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EXTRA - Neubauprojekte 2018

„Käufer sind anspruchsvoller geworden“

Worauf legen Wohnungsinteressenten besonderen Wert? Immobilienexpertin Vivien Hermel über Ausstattung, den Wert des Innenhofs und die Rolle des Bades

Laut Immobilienexpertin Vivien Hermel (li.) legen vor allem Selbstnutzer auf ein gepflegtes Wohnumfeld – wie hier im Neubauprojekt „Prager Karree“ – viel Wert GROSSMANN & BERGER/S. SCHIEBEL

Berliner Morgenpost: Sie arbeiten seit mehr als zehn Jahren als Immobilienmaklerin und sind heute Inhaberin einer eigenen Agentur. Wie haben sich die Kundenansprüche in dieser Zeit verändert?  

Vivien Hermel: Die Käufer sind anspruchsvoller geworden – wobei man hier zwischen Neubau- und Bestandsimmobilien unterscheiden muss. Bei Neubauten müssen Fußbodenheizung und elektrische Rollläden heute einfach sein, ebenso wie moderne Bäder, möglichst bodentiefe Fenster, Parkettboden und ein Balkon. Bei Bestandsbauten aus den 1950er- bis 80er-Jahren macht man Abstriche. Sie sind häufig auch viel preiswerter.  

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Was ist dabei Standard, was Luxus? Sind Wellnessoasen und Parkettböden in normalen Eigentumswohnungen inzwischen normal?

Parkett ist heute fast Standard, außer in besagten 50er-/60er- Jahre-Bauten. Auch Einbauküchen und Jalousien sind kein Luxus mehr. Wellnessoasen mit Regenschauerdusche, übergroßer Wanne, exklusiven Armaturen und Marmorfliesen sind dagegen eher im High-End-Bereich anzusiedeln.

Wie sieht es mit Balkon und Terrasse aus?


Neubauten werden zum überwiegenden Teil mit Balkon oder Terrasse gebaut, eine Ausnahme bilden vielleicht besonders kleine Wohnungen. Bei Bestandsbauten ist ein Anbau häufig nicht möglich – wobei das für Kapitalanleger egal ist. Die sagen sich, dass sie das Objekt bei der Wohnungsknappheit in Berlin auch ohne Balkon vermieten können. Wer dagegen selber einziehen möchte, achtet sehr darauf. Im Minimum muss es dann ein vier Quadratmeter großer Balkon für einen Tisch und vier Stühle sein.


Achten Käufer nur auf die Ausstattung ihrer Wohnung oder spielt auch das Drumherum eine Rolle, also das Treppenhaus oder ein schöner Innenhof?

In erster Linie achten sie auf das, was drinnen ist. Aber aller Luxus in der Wohnung bringt nichts, wenn das Außenambiente nicht stimmt, also etwa das Haus voller Graffiti oder die Hofanlage ungepflegt ist. Auch ansprechende Treppenhäuser sind wichtig, bei Neubauten geht nichts mehr ohne Fahrstuhl. Die Menschen wollen sich zu Hause fühlen, dazu gehören neben der Wohnung auch die Anlage und die Umgebung. Und dann sind sie auch viel eher dazu bereit, hohe Preise zu bezahlen.

Und was schreckt potenzielle Käufer am ehesten ab?

Generell gilt bei der Einrichtung: Tapeten sind out. Heutzutage wird eher gespachtelt. Und es gibt immer weniger Fliesen in den Wohnungen. Sie werden eigentlich nur noch in den Nassbereichen eingesetzt und dort auch nur auf dem Boden sowie rings um Waschbecken und Dusche. Wer heute noch ein Bad mit deckenhohen Fliesen hat, kann damit rechnen, dass die Interessenten gleich wieder rückwärts herausrennen. Das Badezimmer entwickelt sich heute mehr und mehr zum zusätzlichen Wohnbereich mit allen möglichen Accessoires. Eine der ersten Fragen von Interessenten ist deshalb oft: Gibt es eine Wanne oder nur eine Dusche? Während Familien in der Regel viel Wert auf beides legen, begnügen sich junge, alleinstehende Kunden häufig auch nur mit einer Dusche.

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