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Studienabbruch? Arlett Sommerfeld empfiehlt, das persönliche Gespräch zu suchen

Zu theoretisch, zu anonym, zu fordernd: So manch Studierender scheitert an den Anforderungen der Universität. Berater können Tipps geben

Viele junge Menschen haben sich das Studieren anders vorgestellt. Etlichen fehlt der Praxisbezug. FOTO:WAVEBREAKMEDIA / ISTOCK

Max Müller 

Jetzt, wo das neue Semester gerade gestartet ist, haben Arlett Sommerfeld und ihre Kollegen von der Studienberatung der Technischen Universität (TU) Berlin alle Hände voll zu tun. Täglich schlagen in ihrem Büro Studierende auf, die Rat und Unterstützung suchen. „Gerade wer neu an der Universität ist, hat viele Unsicherheiten“, sagt Sommerfeld. „Das ändert sich auch in den ersten Monaten nicht. Sich an die Universität und ihre Strukturen zu gewöhnen, braucht Zeit.“ Es ist eben ein ganz eigener Kosmos mit eigenen Regeln und Anforderungen – und die sind nicht für alle etwas. Deswegen kommen auch nicht nur orientierungslose Studieninteressierte und Erstsemester zu Sommerfeld und ihren Kollegen. Es sind auch viele Studierende darunter, die bereits die ersten Semester hinter sich gebracht haben, nun aber nicht weiterwissen, Einige denken über einen Abbruch nach.
„Meine Kollegen und ich haben aber nicht den Eindruck, dass heute mehr Studierende abbrechen als noch vor einigen Jahren“, so Sommerfeld. Diesen Eindruck bestätigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem vergangenen Jahr. Demnach lag die Abbrecherquote beim Absolventenjahrgang 2016 bei 28 Prozent – und somit in etwa genauso hoch wie bei früheren Studien. Die Gründe, warum Studierende die Universität verlassen, sind unterschiedlich. Dazu gehören zu hohe Leistungsanforderungen, eine falsche Vorstellung vom Studium oder auch vom hohen Level der Eigenverantwortung. Weitere Gründe für den Abbruch des Studiums sind fehlender Praxisbezug, finanzielle Engpässe, die Doppelbelastung durch Erwerbstätigkeit und Studium – oder Heimweh.

"Es ist besser, die jungen Menschen kommen während des Studiums zur Erkenntnis, dass das Fach nichts für sie ist, als nach Jahren in der Branche, wo ein Neustart noch einmal viel schwerer fällt als nach einigen Semestern an der Universität"

Arlett Sommerfeld, Studienberaterin an der TU Berlin

Sommerfeld kennt diese Sorgen aus der Beratung. „Für die einen ist unsere Universität zu groß, für die anderen – insbesondere in der Anfangsphase – zu theoretisch ausgerichtet, ihnen fehlt die Übertragbarkeit in die Praxis“, so Sommerfeld. „An den Universitäten unterschätzen Studienanfänger immer wieder, dass sie sich in den ersten Jahren vor allem mit den Grundlagen vertraut machen müssen. Statt zu tüfteln, büffeln sie Statistik, Algebra und Analysis.“ All diese Themen versucht die TU Berlin bereits während des sogenannten Erstsemestertages anzusprechen.

Wie sieht aber nun das konkrete Beratungsgespräch aus? „Als Erstes versuche ich herauszufinden, warum der betreffende Student über einen Abbruch nachdenkt. Dadurch kristallisiert sich schnell aus einem ‚alles ist doof‘ zumeist doch ein konkretes Detail heraus.“ Wer unter der trockenen Theorie leidet, dem empfiehlt Sommerfeld etwa, sich eine der TU Projektwerkstätten anzuschauen, um das gelernte Wissen gleich in die Tat umzusetzen. Zudem gibt es das ganze Semester über Workshops und Veranstaltungsangebote, welche die Studierenden zum Dranbleiben und Weitermachen ermuntern. „Ich empfehle allerdings, das persönliche Gespräch zu suchen“, sagt Sommerfeld. Ihre Erfahrung zeigt, dass es den Studierenden dann leichter fällt, über ihre wahren Beweggründe zu sprechen.

Letzte Option: Abbruch, bevor man sich quält

Es gibt natürlich auch Fälle, in denen ein Abbruch letztlich doch ratsam ist. „Gerade wenn die Studenten sich schon länger quälen, sollte man andere Optionen in den Blick nehmen.“ Eine Alternative böten Fachhochschulen: Die sind in der Regel praxisorientierter als Universitäten, die ihren Fokus auf Lehre und Forschung legen. Einen Mittelweg zwischen Ausbildung und Studium bietet die Staatliche Technikerschule Berlin. Dort können junge Menschen ihren staatlich geprüften Techniker machen, der im Anschluss zu einer ingenieursnahen Tätigkeit führt. Der Vorteil: Studienleistungen können mitunter angerechnet werden, was die Ausbildungszeit verkürzt. Die Semester an der Universität wären somit nicht „in den Sand gesetzt“.

Das sind sie ohnehin nicht, glaubt Arlett Sommerfeld. „Es ist besser, die jungen Menschen kommen während des Studiums zur Erkenntnis, dass das Fach nichts für sie ist, als nach Jahren in der Branche, wo ein Neustart viel schwerer fällt als nach einigen Semestern an der Uni..“
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