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Mit der Digitalisierung entstehen derzeit neue Berufsfelder – wie der 3D-Experte

Die Wände dieses halb fertigen Hauses in China wurden von einem gigantischen 3D-Drucker erstellt. PHOTOSHOT / PA

Judith Jenner 

Nur 48 Stunden brauchte der Roboter auf der Piazza Cesare Beccaria in Mailand, bis das 100-Quadratmeter-Gebäude stand. Der Entwurf zu „3D Housing 05“ stammt von dem Architekturbüro Massimiliano Locatelli / CLS Architetti und wurde vor Ort „ausgedruckt“. Weil im Gegensatz zu konventionellen Baumethoden kürzere Transportwege und weniger Verpackungsmüll anfallen, gilt diese Art des Bauens als besonders nachhaltig.

Ob Zahnersatz, Mantelhaken für Züge der Deutschen Bahn oder ganze Häuser: 3DDruck, auch additive Fertigung genannt, wird in Industrie, Architektur und Produktentwicklung immer wichtiger. Das hat auch die im Sommer 2017 von der Senatsverwaltung für Wirtschaft in Auftrag gegebene Studie „Potentialanalyse 3D-Druck (additive Fertigung) in Berlin“ gezeigt. Das Institut für Innovation und Technik (iit) VDI/VDE hat darin bestätigt, dass die additive Fertigung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Berliner Industrie eine wichtige Rolle spielt.
„Mit dem Wachstum auf dem Markt für 3D-Druck steigt auch der Bedarf an entsprechend ausgebildeten Fachkräften“, sagt Natalie Barkei, Bildungsexpertin von Bitkom, dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche. „Spezialisierte Unternehmen suchen etwa 3D-Designer, Fachkräfte für 3D-Druck, 3D-Materialexperten oder 3D-Designberater.“

Weil die Technologie in so vielen unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommt, gibt es kein einheitliches Berufsbild. In einigen Berufsausbildungen der Metall- und Elektroindustrie kann die additive Fertigung ebenso eine Rolle spielen wie im Maschinenbaustudium. So verfügt die Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) über ein eigenes 3D-Druck-Labor, das Studierende zum sogenannten Rapid Prototyping benutzen können, also zur Herstellung von Prototypen aus dreidimensionalen Datensätzen. Dem Netzwerk Additive Manufacturing in Forschung und Lehre an der TU Berlin gehören auch Fachbereiche wie das Institut für Bauingenieurwesen oder das Institut für Luftund Raumfahrt an.

Spezialisierte Studiengänge gibt es mit dem Bachelor in High Tech Manufacturing am FH Campus Wien oder dem Master Biofabrication an der Universität Bayreuth. Meistens erfolgt die Weiterbildung aber noch berufsbegleitend. So bietet die Hochschule Schmalkalden gemeinsam mit dem VDI zweisemestrige Fernstudiengänge zum Fachingenieur additive Fertigung an und den Anwendungstechniker (FH) für Additive Verfahren/Rapid-Technologien. Damit richtet sich die Hochschule vorrangig an technische Fachkräfte kleinerer und mittlerer Unternehmen.

Gemeinsam mit der IHK Berlin bietet die Berlin Tech Akademie eine Zusatzqualifikation im 3D-Druck für Auszubildende an, beispielsweise für Fachinformatiker und Mechatroniker. Die Module können durch die Betriebe gebucht werden, sodass die Azubis tiefer in die Materie eintauchen.

„3D-Druck-Experten sollten gute Kenntnisse in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, also den typischen MINT-Fächern, mitbringen“, sagt Natalie Barkei. Sie betont, dass die Spezialisierung auch für andere Berufsgruppen interessant ist, typischerweise für Ingenieure, aber auch für gelernte Fotografen, Bauzeichner, Mediengestalter, Schneider sowie für Beton- und Stahlbauer, Elektroniker oder Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer.
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