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Ins Grüne

Schöne Wandertouren in Brandenburg und Thüringen

Grundlos durch die Landschaft stiefeln und sich an der Aussicht erfreuen – noch vor 200 Jahren exotisch. Das Wandern ist eine moderne Erfindung. Und beliebt wie nie

Wandern kann man völlig altersunabhängig. Die Kleinen lockt das Abenteuer über Stock und Stein, die Älteren die Ruhe der Natur. FOTO: ISTOCK/MGORTHAND

Kirsten Niemann 

Goethe hat gesagt: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ Der Mann liebte es, zu Fuß zu gehen. Er hat lange Touren unternommen: in Italien, in der Schweiz und natürlich auch in Deutschland. Etliche Wanderwege sind nach ihm benannt. Goethe war so etwas wie ein Trendsetter. 

Lange Zeit bewegte sich der Mensch nicht auf seinen eigenen Beinen, jedenfalls nicht zum Vergnügen. Pilger pilgerten, Soldaten marschierten und Handwerker gingen auf die Walz. Erst im 18. Jahrhundert hatten einige wenige Freude daran, durch Wälder und Felder zu streifen und Berge zu erklimmen. Es waren meist Künstler und Schriftsteller, die auszogen, um Landschaften zu malen oder mit Worten zu beschreiben. Als zweckfreie Beschäftigung für jedermann kam das Wandern erst im Laufe des 19. Jahrhundert in Mode. Die feudale Gesellschaft wurde bürgerlich und die von der Industrialisierung gestressten Menschen sehnten sich nach Überschaubarkeit und Entschleunigung. Man hat es ihnen leicht gemacht: Das neue Netz der Eisenbahn brachte die Leute ganz schnell in die Natur.

Nur scheinbar sinnlos

Inzwischen bekennen sich 40 Millionen Deutsche zum Wandern als Freizeitsport. Das ergab eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums für den Deutschen Wanderverband. Dafür sind sie bestens ausgerüstet: 80 Prozent besitzen wetterfeste Jacken, fast 70 Prozent haben einen Tagesrucksack und jeder Zweite Wanderschuhe. Das ist auch schon alles, was man braucht. Der durchschnittliche Wanderer ist 47 Jahre alt, läuft am liebsten in Gruppen von zwei bis fünf Personen und ist pro Tour im Schnitt zwei Stunden und 45 Minuten unterwegs. Alles unter einer Stunde zählt übrigens nur als Spaziergang.

Aber was ist eigentlich dran am Wandern? Warum machen die Leute das? Es stärkt Herz und Kreislauf und es hilft, das Gewicht zu halten – wissen wir längst. Für mehr als die Hälfte der Befragten ist das ein guter Grund, in die Wanderschuhe zu ISTOCK/MGORTHAND schlüpfen. 38 Prozent der Befragten wollen wandernd eine neue Region erkunden, 20 Prozent verspüren den Drang, beim Wandern etwas Neues zu entdecken. Entscheidend für die meisten ist allerdings das Glückserlebnis: 82 Prozent der befragten Wanderer berichten von „geistigem Wohlbefinden“, das sie bei einer längeren Tour erleben. Menschen sind außerdem glücklich, wenn sie grüne Flächen sehen. Die Farbe Grün wirkt ausgleichend auf Körper und Seele. Englische Forscher haben bewiesen, dass fünf Minuten in der Natur ausreichen, um jemanden messbar fröhlicher zu machen. Der Blick auf einen See, einen Fluss oder Wasserfall hat einen ganz ähnlichen Effekt.

Das Wandern gibt natürlich keinen Kick wie Kitesurfen, Bungeejumping oder Wildwasserrafting. Es bereitet vielmehr bescheidenen Genuss und stille Freude. So wird es schon zum Abenteuer, wenn man nicht weiß, was sich hinter der nächsten Kurve befindet. Oder ob man an der letzten Weggabelung auch wirklich korrekt abgebogen ist. Und wenn sich auf dem Berg der Blick weitet und das Handy plötzlich keinen Mucks mehr macht, beschleicht gestresste Großstädter eine verblüffende Erkenntnis: „Über allen Gipfeln ist Ruh’“ – die hatte übrigens schon Goethe.

FOTO: PA/MARTIN KIRCHNER
FOTO: PA/MARTIN KIRCHNER
Goethewanderweg

(Thüringen) – von Ilmenau nach Stützerbach, mittelschwer, 20 Kilometer, 7 Stunden. Der Kickelhahn, die malerische Schlucht „Finsteres Loch“ oder der eindrucksvolle „Schwalbenstein“ – immer wieder fand der Dichter neben vielen fantastischen Ausblicken hier seine Inspiration.

www.thueringer-wald.com
FOTO: DUMONT BILDARCHIV, PATRICK PLEUL
FOTO: DUMONT BILDARCHIV, PATRICK PLEUL
FOTO: JULIE WOODHOUSE / IMAGEBROKER, ISTOCK/MICROVONE
FOTO: JULIE WOODHOUSE / IMAGEBROKER, ISTOCK/MICROVONE
Wandern in der Schorfheide

(Brandenburg) – Rundwanderweg vom Bahnhof Chorin zum Kloster Chorin, rund um den Amtssee und zurück, leicht, 9 Kilometer. Eine hübsche, kleine Sommertour, die Kultur mit Badevergnügen verbindet. Highlight der Region ist das Zisterzienserkloster aus dem 13. Jahrhundert, in dessen Anlage viele Sommerkonzerte stattfinden. Zum Abschluss geht es zum Baden in den Amtssee.

www.schorfheide-portal.de

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