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Abitur 2020

Anstrengend, aber erfüllend

Die Berliner Schulen suchen Lehrkräfte mit Leidenschaft für ihre Fächer. Die Hauptstadt-Unis bilden aus

Die Digitalisierung hat durch Corona einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sie verändert auch den Berufsalltag der Lehrkräfte. FOTO: WAVEBREAKMEDIA / ISTOCK

In der Corona-Krise sind auch die Schulen mit ihren Lehrkräften verstärkt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Lehrerinnen und Lehrer mussten spontan auf die aktuelle Situation reagieren – und von Frontal- oder Gruppenunterricht auf Online-Lehren umschwenken. Eine große Herausforderung. Sich mit der Technik vertraut machen, den Unterricht auf digitale Formate umstellen, Schülerinnen und Schüler motivieren, dabei zu bleiben. Nicht wenige erzählten, dass der Arbeitstag nun zwölf Stunden habe, auch begleitet von persönlichen Anrufen, um die Motivation auf der anderen Seite des Bildschirms aufrechtzuerhalten.  

Digitalisierung in der Schule hat dadurch in den letzten beiden Monaten einen großen Sprung nach vorn gemacht und werde auch im Lehramtsstudium eine größere Rolle spielen. „Ziel muss es sein, in Zukunft die Digitalisierung von Schulen weiter voranzutreiben, damit digitales Lernen erfolgreich gestaltet werden kann.“ Dieser Meinung sind Stefan Kipf, Professor für die Didaktik der Alten Sprachen im Institut für Klassische Philologie der Humboldt-Universität zu Berlin, und Francesca Lüdecke, Landeskoordinatorin des Berliner Netzwerks für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund „Vielfalt bildet Berlin“, eine Initiative der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Sie unterrichtet am Archenhold-Gymnasium in Niederschöneweide die Fächer Italienisch, Politikwissenschaft und Geschichte.

Dieser Beruf gehört zu den wichtigsten in unserer Gesellschaft, wie man ja gerade in der Corona-Krise erkennen konnte: Lehrkräfte sind nicht zu ersetzen

Francesca Lüdecke, von „Vielfalt bildet Berlin“

Wegbereiter zu einem sinnerfüllten Leben

Beide sprechen stellvertretend für den „Zukunftscampus – Neue Lehrkräfte für Berlin“, ein Kooperationsprojekt aller vier Berliner Universitäten, des Netzwerks „Vielfalt bildet“ und der Senatsbildungsverwaltung. Ihr Anliegen ist es, den Beruf Lehrer/Lehrerin attraktiv für die Zukunft aufzustellen und neue Lehrkräfte zu gewinnen. „Dieser Beruf gehört zu den wichtigsten in unserer Gesellschaft, wie man ja gerade in der Corona-Krise erkennen konnte: Lehrkräfte sind nicht zu ersetzen“, sagen sie. Ihre Aufgabe bestehe darin, Kindern und Jugendlichen die grundlegenden Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die es ihnen ermöglichen, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ein sinnerfülltes Leben zu führen. Diese Aufgabe einer Lehrkraft sei zwar anstrengend, aber auch sehr erfüllend und mache in der Regel große Freude.

In Berlin bieten alle vier Berliner Universitäten das Studium auf Lehramt an. Die Freie Universität Berlin (FU) und die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) haben fast das gesamte Spektrum der (Schul-)Fächer im Programm, wobei es einzelne Schwerpunktbildungen gibt. So kann man zum Beispiel Politikwissenschaft nur an der FU, Sport nur an der HU studieren. Wer ein künstlerisches Fach studieren will, kann dies an der Universität der Künste (UdK) tun. Die Fächer der beruflichen Bildung werden fast ausschließlich von der Technischen Universität Berlin (TU) angeboten.

Talentierte Pädagogen können begeistern

Das Studium auf Lehramt besteht aus zwei Teilen, einem sechssemestrigen Bachelorstudium in zwei Fächern mit Lehramtsoption – für das Grundschullehramt sind es drei Fächer – und einem viersemestrigen Master of Education. „Wer den Berufswunsch Lehrer oder Lehrerin verfolgt, sollte auf jeden Fall Kinder und Jugendliche von seinen Fächern begeistern können und Freude daran haben, gemeinsam mit ihnen zu lernen und sie in ihrem individuellen Lernprozess zu unterstützen“, sagen Lüdecke und Kipf.

Der Arbeitsalltag einer Lehrkraft ist vielfältig. In der Schule steht die Unterrichtstätigkeit im Vordergrund, zu Hause bereitet sie den Unterricht vor oder nach und korrigiert Hausarbeiten. Elternarbeit, diverse Konferenzen und die persönliche Fort- und Weiterbildung gehören auch zum Berufsalltag. Ferien sind für Lehrkräfte – anders als häufig vermutet – nicht nur Freizeit. In diese Zeit gehört die Vorbereitung des Unterrichts für das neue Schuljahr, zudem müssen sie Klausuren korrigieren und Bewertungen vornehmen.

„Berliner Schulen brauchen dringend qualifizierte Lehrkräfte mit Leidenschaft für ihre Fächer“, sagen Kipf und Lüdecke. Studiert werden sollte, was einen am meisten bewegt und interessiert. Besonders gesucht würden derzeit Absolventinnen und Absolventen in den Naturwissenschaften und im Bereich der Sonderpädagogik. Gefragt seien Menschen, die offen sind und auf große Herausforderungen – wie zum Beispiel plötzlich digital zu unterrichten – flexibel reagieren können. Wer sich ausschließlich von einem sicheren Arbeitsplatz und den vermeintlich üppigen Ferien angezogen fühle, sei falsch in dem Beruf.

DAGMAR TRÜPSCHUCH
              
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