würth oder Schüco. Potenzielle Käufer können sich viele Materialien und Ausstattungsdetails in der Firmenzentrale des Start-ups oder in den Showrooms der Partnerfirmen ansehen.

Jedes Material, das verbaut wird, hat Neugebauer zuvor selbst in seinen Händen gehalten, gefühlt und gerochen. Alle Baustoffe hat er mit Bedacht und unter baubiologischen Aspekten ausgewählt. Der Decksaufbau ist daher beispielsweise aus Massivholz und nur mit Hanf und Holzweichfaser gedämmt. Alle Kabel sind halogenfrei und doppelt geschirmt. „Beim Einbau der Holz-Aluminium-Fenster verzichten wir auf gesundheitsbedenkliche PU-Schäume. Die Bodenbeläge sind aus Holz oder Naturkeramik, Arbeitsplatten aus Naturstein“, gibt der Berliner einen Einblick in die Produktion der Hausboote. Zur Ausstattung zählt beispielsweise eine pelletbetriebene Fußbodenheizung, die in Naturstein-Basalt-Lava-Platten, die eine optimale Wärmespeicherung und Trittschalldämmung gewährleisten, verlegt sind. Der Fußboden darüber besteht aus Echtholz-Massivholzdielen aus Eiche. Es gibt einen Holz- oder Gaskamin und auch in der Küche kann mit Gas gekocht und gegrillt werden.
Viel Holz und ausgesuchte Materialien veredeln die Inneneinrichtung.
Viel Holz und ausgesuchte Materialien veredeln die Inneneinrichtung.
Luxuriöse Ausstattung der modernen Hausboote

Bora-Kochfelder mit einem Dunstabzug nach unten und nach außen sorgen für eine gute Raumluft. Dreifach-Verglasung, Insektenschutzgitter- und Rollos mit hochtransparentem Gewebe zählen ebenfalls zum Standard. Alle Fenster und Türen sind hochsicherheitsverglast und verfügen über RC3+-Beschläge. Entspannen können Bootseigner mit ihren Gästen in der Infrarot-Saune mit verdeckt liegenden, patentierten Wandheizelementen einer Sauna-Manufaktur. „Die Strom- und Warmwasserversorgung läuft autark über leistungsstarke Solaranlagen. Eine Wasseraufbereitungsanlage bereitet das Trinkwasser in Säuglingsnahrungsqualität auf, die Kläranlage reinigt alle Abwässer, ebenfalls in Trinkwasserqualität“, erklärt der Hausboot-Entwickler die moderne Energietechnik. Selbstredend sei alles smarthome-kompatibel und Internet steht via WLAN (5G/LTE) zur Verfügung.

Das alles hat seinen Preis. Wer ein Hausboot aus der Manufaktur kauft, zahlt nicht weniger als für eine teure Stadtwohnung. Derzeit sind drei verschiedene Modelle verfügbar. Das kleinste, der 15 Meter lange „Naturecruiser“, ist nicht zum Dauerwohnen, sondern zum Schippern mit bis zu acht Personen konzipiert worden. Elektrisch angetrieben schafft das Hausboot zwölf bis 14 Knoten und kann mit einem Sportbootführerschein gefahren werden. Der Preis beginnt ab 435.000 Euro.
Marcel Neugebauer erfüllt sich einen Traum. MARCEL NEUGEBAUER
Marcel Neugebauer erfüllt sich einen Traum. MARCEL NEUGEBAUER
Wer nun auf dem Wasser wohnen möchte, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Der Typ „Waterloft“ ist ab 649.000 Euro zu haben. Die Boote sind 25 Meter lang und wiegen 90 Tonnen. „Das Wasserloft bietet bequem Platz für vier Personen und verfügt über maximalen Komfort“, so Neugebauer. Auch dieses Luxus-Hausboot wird elektrisch angetrieben, aber um es zu fahren, wird das Sportschifferpatent E benötigt, welches auf Basis des Sportbootführerscheins erworben werden kann.

Die Bauzeit beträgt etwa vier bis sechs Monate nach Klärung aller Details. Gebaut wird in drei Werften in Stettin, Stralsund und bei Berlin. Das erste Boot soll nächste Woche vom Stapel laufen – weitere Aufträge sind bereits in der Pipeline. Den ersten Prototyp der WSM nutzt Neugebauer die kommenden Jahre übrigens selbst und hat sich so seinen Traum vom Leben auf dem Wasser bereits erfüllen können.

Doch es geht noch größer. Die dritte Variante ist die luxuriöse „Watervilla“ mit bis zu 150 Quadratmetern Wohnfläche, die nicht mehr selber fahren kann, sondern an ihren Liegeplatz geschleppt wird. Rund 700.000 Euro werden für diese Wasservilla fällig. Auch eine zweistöckige Variante ist möglich. „Sie nach Dubai zu schleppen würde aber wohl schwierig“, sagt Neugebauer, „da denken wir eher an eine Teilkonfektionierung hier und Endmontage vor Ort“.

Angesprochen auf die Liegeplatzschwierigkeiten in Berlin sieht der Geschäftsmann noch einige Möglichkeiten. Es gäbe beispielsweise durchaus Besitzer von größeren Wassergrundstücken, die bereit wären, Liegeplätze zur Verfügung zu stellen. „Wir haben beispielsweise Kontakt zu jemandem in Königs-Wusterhausen, der ein Grundstück mit 200 Metern Uferlinie besitzt und sich, wenn die Chemie stimmt, das gut vorstellen kann“, erzählt der CEO der Wohnschiffmanufaktur. „Wir sind jedoch auch dabei, eine eigene Hausboot-Marina zu erschließen“, ergänzt sein Chef. Wo, will er noch nicht verraten. Und auch wo am 15. Juli in Berlin im Rahmen eines Events auf der Terrasse des ersten fertiggestellten Waterlofts der neue Ferrari vorgestellt wird, sei noch ein Betriebsgeheimnis. UWE LEHMANN

Rechtliches

Man muss zwischen Hausbooten und schwimmenden Häusern unterscheiden. Hausboote sind im Prinzip fahrbare, zertifizierte Sportboote mit Motor, schwimmende Häuser hingegen besitzen keinen Motor, sind stillliegend, fest verankert und man braucht für sie eine Baugenehmigung. Anders als in den Niederlanden, wo Hausboote meistens ähnlich wie Schiffe behandelt werden, ist in Deutschland bei der Genehmigung neben dem Wasserrecht auch das Bauplanungsrecht und in einigen Bundesländern darüber hinaus Bauordnungsrecht zu betrachten. Die größte Herausforderung ist das Finden eines geeigneten Liegeplatzes. Am häufigsten gibt es sie noch an den Küsten und an Seen vornehmlich in Nord- und Mitteldeutschland. Für Hausboote am ehesten in einer Marina und je kleiner das Hausboot, um so leichter ist es – auch in Marinas in Berlin ist das möglich. Am Stößensee gibt es etwa eine Steganlage, die ausschließlich für Hausboote konzipiert wurde.

Viel billiger als ein „normales“ Ferienhaus oder ein Eigenheim wird das Wohnen auf dem Wasser zumeist nicht. Zwar gibt es Hausboote bereits ab etwa 55.000 Euro, die sind jedoch in der Regel nicht zum Dauerwohnen geeignet. Da fängt es eher bei 180.000 Euro an, man kann aber auch leicht 700.000 Euro ausgeben. Hinzu kommen die Kosten für Liegeplatz, Strom, Versicherung und andere Nebenkosten. Zudem fallen regelmäßig Wartungsarbeiten an. Doch auch wer einen Liegeplatz für sein Hausboot gefunden und die Bürokratie bewältigt hat, darf dort nicht automatisch das ganze Jahr wohnen. Hausboote sind in der Regel als Meldeadresse nicht zugelassen.
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