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Immobilien 

Mission Wohnraum

Mit einer großen Kampagne werben die Berliner Baugenossenschaften für ihre Werte – und leiden gleichzeitig unter Baulandmangel. Neubauten sollen deshalb verstärkt im Umland entstehen

Neubauprojekt der Charlottenburger Baugenossenschaft in Adlershof. CHARLOTTENBURGER BAUGENOSSENSCHAFT (2)

„Da staunen die anderen schon mal Bauklötze“, heißt es auf einem der vielfarbigen Werbeplakate, die derzeit überall in der Stadt zu sehen sind. Mit rund 20 Motiven machen die Wohnungsbaugenossenschaften Berlins auf sich und ihre Arbeit aufmerksam. In Zeiten, in denen die Wohnungsmisere tagtäglich auf neue Höhepunkte zusteuert, sind die Genossenschaften für viele Berliner so etwas wie der rettende Anker, der zahlreiche Vorteile bietet: Dazu zählen das lebenslange Wohnrecht, eine verhältnismäßig geringe Miete und das aktive Mitspracherecht.

„Die Genossenschaften haben gegenüber ihren Mietern eine besondere Verpflichtung. Ziel ist es nicht nur, günstigen Wohnraum, sondern auch Angebote rund um das Wohnen zu bieten. Jedes Mitglied entscheidet dabei für sich, wie sehr es sich engagieren will“, sagt Dirk Enzesberger, Vorstand der Charlottenburger Baugenossenschaft.

Die „Charlotte“ gehört zu den größeren Genossenschaften: mit über 7000 Wohnungen nicht nur in Charlottenburg, sondern auch in Spandau, Wilmersdorf, Steglitz und Reinickendorf sowie am anderen Ende der Stadt in Weißensee und Adlershof.

Dirk Enzesberger, Vorstand Genossenschaft „Charlotte
Dirk Enzesberger, Vorstand Genossenschaft „Charlotte
Insgesamt verfügen die 23 Berliner Genossenschaften über 90.000 Wohneinheiten und kommen damit auf knapp 145.000 Mitglieder. Was sie alle eint, ist die hohe Nachfrage – teilweise gibt es einen kompletten Aufnahmestopp. Andere führen Listen mit jahrelangen Wartezeiten. Schon sehr lange wird deshalb der Neubau vorangetrieben, was auch vom Berliner Senat forciert wird. Doch auch die Genossenschaften haben bei ihren Plänen mit einem großen Problem zu kämpfen: „Die größte Hürde beim Bauen besteht darin, dass keine geeigneten Grundstücksflächen zur Verfügung stehen“, sagt Enzesberger. „Der Berliner Senat hat zwar angekündigt, den Genossenschaften neue Flächen zur Verfügung zu stellen, doch bislang sind den Worten keine Taten gefolgt. Zwar gibt es noch freie Flächen, doch die Grundstückspreise sind astronomisch hoch. Würden wir diese Grundstücke erwerben, müssten wir den Kauf- auf den Mietpreis umschichten.“ Das wiederum widerspreche dem Auftrag, „breiten Schichten der Bevölkerung bezahlbaren Wohnraum“ zur Verfügung zu stellen, so Dirk Enzesberger.


Neue Wege gehen

Dennoch wurde in den letzten Jahren gebaut. So konnte die „Charlotte“ zuletzt Reserveflächen in Adlershof und auf dem Falkenhagener Feld für den Neubau nutzen, zudem wurden mehrere Gebäude in Steglitz aufgestockt. Auch andere Berliner Baugenossenschaften setzen auf den Lückenschluss. In den vergangenen Jahren baute die Berolina, die ihren Stammsitz rund um die Heinrich-Heine-Straße hat, mehr als 270 Wohnungen. Aktuell wird das sechste Wohnhaus des Projekts „Myrica“ in der Luisenstadt mit 53 Wohnungen bebaut, in Adlershof müssen derweil Garagen zwei Neubauten weichen, in denen künftig 32 sozialverträgliche Wohnungen entstehen sollen.

Was nun aber tun, wenn auch diese Projekte beendet sind? Die „Charlotte“ hat ihre ganz eigene Antwort gefunden. „Wir versuchen, einen anderen Weg zu gehen, indem wir Wohnraum außerhalb Berlins entstehen lassen.“ Denn dieser wird dringend benötigt.

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