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11. Jobmesse Berlin

Berliner Bewerbungscoach Sven Emmrich: "mit wenig Aufwand viel erreichen"

Auftreten, Bewerbungsmappe und Kleidung sind wichtig, wenn man als Bewerber zur Jobmesse geht. Coach Sven Emmrich meint, auch auf die innere Einstellung kommt es an

Dezent geschminkt, akkurat gekleidet und Bewerbungsmappe dabei: So ist man perfekt vorbereitet. FOTO: KAARSTEN / ISTOCK

Sabine Flatau 

Die Jobmesse Berlin ist eine große Chance. Für junge Leute, die einen passenden Ausbildungsplatz oder den ersten Arbeitsplatz finden wollen. Für Menschen, die in einen anderen Beruf oder in ein neues Unternehmen wechseln möchten. Und auch für Ältere, die noch einmal nach einer neuen Perspektive suchen. Eine gute Vorbereitung auf den Messebesuch lohnt sich.

„Ich glaube, dass man mit wenig Aufwand viel erreichen kann“, sagt Sven Emmrich, bekannter Berliner Bewerbungscoach und Gründer der Plattform Karrierehelden. Er empfiehlt: „Sich vorab überlegen: Mit wem will ich eigentlich sprechen. Und gezielt nur auf diese wenigen Unternehmen zugehen, die auch wirklich interessant für mich sind. Man kann sich eine Liste machen und dieser Liste einfach folgen.“
Die Internetseite dieser Firmen sollte man sich schon vor dem Messebesuch ansehen „und schauen, ob sie offene Positionen haben, die ausgeschrieben sind“, sagt Emmrich. „Das ist ähnlich, wie wenn man einen anderen Menschen kennenlernen möchte. Dann beschäftigt man sich vorher schon ein bisschen mit ihm.“

Mit dabeihaben sollte man eine Bewerbungsmappe

Jugendlichen rät Sven Emmrich, „eine Art Kurzbewerbung mitzubringen. Das kann auf einer Seite sein. Mit Bild und Kontaktdaten, und dem, was sie in der Schule als Schwerpunkt in der Fächerwahl gemacht haben, mit Praktika oder auch als Hobby nebenbei.“ Der Coach weiß aus Erfahrung, dass viele Jugendlichen sich dabei unter Druck setzen. „Sie denken oft: Ich muss ja schon so viel gemacht haben, sonst will mich keiner.“ Aber das sei eine Fehlwahrnehmung. „Keiner erwartet von ihnen eine jahrelange Berufserfahrung.“

"Klassischerweise sollte man gepflegt auf der Jobmesse erscheinen"

Sven Emmrich, Berliner Bewerbungscoach

Auch das Äußere ist wichtig, wenn man mit dem Mitarbeiter einer Firma spricht, bei der man vielleicht anfangen möchte. „Aus der Webseite eines Unternehmens kann man immer schon ein bisschen ableiten, wie dort der Dresscode ist“, sagt Bewerbungscoach Emmrich. „Klassischerweise sollte man gepflegt auf der Jobmesse erscheinen.“ Auch hinsichtlich der Kleidung könne man mit wenig Aufwand viel erreichen, „indem man sich ein kleines bisschen mehr als normal in Schale schmeißt. Womit man im Prinzip nichts verkehrt macht, ist eine dunklere Hose ohne irgendwelche Auswaschungen. Und ein helleres Hemd als Mann, beziehungsweise Bluse und entsprechende Hose als Frau.“ Doch auch auf die innere Einstellung kommt es an.
Die Jobmesse ist wie ein kleines Vorstellungsgespräch. Deswegen sind Vorbereitung und Auftreten wichtig. FOTO: BARLAG
Die Jobmesse ist wie ein kleines Vorstellungsgespräch. Deswegen sind Vorbereitung und Auftreten wichtig. FOTO: BARLAG
„Viele, die sich bewerben wollen, haben das Gefühl, sie seien ein Bittsteller“, sagt Sven Emmrich. „Das kann man auch mal umdrehen und sagen – die Unternehmen haben einen Stand auf der Messe gebucht. Sie sind da, und sie bewerben sich auch bei mir. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe.“

Der Coach rät gerade jungen Bewerbern auch dazu, „sich einfach mal in das Gegenüber hineinzuversetzen. Was will denn diese Person auf der Messe? Sie will Leute kennenlernen, die für das Unternehmen künftig gute Mitarbeiter sind.“ Daraus könne man für sich selbst einen Auftrag ableiten: „Wie kann ich erklären, dass ich eine geeignete Kraft bin? Was biete ich diesem Unternehmen eigentlich? Was zeichnet mich aus? Und das alles sollte man ein bisschen in Szene setzen.“

Sven Emmrich nennt auch grundsätzliche Regeln für ein Gespräch auf der Messe: „Den Blickkontakt zum anderen halten, sich mit Namen vorstellen, lächeln. Allein das Lächeln macht einen Riesenunterschied.“ Wichtig sei auch, dem Gesprächspartner die Wertschätzung, die Dankbarkeit zu zeigen. Ihn ausreden zu lassen. Zuzuhören. „Am Schluss vielleicht auch nach der Visitenkarte zu fragen – ob man sich noch mal persönlich melden darf. Das ist eine gute Variante, das Gespräch so zu beenden.“

Doch manchmal ist die Aufregung vor einer solchen Begegnung groß und die Angst, etwas falsch zu machen, lähmt. „Ein Tipp für diese Situation: Erst mal auf ein Unternehmen zugehen, zu dem ich nicht will“, sagt Sven Emmrich. „Erst einmal überhaupt ein paar Worte zu wechseln, lockert die Kiefermuskulatur. Es ist wie in der Führerscheinprüfung. Da fahre ich auch nicht in der ersten Fahrstunde auf die Autobahn, sondern in einer verkehrsberuhigten Zone.“

Junge Leute sollten sich klarmachen, dass sie auf der Jobmesse nicht eine Entscheidung für die nächsten 40 Jahre treffen müssten, sagt Sven Emmrich, der an beiden Tagen auch Workshops in der Arena hält. „Wenn möglich, sollte man mit einer spielerischen Lernhaltung herangehen. Und die Offenheit mitbringen, dass diese Begegnungen mit Unternehmen Spaß machen können. Sie verraten mir etwas über mich selbst und über meine Chancen in der Zukunft. Ich kann auf der Messe viel lernen.“
  
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