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Arbeiten für Leib und Seele

Die Lebensmittelbranche sucht dringend neue Mitarbeiter in allen Fachbereichen

Kaufleute im Einzelhandel werden in großer Zahl benötigt. FOTO: WAVEBREAKMEDIA / ISTCOK

Uwe Lehmann 

In den letzten Jahren hat sich der Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften zum bestimmenden Thema in der deutschen Wirtschaft entwickelt. Ob Hotellerie oder Sanitär und Klimatechnik, ob Handwerk oder Industrie – es fehlt an allen Ecken und Enden an Fachkräften. So nannten zum Jahresbeginn 2019 in der Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages 81 Prozent der Unternehmen des Baugewerbes diesen Mangel als Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Und es wird nicht besser. Laut Zahlen des Basler Forschungsinstituts Prognos fehlen der deutschen Wirtschaft bis zum Jahr 2030 etwa drei Millionen Fachkräfte. 2016 war bereits jeder zweite Beruf im Lebensmittelhandwerk und in den Bioverarbeitungsbetrieben als Engpassberuf ausgeschrieben.
Das Problem macht auch vor dem Lebensmittelhandel mit etwa 1,3 Millionen Beschäftigten in Deutschland nicht halt. Ob Lidl, Netto, Kaufland, Aldi, Edeka, Bio-Company oder Rewe – sie alle suchen gut ausgebildete Arbeitnehmer und motivierte Auszubildende für unterschiedliche Berufe.

„Im Bereich Service haben wir beispielsweise aktuell in Berlin und Umkreis 69 Ausbildungsstellen zum Fleischer oder zur Fleischerin und zum Fachverkäufer oder zur -verkäuferin im Bereich Fleischerei ausgeschrieben. Außerdem sind in Berlin und Oranienburg zwei Stellen für die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik zu besetzen“, erläutert Ann-Christin Geers, Referentin Unternehmenskommunikation bei Rewe. Diese Berufsgruppen würden auch am dringendsten benötigt, da sich hier nur schwer Bewerber finden ließen.

"Wir suchen sowohl Management-Nachwuchskräfte als auch gute Filialleiter sowie Mitarbeiter für die unterschiedlichen Fachbereiche"

Verena Lissek, Unternehmenskommunikation der Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG

„Einen hohen Bedarf haben wir außerdem bei der Berufsgruppe Kaufmann oder -frau im Einzelhandel, da sie generell in unseren Märkten in hoher Zahl benötigt werden. Diese Berufsgruppe ist aber bislang deutlich einfacher zu rekrutieren“, sagt Geers. In den Märkten würden zudem auch Verkäufer und Kaufleute im Lebensmitteleinzelhandel – beide auch speziell für das Feinkost-Segment – ausgebildet. In der Logistik gebe es etwa das Berufsbild des Kaufmanns im Groß- und Außenhandel Logistik, den Fachlageristen oder den Elektroniker für Betriebstechnik. Darüber hinaus würde auch eine größere Zahl Berufskraftfahrer gesucht, so die Unternehmensreferentin.

Auch die Unternehmensgruppe Aldi Nord, bei der zurzeit rund 69.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist ständig auf der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften. Vor allem auch nach Nachwuchs. „In der Aldi Einkauf oHG in Essen und in unseren 32 Regionalgesellschaften stellen wir jedes Jahr rund 800 neue Auszubildende ein. 2018 konnten wir insgesamt über 1700 Auszubildende und duale Studenten zählen“, sagt Verena Lissek von der Unternehmenskommunikation der Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG. Das Unternehmen befinde sich derzeit in einem der größten Wachstums- und Modernisierungsprozesse der Unternehmensgeschichte. Daher sei man stets auf der Suche nach qualifizierten und motivierten Mitarbeitern, so Lissek. „Wir suchen sowohl Management-Nachwuchskräfte als auch gute Filialleiter sowie Mitarbeiter für die unterschiedlichen Fachbereiche der Aldi Einkauf oHG“, erläutert die Unternehmenssprecherin. Auch die internationale Expansion in neun verschiedene Länder biete gute Jobchancen.

Was die Branche für Bewerber so attraktiv macht, ist nicht zuletzt ihre Größe: die 30 führenden Lebensmittelhändler in Deutschland haben 2017 einen Brutto-Außenumsatz von zusammen 247 Milliarden Euro erzielt. Und die Unternehmen lassen sich inzwischen auch so einiges einfallen, um den Nachwuchs für sich zu gewinnen. So erhalten etwa die Azubis bei Rewe nach bestandener Probezeit ein eigenes Tablet – zum Lernen und für die Freizeit. Zudem garantiert das Unternehmen bei guten Leistungen eine Übernahme nach der Ausbildung.

In der Regel besteht die Möglichkeit, bereits während der Schulzeit mittels Praktika in die verschiedenen Berufe „reinzuschnuppern“. Zumeist werden von den Unternehmen auch spezielle Abiturientenprogramme angeboten. Oft gibt es die Möglichkeit zu einem dualen Studium – Bachelor of Arts Warenwirtschaft und Logistik oder Bachelor of Arts Warenwirtschaft und Handel. Beide bieten einen Erfolg versprechenden Karriereweg mit einem sicheren Arbeitsplatz und guten Aufstiegschancen im Lebensmittelhandel.

Und auch in die Selbstständigkeit mit einem eigenen Lebensmittelmarkt kann der Weg über eine Ausbildung im Lebensmitteleinzelhandel führen – zumal der Internethandel mit Lebensmitteln in Deutschland bis auf Weiteres keine große Rolle spielt.
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