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Abitur 2019

Japanisch am Berliner Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium

Japanisch in der Abi-Prüfung? Am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium ist das ganz normal

Im Japanischkurs lernen die Schüler nicht nur die Kultur, sondern auch Land und Leute kennen. FOTO: SEAN PAVONE / ISTOCKPHOTO

Dagmar Trüpschuch 
 
Spätestens seit japanische Zeichentrickfilme wie „Dragon Ball“ und Mangas wie „Great Teacher Onizuka“ die Jugendzimmer erobert haben und Japanischer Streetstyle angesagt ist, ist es für Jungen und Mädchen kein so ungewöhnlicher Wunsch mehr, Japanisch lernen zu wollen. „Sie möchten Mangas gerne im Original lesen und die Zeichentrickfilme im Original sehen“, sagt Mutsuko Tomita, die seit 1995 Fachbereichsleiterin für Japanisch am Felix-Mendelssohn- Bartholdy-Gymnasium in Prenzlauer Berg ist. Ein anderer Grund sei, dass es viele Jugendliche gebe, die eine nicht-europäische Sprache lernen wollten. So lehrt die Oberschule in Prenzlauer Berg neben Englisch, Französisch, Spanisch, Latein und Norwegisch seit 1993 auch Japanisch.


Die Oberschule in Prenzlauer Berg ist neben der Hildegard-Wegscheider-Oberschule und dem Melanchthon-Gymnasium eine der wenigen Berliner Oberschulen, die ihren Schülern diese Option bietet. Die Hildegard-Wegscheider-Oberschule, an der Mutsuko Tomita ebenfalls Japanisch unterrichtet, bietet die Sprache schon seit 1987 als dritte Fremdsprache an. Die Jugendlichen konnten ab der 8. Jahrgangsstufe Japanisch als Wahlpflichtfach wählen und bei entsprechendem Interesse Japanisch sogar als drittes oder viertes Prüfungsfach im Abitur nehmen. „Gerade läuft der letzte Jahrgang“, heißt es seitens der Oberschule. Japanisch werde künftig nur noch in Form von AGs weitergeführt.

Kalligraphie und Kochen gehören zum Unterricht

Am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium erfreut sich Japanisch weiterhin großer Beliebtheit. Von der 8. bis zur 12. Klasse lernen derzeit rund 45 Schülerinnen und Schüler Japanisch. „In jedem Jahr begleite ich einige von ihnen durchs Abitur“, sagt Mutsuko Tomita. In der Regel haben die Schüler der Oberstufe drei Wochenstunden Japanisch-Unterricht. Sie lernen die Sprache, aber gleichzeitig auch viel über japanische Kultur und Geschichte. Kalligraphieund Origami-Kurse sowie gemeinsam japanisch zu kochen bringen Abwechslung in das lernintensive Programm – denn es ist eine Herausforderung, Japanisch in Sprache und Schrift zu erlernen. Und das, obwohl die japanische Grammatik relativ leicht zu erlernen ist. Es gibt keine Artikel, es wird nicht zwischen verschiedenen Formen der Vergangenheit unterschieden, es gibt keinen Plural.
Komplexes Zeichensystem: 4000 bis 13.000 Zeichen sind nötig, um Texte zu verstehen. FOTO: .OM MUELLER / PA
Komplexes Zeichensystem: 4000 bis 13.000 Zeichen sind nötig, um Texte zu verstehen. FOTO: .OM MUELLER / PA
„Die Grammatik ist logisch und simpel“, sagt Tomita. „Wenn man sie einmal kapiert hat, ist sie nicht schwer.“ Aber es gebe unglaublich viele Vokabel zu lernen. „Das Problem ist, dass es keine Referenzen mit einer germanischen oder lateinischen Sprache gibt und sich Schüler keine Eselsbrücken bauen können.“ Man müsse viel lernen, dazu gehörten auch die drei Hauptschriftsysteme der japanischen Sprache: Hiragana mit 46 Zeichen, Katakana mit ebenfalls 46 Zeichen und Kanji, das wohl komplexeste Zeichensystem mit an die 50.000 Zeichen. Für den Alltag seien zwischen 4000 und 13.000 Schriftzeichen zum Verständnis von Texten notwendig, heißt es allgemein.

Land und Leute lernen die Schüler beim Schüleraustausch kennen. Die Oberschule hat drei Partnerschulen in Tokio – eine gemischtgeschlechtliche, eine Mädchen- und eine Jungenschule. Schülerinnen und Schüler mit guten Noten haben die Möglichkeit für ein Jahr an die gemischtgeschlechtliche oder für sechs Wochen an die Jungen- oder Mädchenschule zu gehen. Im Austausch kommt ein japanischer Schüler nach Berlin. Die Jungen und Mädchen leben dann in ihren jeweiligen Gastfamilien. Es kostet die Jugendlichen nicht mehr als Flugkosten, ein Taschengeld und ein wenig Mut, in eine ihnen völlig fremde Kultur einzutauchen. Überrascht seien sie jedes Mal über die ausgesuchte Höflichkeit der Japaner, die tollen Einkaufsmöglichkeiten in den Bereichen Mode und Elektronik – aber auch über die andere Art des Schulwesen.

„In Japan ist die Erziehung eher kollektiv und nicht so individuell wie hier“, sagt Tomita. In jungen Jahren Japanisch zu lernen, ist nicht nur für diejenigen ein Gewinn, die später Japanologie studieren möchten. Japanisch ist auch die Sprache der großen Elektronikkonzerne – die Chancen in einem international ausgerichteten Unternehmen beruflich Fuß zu fassen, erhöhen sich mit Kenntnissen der japanischen Sprache bedeutend. Wer nicht so hoch hinaus will, kann tief in die Welt der Animes und Mangas eintauchen und mitlachen, wenn Son Goku aus Dragon Ball Meister Kaio zum Lachen bringen will und auf Japanisch sagt: „Die Rumkugeln tun rumkugeln.”
              
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