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Abitur 2020

Abi in der Tasche – und was nun?

Wer sich nicht schon während der Schulzeit um einen Studien- oder Ausbildungsplatz gekümmert hat, verfügt plötzlich über Zeit. So kann sie sinnvoll genutzt werden

Viel reisen und dabei seinen Lebensunterhalt verdienen: Work & Travel ist etwas für Abenteurer. FOTO: PHOTOSCHMIDT / ISTOCK

Und wieder einmal beginnt für eine neue Generation der Ernst des Lebens. Studium und Ausbildung liegen an. Was aber, wenn noch kein Studien- oder Ausbildungsplatz in Sicht ist? Oder Wartezeit zu überbrücken ist, bis das Wunschstudium beginnt? Möglichkeiten gibt es viele – von einfach jobben, um über die Runden zu kommen, über ein Freiwilliges Soziales Jahr bis hin zum Auslandsaufenthalt in Verbindung mit Work & Travel. Manche lassen zwischen zwei intensiven Lebensabschnitten auch lieber einfach die Seele baumeln.

Diese Lücke wird auch Gap-Year genannt. Das kann man sinnvoll nutzen. Denn Ehrenamt, Auslandserfahrung und Freiwilligendienste sind Pluspunkte, die jetzt schon für spätere Bewerbungen gesammelt werden können. Arbeitgeber schätzen Lebenserfahrung und Hochschulen rechnen – abhängig vom Studiengang – Freiwilligendienste als Vorpraktikum an.
Was soll’s sein: Studium oder Ausbildung?

Wer noch nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, ob Studium oder doch eine Ausbildung, kann diese Zeit nutzen, um sich zu orientieren. Um zu checken, welcher Beruf in Frage kommen könnte und welcher Weg zum Ziel führt. Hier bieten sich Praktika an. Wer gerne mit Holz arbeitet, kann sich in der Tischlerei ausprobieren. Wer Kinder mag, könnte in einer Kita Erfahrungen sammeln. Bis zu drei Monate dauert ein freiwilliges Praktikum, dann kann man wechseln.

Und wer studieren möchte, kann die Infotage der Berliner Universitäten und Hochschule besuchen, die in diesem Jahr online stattfinden. Wie zum Beispiel vom 15. bis 24. Juni an der Freien Universität Berlin oder vom 22. bis 26. Juni an der Beuth Hochschule für Technik mit allen wichtigen Informationen zur Bewerbung, zur Aufnahme eines Studiums und zum Studienangebot. Auch das Orientierungsstudium MINT grün der Technischen Universität Berlin ist eine Option. Hier können Interessenten zwei Semester lang an den Uni-Veranstaltungen in Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik teilnehmen und Prüfungen ablegen. Danach können sie entscheiden, ob ein MINT-Studium das Richtige für sie ist.

Bundesfreiwilligendienst und Freiwilliges Jahr

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) kann bundesweit in sozialen, ökologischen und kulturellen Einrichtungen sowie beim Zivil- und Katastrophenschutz geleistet werden. Einsatzstellen sind beispielsweise der Naturschutzbund Deutschland oder die Obdachlosenhilfe. Die Grenzen zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) sind fließend. Doch nur beim FSJ können die jungen Menschen auch ins Ausland gehen, um dort zwischen sechs und 18 Monate im sozialen oder ökologischen Bereich sowie im Bildungswesen zu arbeiten. Beim FSJ arbeiten die Freiwilligen in sozialen und pflegerischen Berufen, sie können aber auch politisches oder ökologisches Engagement zeigen. So kann ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Berliner Zoo absolviert werden. Das Freiwillige Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit (FJN) verbringen Schulabgänger in Forschungseinrichtungen oder in Einrichtungen der Energietechnik. Anerkannt wird der Einsatz im Freiwilligendienst mit maximal 414 Euro pro Monat.

Junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren können sich auch im Denkmalschutz engagieren. Hier bietet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz eine besonders attraktive Option. Bundesweit gibt es insgesamt 15 Jugendbauhütten, auch in Berlin/ Brandenburg. Einsatzstellen sind hier etwa im archäologischen Eingangsmagazin des Landesdenkmalamtes Berlin oder bei archäologischen Grabungen in Brandenburg. Hier lernen die Jugendbauhüttler traditionelle Handwerkstechniken kennen, ergänzend besuchen sie Seminare zu Stil- und Materialkunde, Forschungs- und Arbeitsmethoden. So mancher hat hier auch schon die Liebe zu einem Handwerk entdeckt.

Work & Travel und Au-pair

Ins Ausland fahren, Erfahrungen sammeln und sich den Unterhalt selbst verdienen, diese Optionen bieten Work & Travel und Aupair-Aufenthalte. Work & Travel setzt Abenteuerlust voraus, denn die jungen Menschen reisen oft in für sie bisher unbekannte Länder und halten sich dort mit Jobs für Kost und Logis über Wasser. Als Au-pair arbeiten junge Männer und Frauen ein halbes bis ein Jahr bei einer Gastfamilie im Ausland, um dort im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung zu helfen.

Aufgrund der Corona-Pandemie sollten jedoch alle die Reisehinweise der Bundesregierung im Auge behalten und sich vorab über die Corona-Situation im Gastland informieren. Laut dem Internetportal www.travelworks.de können die Work & Travel-Programme ab dem 1. Juli wieder gebucht werden.

DAGMAR TRÜPSCHUCH
  
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