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Last-Minute-Ausbildung 2019

Berufsberater Branko Woischwill gibt Mini-Workshops zur Berufsorientierung

Branko Woischwill, Kommunikationswissenschaftler und Berufsberater, gibt Tipps für die letzte Bewerbungsrunde

Gut vorbereitet sein und authentisch auftreten – das sind die wichtigsten Tipps des Berufsberaters. FOTO: FIZKES / ISTOCKPHOTO

Dagmar Trüpschuch  

Berliner Morgenpost: Herr Woischwill, bitte stellen Sie sich vor …

Branko Woischwill: Ich bin Kommunikationswissenschaftler und habe mehrere Bücher zu verschiedenen Karrierethemen veröffentlicht. Seit mehr als 13 Jahren bin ich als Berater bei BOB – Berufsorientierung und Bewerbung tätig. Ich halte Vorträge vor Schulklassen und gebe Mini-Workshops zur Berufsorientierung.
Der Bewerbungszeitraum ist abgelaufen, der Personaler hat trotzdem zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wie erklärt man am besten, wieso man sich erst jetzt bewirbt?

Man sollte sich auf gar keinen Fall Lügen ausdenken, sondern schauen, was der Grund für die späte Bewerbung ist. Was waren die Rahmenbedingungen? Gerade in jungen Jahren und mit über 320 anerkannten Ausbildungsberufen kann man leicht die Orientierung verlieren und somit den Bewerbungsschluss verpassen. Ein weiterer Grund könnte fehlendes Networking sein, so hat man beispielsweise zu spät erfahren, dass die Firma, in der man sich gerade bewirbt, noch Auszubildende sucht. Auch könnte man zu viel Zeit darauf verwendet haben, die Bewerbungsunterlagen fertigzustellen. Denn neben Anschreiben und Lebenslauf erwarten Unternehmen heutzutage auch Xing-Profile oder eine Video-Bewerbung. Die Vorbereitung dieser Unterlagen nimmt viel Zeit in Anspruch. Wie sollte man sich als Bewerber auf das Gespräch vorbereiten? Man sollte vorher überlegen, ob Ausbildung und Unternehmen auch wirklich zu einem passen. Dazu gehört es, sich intensiv mit der Firma auseinanderzusetzen – sich Instagram- und Facebookauftritte anzusehen, Blogs, Xing-Profil und Snapchat.
              

„Einige Unternehmen setzen nicht mehr nur auf Noten, sondern gucken nach anderen Stärken wie beispielsweise Motivation. Wichtig ist es, authentisch zu bleiben“

Branko Woischwill, Kommunikationswissenschaftler und Berufsberater

Was sind typische Fangfragen?

Das sind oft Beurteilungsfragen. Zum Beispiel, wenn man sich bei einer Bank bewirbt, könnte eine Frage lauten: Wie ist der aktuelle Goldpreis und wie wird er sich entwickeln? Bei einem Bewerbungsgespräch im Bereich Tourismus könnte es die Frage nach den Trends im Hotelgewerbe geben. Da sollten Bewerber wissen, dass Bio-Hotels im Trend liegen. „Weil ich so gerne verreise“, ist eine schlechte Antwort, wenn ein Luftfahrtunternehmen fragt, warum man Pilot werden möchte. Das zeigt, dass man sich nicht mit dem Beruf und der Firma auseinandergesetzt hat.

Die Bewerberin hat sich gut auf das Gespräch vorbereitet, plötzlich stellt der Personaler eine Frage, mit der sie nicht gerechnet hat. Wie soll sie reagieren?

Sie kann ganz ehrlich sagen, dass diese Frage unerwartet für sie kommt und sich einen Augenblick Bedenkzeit erbitten. Das kommt sehr authentisch rüber und signalisiert, dass man sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen möchte.
               
Branko Woischwill arbeitet seit 13 Jahren für die Berufsberatung BOB.        FOTO: DIE HOFFOTOGRAFEN GMBH BERLIN
Branko Woischwill arbeitet seit 13 Jahren für die Berufsberatung BOB.        FOTO: DIE HOFFOTOGRAFEN GMBH BERLIN
Welche Fragen dürfen Personaler nicht stellen?

Alle Fragen, die dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz widersprechen. Es dürfen keine Fragen nach Religion, sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft oder Weltanschauung gestellt werden. Junge Frauen dürfen auch nicht nach ihrer Familienplanung gefragt werden. Für Fragen dieser Art muss es einen triftigen Grund geben. In einem physikalischen Institut zum Beispiel könnten Strahlungen bei einer Schwangerschaft problematisch sein.

Wie können Bewerber reagieren, wenn sie die Frage als zu persönlich einstufen?

Sie sollten den Ball zurückspielen und höflich fragen, warum die Beantwortung dieser Frage so wichtig ist. Und letztendlich bewirbt sich eine Firma im Vorstellungsgespräch auch beim Bewerber: Wenn sie unangenehme Fragen stellt, ist sie vielleicht nicht die richtige für mich.

Der Bewerber hat einige schlechte Noten im Zeugnis. Wie kann er den Personaler überzeugen, dennoch der Richtige für den Ausbildungsplatz zu sein?

Einige Unternehmen setzen nicht mehr nur auf Noten, sondern auf andere Stärken wie beispielsweise Motivation. Wichtig ist es, authentisch zu bleiben. Man kann zum Beispiel sagen: „Ich habe in Spanisch leider keine gute Noten erbracht, aber daran arbeite ich noch.“

Was sollen Bewerber im Vorstellungsgespräch sagen, wenn nach ihren Stärken und Schwächen gefragt wird?

Auf die Stärken kann man sich gut vorbereiten, die weiß man anhand der Hobbys oder wofür man von anderen gelobt wird. Bei den Schwächen sollten sie sich gut überlegen, welche sie nennen. Wenn ein Bewerber bei der Deutschen Bahn sagt, dass er unpünktlich ist, ist das bei diesem Unternehmen die falsche Schwäche. Man muss aufpassen, dass einem die genannte Schwäche nicht auf die Füße fällt.

Welchen Rat geben Sie Spätbewerbern mit auf den Weg?

Mutig voran! Den Firmen zeigen, dass man versiert ist. Chancen, auch spät noch einen Ausbildungsplatz zu finden, sind durchaus da.
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