Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra - Seniorenwohnen 2018

In der richtigen Gesellschaft wohnen

Viele Senioren sind auf der Suche nach Wohnprojekten, die persönliche Freiheit mit Gemeinschaft verbinden

Zu den gemeinsamen Aktivitäten in einer Senioren-WG können Spielenachmittage gehören GETTY IMAGES/COMETARY

Die Eingangstür aufhalten oder ein freundliches Hallo im Treppenhaus, viel persönlicher ist der Kontakt zwischen Nachbarn in vielen Mietshäusern nicht. Gerade ältere Menschen leiden oft unter dieser Anonymität, wünschen sich mehr Kontakt, ein gemeinschaftliches Wohngefühl und vielleicht auch mal eine helfende Hand.

In Berlin gibt es inzwischen immer mehr Projekte, die bewusst Menschen unterschiedlicher Generationen zusammenbringen. Ob als Baugruppen oder Genossenschaften, verbinden sie den Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum mit einem Gemeinschaftsgefühl. Die Generation derer, die einst die Studenten-WG erfunden hat, besinnt sich im Alter auf alternative Wohnformen, auch jenseits des Seniorenheims. Laut einer Umfrage von Immobilien-Scout24 ist fast jeder zweite Deutsche, nämlich 48 Prozent, offen für einen Lebensabend in einer Senioren-WG.

Länger aktiv

Und es könnten noch mehr werden. Die Studie „50 Insights – Zukunft des Wohnens“ des Frankfurter Zukunftsinstituts sagt dieser Art des Wohnens im Alter eine wachsende Bedeutung voraus. Der aktivere Lebensstil älterer Menschen und eine neue Wertschätzung für sogenannte Silver Ager tragen dazu bei.

Ein wichtiger Faktor bei Cohousing-Projekten wie der „Alten Schule“ in Karlshorst, bei der mit Förderung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine ehemalige, denkmalgeschützte Gemeindeschule zu generationsübergreifendem und integrativem Wohnen umgebaut wurde, ist, dass alte Menschen „mittendrin“ leben möchten. Außerdem wollen sie nicht nur unter ihresgleichen in Altersresidenzen oder Seniorenheimen wohnen.

„Erfahrungsgemäß möchten die meisten Senioren so lange wie möglich selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben“, sagt Isabella Canisius von der Wohnungsbaugesellschaft Degewo. „Das gewohnte Wohnumfeld ist wichtig. Hinzu kommt ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, insbesondere bei alleinstehenden Seniorinnen. Sie wünschen sich, dass ihre Wohnung einbruchssicher und zum Beispiel mit Rollläden ausgestattet ist.“

Technische Lösungen wie Smarthome-Angebote spielen dabei eine untergeordnete Rolle. „Wichtiger sind eher das soziale Umfeld und ein eigener Balkon“, sagt Isabella Canisius. Sophia, ein Tochterunternehmen der Degewo, bietet älteren Menschen ergänzende Leistungen wie einen Hausnotruf, soziale Betreuung oder eine Haushaltshilfe an, die es erlauben, länger zu Hause zu leben.

Auch beim Bau neuer Wohnungen nehmen Wohnungsbaugesellschaften wie die Degewo auf die Bedürfnisse altersgerechten Wohnens Rücksicht. Anteilig entstehen kleine Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, gerne mit Dusche statt Badewanne und geschlossener statt offener Küche. „Auch ein zusätzliches halbes Zimmer für den schnarchenden Partner wird häufig nachgefragt“, verrät Isabella Canisius.

Neben drei Seniorenresidenzen mit einem Pflegedienst vor Ort, der je nach Bedarf gebucht werden kann, bietet die Wohnungsbaugesellschaft Seniorenwohnhäuser mit unterschiedlichen Konzepten an. Sie reichen von altersgerechten Wohnungen mit oder ohne Serviceangeboten, wo Gemeinschaftsflächen durch Vereine bespielt werden, bis hin zu Mehrgenerationenhäusern. Aktuell entsteht in Lankwitz ein solcher Gebäudekomplex, in dem es unter anderem rund 130 Senioren-Wohnungen und eine Senioren-WG gibt.

Mitstreiter suchen

Auch viele soziale Träger haben inzwischen das WG-Konzept übernommen. So betreibt die Diakonie in Berlin sechs betreute Wohngemeinschaften für Demenzkranke. Für Menschen mit geringen gesundheitlichen Einschränkungen gibt es ebenfalls zahlreiche Wohnprojekte im WG-Stil. Einen Überblick liefert zum Beispiel das Forum gemeinschaftliches Wohnen e. V. mit einer eigenen Projektbörse. Wer auf der Suche nach Mitstreitern für eine Wohngemeinschaft ist, vielleicht sogar eine passende eigene Immobilie besitzt oder in Aussicht hat, kann sich auch auf Webseiten wie www.gold-wg.de umsehen. Hier gilt es, zunächst einen Fragebogen auszufüllen, um anschließend passende Mitbewohner zu finden. Auf anderen Portalen wie www.senioren-wg-finden.de sind hingegen vor allem professionelle Anbieter unterwegs.

Ob ein Heim, ein Mehrgenerationenwohnprojekt oder eine Senioren-WG, die Entscheidung, wie ein Mensch im Alter leben möchte, muss jeder selbst fällen. Sie ist abhängig vom Gesundheitszustand und dem individuellen Charakter. „Wer in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt leben will, muss bereit sein, ein Stück des Lebens mit anderen zu teilen und anderen zu helfen“, heißt es in einem Leitfaden der Diakonie zum Wohnen im Alter. Wird ein WG-Bewohner zum Pflegefall, muss er eventuell wieder ausziehen, wenn die Pflege nicht vor Ort gewährleistet werden kann.Das neue Stadtquartier soll für jeden etwas bieten: Studenten, Singles, Paare, Senioren und Familien. Insgesamt 2080 Geschosswohnungen sollen entstehen, neben 500 geförderten Wohnungen auch freifinanzierte und Eigentumswohnungen, aber auch 420 Reihen- und Doppelhäuser. Der städtische Charakter der Thermometersiedlung soll im Bereich des Stadtplatzes aufgegriffen werden. Je weiter es in Richtung Naturschutzgebiet geht, desto niedriger soll die Bebauung werden. Ergänzt werden soll das Viertel mit Schulen, Kitas, Sport- und Spielplätzen und Grünanlagen. Wenn alle Beteiligungsverfahren abgeschlossen und der Bauantrag eingereicht ist, könnten die Bauarbeiten im vierten Quartal 2019 beginnen, hofft Anette Mischler. Zwischen 2022 und 2024 sollen die fünf Bauabschnitte dann fertiggestellt werden.

Weitere Artikel