Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: Last-Minute-Ausbildung 2020

Arbeiten mit Reagenzglas und Pipette

Chemielaboranten forschen und prüfen. Am Institut für Produktqualität sichern sie die Qualität von Lebensmitteln

Keine Angst, aber Respekt vor chemischen Substanzen sollten Chemielaboranten mitbringen. Foto: Lightpoet / imago

Sie sollten Interesse an Naturwissenschaften mitbringen, gerne im Labor arbeiten – und keine Angst sowie Respekt vor chemischen Stoffen haben. Das sind nur einige Punkte, die Tino Hampel aufzählt, wenn er von den Skills spricht, die junge Menschen mitbringen sollten, die eine Ausbildung zum Chemielaboranten machen möchten. Tino Hampel ist verantwortlich für ihre Ausbildung am Institut für Produktqualität (ifp) in Berlin, ein Labor, das primär in der Lebensmittelanalytik tätig ist – dazu gehören Vitamin-, Schwermetall- und Nährwertanalytik von Lebensmitteln. Ziel ist, den Verbrauchern sichere Nahrungsmittel zu garantieren.

Da die Lebensmittelproduktion auch während des Shutdowns aufgrund der Corona-Pandemie nicht stillstand, hat das ifp weiterhin geprüft. Deswegen wurde das Institut als systemrelevant eingestuft. Die Experten führen aber auch Wasseranalysen für Privatpersonen durch, analysieren Arzneimittel und stellen Produkte her wie Testkits, zum Beispiel auf das Coronavirus. Rund 450 Menschen arbeiten in den Laboren, unter anderem im Nährwertzentrum, im Vitamin- und Rückstandszentrum sowie im Produktionszentrum auf dem Campus Adlershof, dazu gehören drei Chemielaboranten und zwei Bürokaufleute in Ausbildung.

"In Berlin bieten vor allem die Pharmaindustrie und Forschungslabore viele Ausbildungsplätze an"

Juliane Baumgart, Ausbildungsberaterin bei der IHK Berlin

Chemielaborant ist ein 3,5-jähriger dualer Ausbildungsberuf, in dem gleichermaßen Frauen wie Männer arbeiten. Sie bereiten chemische Untersuchungen und Versuchsreihen vor und führen sie durch. Sie analysieren organische und anorganische Stoffe hinsichtlich ihrer qualitativen und quantitativen Zusammensetzungen, sie stellen chemische Substanzen her, sie schreiben Protokolle ihrer Ergebnisse, dokumentieren Versuchsabläufe und werten diese am Computer aus. Sie müssen geschickt beim Umgang mit Pipetten oder Pinzetten sein und beim Abmessen, Ab- und Umfüllen chemischer Substanzen. Bevor sie das Labor betreten, legen sie Kittel an, streifen Laborschuhe über und setzen eine Schutzbrille auf. Arbeiten sie mit krebserregenden und gesundheitsschädlichen Stoffen, tragen sie Mundbedeckung, arbeiten sie mit Säuren und Basen, auch Handschuhe. „Niemand muss Angst vor diesen Stoffen haben“, sagt Hampel. „Es ist jedoch größter Respekt vor ihnen geboten.“ Chemielaboranten müssten sehr sorgfältig, genau und sauber arbeiten.

Ein Beruf mit Zukunft in vielen Branchen

Es ist ein Beruf mit Zukunft, sagt Juliane Baumgart, Ausbildungsberaterin bei der IHK Berlin. „In Berlin bieten vor allem die Pharmaindustrie und Forschungslabore viele Ausbildungsplätze an“, sagt sie. Aber derzeit sei der Bedarf auch in anderen Branchen groß, zum Beispiel in Unternehmen der chemischen Industrie, der Farben- und Lackindustrie, der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie, in Universitäten und Forschungsanstalten, in Firmen der chemischen Beratung und Umweltämtern. „Qualifizierte Fachkräfte werden in allen Branchen gebraucht.“ Die Ausbildungsvergütung kann – je nach Branche und Tarifvertrag – im ersten Ausbildungsjahr zwischen 750 und 800 Euro liegen und im dritten bei etwa 1100 Euro.

„Wie bei anderen Ausbildungsberufen wird jetzt auch das Thema Digitalisierung stärker in die Ausbildung integriert“, sagt Baumgart. Dazu tritt am 1. August dieses Jahres die zweite Änderungsverordnung für die Laborberufe in Kraft. „Diese inhaltliche Aktualisierung bietet den Betrieben und Jugendlichen neue Perspektiven und Chancen“, sagt sie. Denn Vernetzung und Interaktivität ziehen auch vermehrt in Chemielabore ein. Im Labor der Zukunft sollen sämtliche Abläufe digitalisiert sowie aufeinander abgestimmt und über intelligente IT-Managementsysteme vernetzt sein. Auch Robotiksysteme könnten Routinetätigkeiten übernehmen. Mit der Novellierung des Ausbildungsberufs sollen die Auszubildenden von heute auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet werden.

Ein guter mittlerer Bildungsabschluss mit guten Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern ist Voraussetzung, einen der begehrten Ausbildungsplätze am ifp zu bekommen. Andere Unternehmen stellen laut Arbeitsagentur überwiegend junge Menschen mit Hochschulreife ein.

Wer eine Karriere anstrebt, kann sich beispielsweise zum staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Chemie oder zum Industriemeister Chemie oder Pharmazie weiterbilden. Auch ein Chemie- oder Biologiestudium kommt infrage.

Wer aktuell noch einen Ausbildungsplatz sucht, kann sich auf der Seite der IHK-Lehrstellenbörse umsehen. Bei Redaktionsschluss boten noch drei Firmen insgesamt neun Plätze für Chemielaboranten für den Ausbildungsstart in diesem Sommer an. Dagmar Trüpschuch
Weitere Artikel