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Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA: AUSBILDUNG & STUDIUM 2021/2022

Der lange Weg zum idealen Ausbildungsplatz

Online-Bewerbungsgespräche und strauchelnde Branchen – momentan haben es angehende Azubis nicht leicht. Wie Schulabgänger trotzdem einen passenden Ausbildungsplatz findet

Persönlichkeitstests helfen Unentschlossenen, ihre eigenen Kompetenzen besser einschätzen zu können. FOTO: FOTOGRAF/AGENTUR

Die kaufmännischen Berufe haben ganz klar die Nase vorne: Etwa 20 Prozent aller gemeldeten Berufsausbildungsplätze entfallen auf diese Branche. Allerdings gehen aber auch etwa 17 Prozent aller Bewerbungen auf diese Berufsgruppe. Und das, obwohl es in Deutschland etwa 325 duale Ausbildungsberufe gibt, dazu diverse schulische Ausbildungsberufe und bundesweit 16.000 Studienfächer. Da ist verständlich, dass es vielen Schulabgängern schwerfällt, ihre Wahl zu treffen. Und steht der Traumberuf fest, wartet die aufreibende Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz.

„Für Jugendliche ist es zurzeit schwierig, sich zu orientieren“, sagt auch IHK-Ausbildungsberater Dominic Leiner. „Es gibt zwar digitale Ausbildungsmessen, aber die Berufsorientierung an den Schulen und bei den Jugendberufsagenturen ist pandemiebedingt erheblich erschwert.“ Die Devise bei der Jobwahl lautet: Mach, was dir Spaß macht. Um das bei den jungen Menschen herauszukitzeln, gibt es die Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit. Normalerweise geht Berufsberaterin Christin Lehniger in die Schulen, um die Schüler schon lange vor dem Schulabschluss zu beraten. Wenn es dann ernst wird, kommen sie auch zu ihr ins Büro. Doch das alles ist derzeit nicht möglich. „Wir haben dennoch Kontakt zu unseren Schülern, über Videokonferenzen genauso wie in Einzelgesprächen per Handy oder via Skype“, sagt die Berufsberaterin in Tempelhof-Schöneberg, „die Schüler kennen ihre Ansprechpartner und melden sich dann bei Bedarf auch bei ihnen.“

Doch ist die Motivation der Jugendlichen durchaus unterschiedlich ausgeprägt, so ihre Erfahrung. Denn in immer mehr Familien fehlt die Unterstützung durch die Eltern. „Viele beraten ihre Kinder nicht, sondern wälzen die Verantwortung für deren Zukunft auf die Schulen ab. Eine sehr bedauerliche Entwicklung“, wie Christin Lehniger findet. Denn letztlich sollten sie es sein, die die Stärken und Schwächen ihrer Kinder am besten kennen. Insgesamt sei die Arbeit durch Corona zwar komplizierter geworden, aber dennoch würden sie noch viele Schulabgänger erreichen und beraten können.

Schüler, die noch gar keinen Zukunftsplan haben, sollten am besten einen Selbsttest im Internet machen. Berufsberater wie Christin Lehniger empfehlen den „Check-U“-Test, der neben mathematischem, logischem und räumlichem Denken auch Teamfähigkeit und soziale Kompetenz untersucht. Etwa anderthalb Stunden sollten für den Test eingeplant werden. Am Ende werden dann Ausbildungsberufe oder Studienfächer vorgeschlagen. „Wir empfehlen immer, mit dem Ergebnis des Tests zur Auswertung zu uns zu kommen“, sagt Lehniger.

Digitale Vorstellungsgespräche erfordern andere Vorbereitung

Wer nicht den besten Zeugnisdurchschnitt hat, der muss dennoch nicht resignieren. Denn nicht alle Noten sind gleichermaßen für alle Berufe ausschlaggebend. Wer beispielsweise eine Vier in Mathe hat, weil in diesem Jahr gerade Geometrie dran war, ist nicht per se ungeeignet für kaufmännische Berufe. Da muss man allgemein mit Zahlen umgehen können – aber nicht die Geometrie beherrschen.

Wer mit seinem Test zur Berufsberatung geht, bekommt in der Regel eine Abc-Prioritätenliste. Dabei steht nicht automatisch das vorne, was der Test als am idealsten ausgeworfen hat. „Hier geht es auch um Bewerbungszeiträume. Wenn Bewerbungsschluss für den angedachten Ausbildungsplatz schon im Februar ist, aber die anderen Sachen erst im Juni dran sind, wird logischerweise erst die dringliche Bewerbung abgeschickt.“ Denn, so ihre Erfahrung: Man kann hinterher noch immer alles absagen, aber nichts Schönem rückwirkend zusagen.

Aufgrund von Corona finden heutzutage viele Vorstellungsgespräche digital statt. Probearbeiten würde häufig nach hinten geschoben in der Hoffnung, dass die Pandemielage es dann einfacher machen würde, weiß Dominic Leiner von der IHK. Viele Betriebe würden aber dennoch auf einen praktischen Test Wert legen. Wer zu einem digitalen Gespräch eingeladen wird, sollte sich etwas anders vorbereiten als für ein Präsenzgespräch. Wichtig ist, dass man einen Raum hat, in dem man alleine ungestört sitzen kann. „Man sollte vorher testen, was auf dem Kamerabild alles zu sehen ist und gegebenenfalls vorher noch mal aufräumen“, rät Leiner. Er empfiehlt außerdem, rechtzeitig einen Technikcheck zu machen und pünktlich vor dem Bildschirm zu sitzen – natürlich angezogen und zurechtgemacht wie für ein Präsenz-Vorstellungsgespräch. Also nicht unrasiert und in Jogginghose. Etwas zu schreiben sollte griffbereit liegen. Und während des Vorstellungsgesprächs stets den Blickkontakt halten, statt immer mal wieder aus dem Fenster zu schauen. Christin Lehniger empfiehlt außerdem, gerade zu sitzen und eine offene Haltung einzunehmen.

Betriebe und potenzielle Azubis finden oft nicht zueinander

Und sie hat noch einen Tipp: „Wichtig ist, dass die Bewerber sich im Vorfeld Gedanken über ihre Schwächen machen, denn die Frage kommt bestimmt und sollte ehrlich beantwortet werden. Genauso die Frage ,Warum glauben Sie, sind Sie für den Job geeignet?‘.“ Stärken sollten belegt werden können, beispielsweise: „Ich bin teamfähig, was ich auch schon seit Jahren in meinem Fußballverein zeige, wo mich die Spieler zu ihrem Kapitän gewählt haben.“

Wichtig sei auch, auf die Frage nach weiteren Fragen nicht Urlaub oder Gehalt anzusprechen, sondern eher ein wichtiges, aber neutrales Thema. Wie viele Auszubildende später übernommen werden, sei hier eine gute Frage.

Lehniger und Leiner sind sich einig, dass zudem eine gute Vorbereitung auf das Berufsbild und das Unternehmen ganz wichtig seien. Fragen nach Branche, Standorten und der Geschichte des Unternehmens sollten im Vorfeld recherchiert werden. „Die Erwartungen der Arbeitgeber an künftige Auszubildende haben sich durch Corona nicht verändert“, weiß Leiner. Natürlich sei ein guter Abschluss wichtig. Aber wer eine überzeugende Bewerbung schreibt und dann motiviert und engagiert ins Bewerbungsgespräch geht, könne dadurch auch nicht ganz so gute Noten ausgleichen.

Die Anzahl der Neuverträge und die Anzahl der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsplätze sind im vergangenen Jahr zurückgegangen. Dennoch ist die Zahl der unbesetzt gebliebenen Stellen um ein Viertel gestiegen. „Betriebe und potenzielle Azubis haben nicht zusammengefunden“, weiß der IHK-Ausbildungsberater. Corona wird sein Übriges getan haben. Auch jetzt laufen die Branchen, die gut durch die Krise gekommen sind, gut. Hier haben Betriebe sogar teilweise Ausbildungskapazitäten aufgestockt. Beispiele dafür sind die Büroberufe, allen voran Unternehmen in der Versicherungsund Immobilienbranche. Handwerklich orientierte Berufe hätten ebenfalls einen starken Bedarf. Pandemiebedingt schwieriger sei es dagegen in Berufen im Hotel- und Gaststättengewerbe oder in der Reisebranche. SIMONE JACOBIUS

Welche Ausbildung passt zu mir?

www.arbeitsagentur.de/bildung
„Check-U“ ist ein umfangreicher Test, mit dem Stärken und Schwächen ermittelt und passende Berufe genannt werden; „Berufe-Entdecker“ ist ein Test mit Bildern.

planet-beruf.de/schuelerinnen
Neben dem Teil für Schüler gibt es auch Seiten für Eltern und für Lehrer sowie Berufsorientierungs-Coaches.

berufenet.arbeitsagentur.de
Dort gibt es schriftliche Informationen zu Berufen, zur Ausbildung (Voraussetzungen, Ablauf, Entgelte) sowie über Verdienstmöglichkeiten.

abi.unicum.de/abi-und-dann
Info-Seite für unentschlossene Abiturienten

www.jugendnetz-berlin.de/de/arbeitswelt/berufsorientierung.php
Umfangreiche Themen- und Linksammlung für Schulabgänger

„Was passt zu mir?“ Drei Fragen an die Berufsberaterin

Christin Lehniger ist bei der Agentur für Arbeit in Tempelhof-Schöneberg als Berufsberaterin tätig. FOTO: J. BAUCH
Christin Lehniger ist bei der Agentur für Arbeit in Tempelhof-Schöneberg als Berufsberaterin tätig. FOTO: J. BAUCH
1 Abi in der Tasche – wem raten Sie zu einer Berufsausbildung und wem zum Studium?

Die Zeugnisse können ein Anhaltspunkt sein, wie schwer oder leicht es dem Schüler oder der Schülerin fiel, zu lernen. Wer nur Einsen und Zweien auf dem Zeugnis hat, ist gut im Lernen und gegebenenfalls motiviert, weiter zu lernen – beispielsweise in einem Studium. Es sei denn, er oder sie sagt, dass die Luft raus und keine Lust mehr auf Schulbankdrücken vorhanden ist. Eins ist klar: Auch wer nicht studiert, hat heutzutage sehr viele Chancen, sich weiterzuentwickeln. Das Studium ist längst nicht mehr der einzige Weg.
 

2 Wie kann die Familie bei der Berufswahl helfen?

Wer sich schwer damit tut, sich selbst realistisch einzuschätzen, sollte ruhig seine Eltern fragen. Sie kennen ihre Kinder seit Jahren und somit meist auch ihre Stärken und Schwächen. Leider gibt es zu viele Eltern, die sich dafür nicht interessieren. Dann helfen sogenannte Persönlichkeitstests – und auch wir von der Berufsberatung.
Ausbildung oder Studium? In manchen Fällen macht beides Sinn. FOTO: GETTY IMAGES
Ausbildung oder Studium? In manchen Fällen macht beides Sinn. FOTO: GETTY IMAGES
3 In welchen Fällen macht es Sinn, dem Studium eine Berufsausbildung voranzustellen?

Das hängt stark von den Abiturnoten ab. Wer ein Fach mit geringem Numerus clausus (NC) studieren möchte, muss Warte-Semester einplanen. Zur Überbrückung und um ein besseres Verständnis für die Theorie zu entwickeln, kann es sinnvoll sein, vorab eine Ausbildung zu absolvieren. Unter anderem kann das für die Bereiche Bauwesen, Veterinär- und Humanmedizin oder auch im Bereich Elektro oder Jura zur Verkürzung der Wartesemester und zum Erlernen der notwendigen Grundlagen führen. Wenn der erhoffte Studienplatz schneller kommt als erwartet, kann die Ausbildung immer noch abgebrochen werden. Das ist besser, als nur abzuwarten und nichts zu tun. SIMONE JACOBIUS

Karrieretipp

Polizei Brandenburg. Ein Job. 100 Möglichkeiten

Bewirb dich jetzt für eine Ausbildung oder ein Studium bei der Polizei und profitiere von unseren individuellen Karrierechancen und einer sicheren Zukunftsperspektive
FOTO: POLIZEI BRANDENBURG
FOTO: POLIZEI BRANDENBURG
Du willst in einem starken Team arbeiten und möchtest deine Qualitäten vielfältig einbringen, um für die Sicherheit unserer Mitmenschen zu sorgen?

Der Polizeiberuf hat viele Facetten. In über 100 Einsatzbereichen findet jeder seine Bestimmung. Egal, ob du im Wach- und Wechseldienst einer hilflosen Person, mit dem Polizeihubschrauber Personen oder flüchtige Täter suchst, bei der Bereitschaftspolizei eine Demonstration absicherst, in der Kriminalpolizei Vernehmungen mit einem Tatverdächtigen durchführst und intensiv ermittelst oder du mit dem Diensthund nach Sprengstoff suchst – langweilig wird dir sicher nicht. Du entscheidest dich für einen Berufsweg mit vielen Möglichkeiten, dein Verantwortungsgefühl für Sicherheit und Ordnung und dein Engagement für die Gesellschaft einzubringen.

Benefits – wir bieten
• Krisensicherer Beamtenstatus
• Vielfalt
• Gute Besoldung
• Karriere- und Aufstiegschancen
• Ständige Weiterentwicklung (Lehrgänge)
• Vereinbarkeit Beruf und Familie
• Gesellschaftliche Verantwortung
• Kostenfreie Krankenversicherung

Ausbildung / Studium bei der Polizei

Bei der Brandenburger Polizei hast du die Möglichkeit, dich zwischen zwei Laufbahnen zu entscheiden: Die Ausbildung zum Polizeimeister/zur Polizeimeisterin im mittleren Dienst dauert zweieinhalb Jahre, das Studium zum Polizeikommissar/zur Polizeikommissarin im gehobenen Dienst drei Jahre. Teil der Ausbildung und des Studiums ist auch ein mehrmonatiges Praktikum. Dadurch bilden sich bei Vielen bereits Tendenzen heraus, in welche Richtung man sich in Zukunft entwickeln möchte. Nach Beendigung deiner Ausbildung oder deines Studiums kommst du in deine Erstverwendung, welche in Schutzpolizei, Kriminalpolizei oder bei der Bereitschaftspolizei liegen kann. Ab der Erstverwendung liegt dein Karriereweg in deiner Hand!

Einstellungsvoraussetzungen

Wer sich für eine Karriere bei der Polizei entscheidet, der muss je nach Laufbahn einen Bildungsabschluss vorweisen:

• mittlerer Dienst: Fachhochschulreife, Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss samt abgeschlossener dreijähriger Berufsausbildung
• gehobener Dienst: Fachhochschulreife, allgemeine Hochschulreife oder einen als gleichwertig anerkannten Bildungsstand

Weitere wichtige Eigenschaften für Polizistinnen und Polizisten sind Demokratieverständnis, Haltung, Teamwork, Kommunikationsfähigkeit, Entscheidungsvermögen, ein positives Erscheinungsbild und Flexibilität. Vorerfahrungen aus anderen Berufen oder Studiengängen, Fremdsprachenkenntnisse und auch Migrationshintergründe sind gerne bei der Polizei des Landes Brandenburg gesehen.

Dein Interesse ist geweckt? Dann bewirb dich und werde Teil unseres Teams!

Kontakt

Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg
Bernauer Straße 146
16515 Oranienburg
www.polizei-brandenburg-karriere.de
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