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Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA: AUSBILDUNG & STUDIUM 2021/2022

Die hohe Kunst des professionellen Sprechens

Für Hörspiele, Podcasts und Audioguides werden Stimmen gesucht, die nicht nur Worte, sondern auch Inhalt und Emotionen transportieren

Hörbücher und Podcasts liegen im Trend, Sprecher arbeiten aber auch im Kulturbereich oder in der Werbung. FOTO: GETTY

Die rote Lampe in der Studiokabine leuchtet. Achtung, Aufnahme! Johanna Zehendner setzt die Kopfhörer auf, sammelt sich, legt die Fingerspitzen aneinander, schaut auf, beginnt zu lesen. Hoch konzentriert. „,Bahnwärters Abendlied‘ war eines der ersten Werke, die Engelbert Humperdinck im Dachkämmerchen dieses Hauses komponierte. Ein schöner Auftakt für den Rundgang durch sein Geburtshaus.“ Sie liest den Audioguide für das Stadtmuseum Siegburg ein. Während sie spricht, unterstreichen ihre Hände jedes ihrer Worte. Ihre Stimme lädt die Besucher und Besucherinnen zu einem abwechslungsreichen Museumsrundgang ein. Die Freude, die sie dabei empfinden sollen, vermittelt Johanna Zehendner verbal. In einem Tonstudio in Wilmersdorf geht sie dafür imaginär durch die Ausstellung.

Sprecher ist keine geradlinige Ausbildung

Johanna Zehendner ist Sprecherin. Sie spricht Audioguides ein, Audiodeskriptionen, sie ist die Kommentarstimme und Voiceover-Stimme in Dokus und Magazinen für Arte, 3sat und ZDF. Mit rollendem R spricht sie den Werbeslogan für eine bekannte italienische Pasta-Sorte. Aktuell freut sie sich über einen neuen Hörbuch-Auftrag.

"Wenn ich vorlese oder spreche, muss es so klingen, als seien es meine Gedankengänge."

Johanna Zehendner, Sprecherin

Offiziell, so heißt es, gebe es keine Ausbildung zum Sprecher oder zur Sprecherin. Der klassische Weg geht über die Schauspielerei. Viele Schauspielerinnen und Schauspieler sind nebenberuflich beispielsweise Synchronsprecherinnen oder Sprecher für Radio-Beiträge. Johanna Zehendner hat einen anderen Weg gewählt. Sie studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HMDK) den deutschlandweit einzigartigen Bachelor-Studiengang „Sprechkunst und Sprecherziehung“. Das Studium widmet sich in acht Semestern der Kunst und Pädagogik des Sprechens und bereitet die Studierenden auf die Berufe Sprecher/-in und Sprecherzieher/-in vor.

In den ersten vier Semestern wurde Johanna Zehendner in Sprechkunst, Sprecherziehung, Mediensprechen und Rhetorik unterrichtet. „Ich habe schnell festgestellt, dass ich meinen Schwerpunkt auf Mediensprechen legen möchte“, sagt sie. Deswegen konzentrierte sie sich im Hauptsemester auf das Sprechen am Mikrofon. Hier feilte sie ihre Kompetenzen in allen Bereichen der audiovisuellen Medien aus – in Nachrichten, Voiceover, Synchron, Feature, Kommentar, Podcast, Hörbuch und Hörspiel. „Wir lernen, Rollen auch emotional zu erfassen.“ Deswegen gehören zu den Lehrangeboten wie Körperarbeit sowie Atem- und Stimmbildung auch Schauspiel und Rollenarbeit.

Um sich weiter zu professionalisieren, schloss sie noch den zweisemestrigen Master Mediensprechen an. „Es war eine sehr spannende Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt sie. Sie setzte sich intensiv mit literarischen Texten auseinander, erprobte sich in verschiedenen Genres, bildete sich in Gesang weiter. Schon während des Masterstudiengangs bereitete sie sich auf den Berufseinstieg vor. Sie nahm Demos auf, bewarb sich, gestaltete ihre Homepage. 2015 machte sie ihren Abschluss „Master of Arts“. Seitdem ist sie als freiberufliche Sprecherin und Sprecherzieherin tätig – erst in Stuttgart, jetzt in Berlin.

Beim Berufsstart konnte sie schon auf ein Netzwerk von nützlichen Kontakten zurückgreifen, das sie sich während des Studiums aufgebaut hatte. Das A und O einer jeden Soloselbstständigen – neben der Neu-Akquise. Demos an Studios schicken, an Radiosender. „Und lernen, damit klarzukommen, dass nur rund ein Drittel antwortet“, sagt sie. Kommt es zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit Regisseurinnen oder Tonmeistern, reichen die ihren Namen weiter. Mittlerweile ist Johanna Zehendner eine gefragte Sprecherin – mit verschiedenen Auftraggebern.

Akquise, Netzwerken und Recherche gehören zum Beruf

Eine gute Stimme, Talent und Empathie, um sich in die verschiedenen Texte reindenken zu können, sind Mindestvoraussetzungen, um den Beruf gut ausfüllen zu können. Weiterbildungen und Netzwerken gehören später zur Pflicht. Um weiter gebucht zu werden, brauchen Sprecher/-innen einen guten Draht zu Produzenten, Regisseuren und Tonmeistern. Sie müssen gut vorbereitet mit einer eigenen Interpretation der Texte ins Studio kommen, sich aber auf Regieanweisungen einlassen können. Einfaches Sprechen oder Vorlesen reicht nicht. „Ich muss das Thema verstanden haben“, sagt Johanna Zehendner. Dazu gehört eine ausgiebige Recherche. Bekommt sie das Manuskript, arbeitet sie sich ein und besucht im Fall der Audioguides die Museen online. „Wenn ich vorlese oder spreche, muss es so klingen, als seien es meine Gedankengänge.“

Geht die rote Lampe aus, nimmt Johanna Zehendner die Kopfhörer ab, trinkt einen Schluck Wasser, packt das Skript in ihre Tasche. Über eine Stunde hat sie hoch konzentriert gelesen und 30 Stationen beschrieben. Nun schwingt sie sich aufs Rad und fährt weiter – zu ihrer nächsten Aufnahme … DAGMAR TRÜPSCHUCH

Ausbildung Sprecher/-in und Synchronsprecher/-in

Der Weg zum Sprecher/zur Sprecherin über die Schauspielerei führt in Berlin über die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, die Universität der Künste Berlin, die Filmuniversität Konrad Wolf Babelsberg und die Berliner Schule für Schauspiel. Hier ist Johanna Zehendner Dozentin für Sprecherziehung.

Quereinsteiger können zum Beispiel Trainings bei Denis Bergemann bei der Sprecherdatei Berlin belegen.

www.sprecherdatei.de
Berlin-Tag digital am 27. Februar 2021

Online-Messe rund um den Bildungsbereich

Berlin sucht schlaue Leute. Berlin bietet Fachkräften und Quereinsteigenden spannende Arbeitsplätze in Schulen, Kitas und Jugendämtern. Arbeiten Sie mit den Jüngsten in unserer Stadt und besuchen Sie den Berlin-Tag digital!
FOTO: BERLIN-TAG DIGITAL
FOTO: BERLIN-TAG DIGITAL
Besuchen Sie online den Berlin-Tag digital, Deutschlands größte Berufs- und Informationsmesse im Bildungsbereich.

• Lernen Sie die Berliner Schulen, Kita-Träger und Jugendämter an den virtuellen Ausstellerständen kennen.
• Kommen Sie mit potenziellen Arbeitgebern aus dem Bildungsbereich ins Gespräch.
• Erfahren Sie in Vorträgen und in Beratungsgesprächen mehr zum Berufseinstieg, zu den Einsatzmöglichkeiten im Lehrer- und Erzieherberuf sowie im Bereich Soziale Arbeit.
• Informieren Sie sich über einen möglichen Quereinstieg und über die Arbeit an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, Kitas sowie in den Berliner Jugendämtern.

Jetzt anmelden: www.berlin-tag.berlin

Über eine Internet-Messeplattform kommen am Samstag, 27. Februar 2021, Aussteller und Gäste über PC oder Notebook miteinander in Kontakt. Die digitalen Türen öffnen sich von 10:00 bis 14:00 Uhr.

Lassen Sie sich online persönlich beraten und sprechen Sie direkt mit Ihren zukünftigen Arbeitgebern. Holen Sie sich online Informationen zum Quereinstieg, verfolgen Sie die Vorträge über die Arbeit mit unseren Jüngsten in Berlins Schulen, Kitas und Jugendämtern. Und geben Sie auf Wunsch Ihre Bewerbungsmappe ab.

Informieren Sie sich über Ihre berufliche Perspektiven und Einstiegsmöglichkeiten in Berliner Schulen, Kitas und Jugendämtern.
be Berlin
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Senatsverwaltung, der Berliner Schulen, der Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Jugendämter beraten Sie online mit Präsentationen und Vorträgen zum Einstieg in den Beruf, zum Quereinstieg oder zum Auswahlverfahren.

Schulen

Die öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen aus allen Bezirken stellen sich auf dem Berlin-Tag digital vor. Die Regionalen Schulaufsichten der zwölf Bezirke geben gemeinsam mit Schulleitungen, Lehrkräften sowie Erzieherinnen und Erzieher einen direkten Einblick in den Schulalltag, das Schulprogramm oder die Unterrichtsarbeit. So gewinnen Sie bereits einen Eindruck von den verschiedenen Schulen und knüpfen erste Kontakte.

Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

Beim Berlin-Tag digital sind die Träger der Kitas, der ergänzenden Förderung und Betreuung an Grundschulen (Hort) und der Jugendhilfe ebenfalls virtuell vor Ort. Sie stellen sich und ihre Arbeit vor, informieren und beraten Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie am Quereinstieg Interessierte über ihre Arbeit, freie Arbeitsstellen oder Qualifizierungsmaßnahmen.

Jugendämter

Auch die Berliner Jugendämter suchen engagierte sozialpädagogische Fachkräfte sowie Quereinsteigende und stellen auf dem diesjährigen Berlin-Tag digital die Beschäftigungsmöglichkeiten in ihrem Arbeitsfeld vor. Das breite Spektrum der Aufgabenbereiche reicht von Erziehungs- und Familienberatung über Kinderschutz bis hin zu ergänzenden Sozialdiensten.

Universitäten

Auf dem Berlin-Tag digital informieren die lehrerbildenden Universitäten über die Qualifizierung von Quereinsteigern. Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann besuchen Sie uns auf dem Berlin-Tag digital am 27. Februar von 10 Uhr bis 14 Uhr. Wir freuen uns auf Sie.

www.berlin-tag.berlin

Übrigens: Auch Fachkräfte und Quereinsteigende aus den folgenden Bereichen finden Einsatzorte bei unseren Jüngsten:

Elementarpädagogik, Entbindungshilfe, Ergotherapie, Erziehungswissenschaft, Fachkräfte Sprache und Integration, Familienpflege und Frühpädagogik, Gemeindepädagogik, Grundschulpädagogik, Heilerziehungspflege, Heilpädagogik, Kindertagespflege, Kinderkrankenpflege, Kinderpflege, Kindheitspädagogik, Logopädie, Musikpädagogik und Musikvermittlung in sozialer Arbeit, Sprache und Sprachförderung in sozialer Arbeit, Musikpädagogik, Pädagogik, Psychologie, Rehabilitationspädagogik, Sonderpädagogik, Sozialarbeit, Sozialassistenz, Sozialpädagogik, Sport-, Kunst- und Musikpädagogik, Sporttherapie, Sprachheilpädagogik, Theaterpädagogik.
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