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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: WOHNEN AM WASSER

Wohnen nahe der Badestelle

Direkt am Storkower See sollen in den nächsten Jahren bis zu 70 Wohnungen entstehen. Das passt zum Trend, begehrte Wasserlagen außerhalb von Berlin zu bebauen

Das Naturschutzgebiet Storkower Kanal, das zum Naturpark Dahme-Heidesee gehört, bietet die Gelegenheit zur Fahrt mit dem Boot, beobachten von Vögeln und für lange Spaziergänge. In den vergangenen Jahren hat es immer mehr Großstädter hierhin gezogen. FOTO: JENS KALAENE / PICTURE ALLIANCE/DPA/DPA-ZENTRALBILD

Das Wasser glitzert in der Sonne. Weil diese sich aber im Frühling selten blicken ließ, ist der See noch recht kühl. Die Schwimmer gehen dennoch recht zügigen Schrittes hinein. Sie freuen sich, dass sie am ersten Juni-Wochenende überhaupt endlich baden können.

Die Badestelle Karlslust am Storkower See ist eine hübsche mit Sandstrand und Liegewiese, Spielplatz und Bistro. Nur ein paar Hundert Meter entfernt, die Seepromenade südwärts entlang in Richtung Seehotel „Karlslust“ in der Karlsluster Straße, sollen in den nächsten Jahren bis zu 70 Wohnungen entstehen. Der Berliner Bauträger Bauwert AG hat vor wenigen Wochen zwei Grundstücke mit 8700 und 9300 Quadratmetern erworben. Eines befindet sich unmittelbar an der Seepromenade, das zweite liegt an der Karlsluster Straße, nur wenige Meter vom Ufer des Storkower Sees entfernt. Geplant ist eine zusammenhängende grüne Wohnsiedlung, bestehend aus Einfamilienhäusern, Doppelhäusern, Reihenhäusern sowie Stadtvillen. Alle künftigen Bewohner werden einen direkten Zugang zum See haben. Nächstes Jahr sollen die Bagger anrollen, der Termin für die Fertigstellung ist noch nicht bekannt.
Buwog
Neubau für Familien und Senioren

Auch sonst sind viele Details zum Projekt noch nicht öffentlich geworden. Fakt ist, dass die ursprünglichen Pläne teilweise von der Stadtverordnetenverwaltung kassiert wurden. So sollten ursprünglich zum Beispiel 20 Reihenhäuser entstehen, zwischenzeitlich war von 19 die Rede, weil die Storkower Behörden eine zu dichte Bebauung befürchteten. Mittlerweile ist nicht einmal klar, ob überhaupt Reihenhäuser entstehen werden.

Nur so viel wurde bislang mitgeteilt: Laut dem Pressesprecher der Bauwert AG sollen circa 30 bis höchstens 70 Wohnungen entstehen. Die Anordnung der verschiedenen Bauten soll „locker“ sein. Sowohl Familien gelten als Zielgruppe als auch Senioren. Für letztere sind barrierefreie Wohnungen vorgesehen. Ebenso sollen alle Häuser in eine „grüne Parkgestaltung inklusive öffentlicher Spiel- und Erholungsflächen“ integriert werden.
Die Pläne für die rund 70 Wohnungen in Storkow müssen in Absprache mit der Gemeinde angepasst werden.
Die Pläne für die rund 70 Wohnungen in Storkow müssen in Absprache mit der Gemeinde angepasst werden.
Alle Wohnungen sollen „die Sicht auf und eine direkte Wegbeziehung zum See“ haben. Auch Stellplätze für die Fahrzeuge der Anwohner seien in ausreichender Anzahl geplant, sogar Besucher Stellplätze an „neu zu errichtenden Straßen“. Ebenso möchte man den öffentlichen Fuß- und Radweg an der Seepromenade erhalten oder gar erweitern. Preise und Ausstattung der neuen Wohnungen „befinden sich noch in der Abstimmung und stehen noch nicht fest“, sagt der Bauwert-Pressesprecher. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Wohnungen eher hochwertig sein werden.

In Berlin hat das Unternehmen unter anderem in Halensee den Wohnturm „High West“ gebaut, ferner die „Kronprinzengärten“ in Mitte, das „Stadtpalais Nassau“ in Wilmersdorf oder „Maison Roseneck“ in Schmargendorf. Bauwert hat sich laut der firmeneigenen Website in den fast 40 Jahren seit Gründung „zu einem der in Deutschland führenden Unternehmen im Bereich Prime Development entwickelt“. Die Gesellschaft konzentriert sich vornehmlich auf „innerstädtische Topadressen deutscher Metropolen sowie hochwertige Wohnimmobilien in sehr guten Lagen Berlins“.

Gute Anbindung an den neuen Berliner Flughafen

Und nun Storkow, ein weniger als 10.000 Einwohner zählendes Städtchen im Brandenburger Landkreis Oder-Spree, etwa 60 Kilometer südöstlich von Berlin entfernt. Von dort aus ist man schneller in Polen als in Berlin-Pankow. Selbst bei freier Autobahn schafft man es von der Mitte der Hauptstadt aus in schnellstens einer Stunde an den Storkower See. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, braucht fast doppelt so lange – bei guter Verbindung. Für Pendler nach Berlin ist der Standort daher schwierig. Allerdings: Wer etwa in Adlershof arbeitet, am neuen Flughafen BER oder bei Tesla, kommt über die Autobahnen 12 und 113 recht schnell ans Ziel. Und: Der Trend zum Homeoffice beziehungsweise zu gemischten Office-Zeiten mit nur zwei, drei Tagen in der Woche im Büro begünstigt das Wohnen weiter draußen.
So könnten die Wohngebäude aussehen, die im Laufe des nächsten Jahres am Storkower See entstehen sollen. FOTO: HILMER SATTLER ARCHITEKTEN AHLERS ALBRECH (2)
So könnten die Wohngebäude aussehen, die im Laufe des nächsten Jahres am Storkower See entstehen sollen. FOTO: HILMER SATTLER ARCHITEKTEN AHLERS ALBRECH (2)
Seit Beginn der Pandemie ist daher die Nachfrage gestiegen. Kaufen oder Mieten am Stadtrand oder in Brandenburg ist schließlich bedeutend günstiger als in der Innenstadt. Hier bekommt man 120 Quadratmeter für einen Preis, der in den begehrten Innenstadtlagen oft nicht einmal für 80 Quadratmeter reicht. Somit ist für weniger Geld locker ein Arbeitszimmer – und überhaupt mehr Platz – drin. Außerdem: Der Reiz des naturnahen Wohnens ist nicht zu verachten. Vor allem Familien und Ältere brauchen den Trubel der Großstadt nicht. Im Gegenteil. Sie sind froh, dass hinter der Haustür der Fahrradweg anfängt und vor dem Balkon der See zur abendlichen Schwimmrunde einlädt. Kein Wunder, dass der Entwickler bei dem neuen Projekt am See vor allem an diese beiden Zielgruppen denkt.

Die Seelage wird aber so oder so genügend Käufer anziehen. Das haben etliche Projekte der vergangenen Jahre am Wasser gezeigt. Das gilt für innerstädtische Berliner Gebiete wie jene an der Spree, etwa zwischen East Side Gallery und Elsenbrücke, auf beiden Seiten des Flusses. Auch in den Randlagen wird viel gebaut – und die Nachfrage ist groß.

Ein Beispiel ist das gerade entstehende Neubauprojekt „Havelblick“ in Berlin-Konradshöhe, einen Steinwurf von Brandenburg entfernt. 17 Eigentumswohnungen in direkter Wasserlage mit Flächen bis zu 185 Quadratmetern sind gerade im Bau. In knapp einem Jahr sollten die Gebäude fertiggestellt sein. Nur noch zehn Einheiten zu im Schnitt rund 8700 Euro pro Quadratmeter sind frei, die anderen wurden verkauft. Laut Dennis Maruhn, Geschäftsführer des Vermarkters Engel & Völkers Projektvertrieb, sind Randlagen am Wasser derzeit aus mehreren Gründen beliebt: „Remote-Work beziehungsweise Homeoffice hat den Trend zu naturnahem Wohnen mit guter City-Anbindung beschleunigt“, sagt er.

Im „Havelblick“ wurde dieser Entwicklung in besonderem Maße Rechnung getragen: Die Erdgeschosseinheiten haben extra Souterrainflächen für flexible Lebens- und Arbeitskonzepte. Hinzu kommt: „Weit weg vom Trubel und der Hektik Berlins lebt es sich angenehm. Die Bewohner haben mehr Ruhe und die Freizeitaktivitäten vor der Haustür“, sagt Maruhn. Viele Interessenten suchten ferner gezielt nach „modernen Neubauquartieren mit etlichen Annehmlichkeiten“. Und die sind in der Innenstadt mittlerweile nun mal rar. Sofern sie dort überhaupt noch vorhanden sind, sind sie teurer als am Rand.

Klar also, dass derzeit vor allem Objekte fern der Innenstadt entstehen, vor allem in Köpenick werden Wohnungen gebaut, etwa der „Erpepark“ nördlich der Müggelspree, in unmittelbarer Nähe des Flüsschens Erpe. Oder der „Generalshof“, direkt an der Alten Spree in Köpenick gelegen. Mehr und mehr ist auch das Nachbarland Brandenburg in den Fokus geraten. Potsdam als schmucke Hauptstadt mit überdies sehr viel Wasser machte den Anfang. Nun werden die kleineren Gemeinden verstärkt in Angriff genommen. Vor allem an den Flüssen und Seen entwickeln die Bauträger Häuser und Wohnungen. Laut einer aktuellen Studie des Frankfurter Immobilien-Dienstleisters Wüest Partner zogen alleine 2020 mehr als 35.000 Berliner nach Brandenburg. In entgegengesetzter Richtung waren es keine 15.000. Der Trend dürfte, auch wegen weiterer attraktiver Bauvorhaben wie dem am Storkower See, anhalten. THERESIA BALDUS
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