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Ausbildung & Studium 2020/2021

Die Kunst der Konstruktion

Brückenbauingenieure planen, bauen und sanieren. Gleichzeitig haben sie die Chance, Architektur für die Ewigkeit zu schaffen

GRAFIK:METEL/ISTOCK

UWE LEHMANN

Brücken verbinden. Sie verbinden Kontinente, Regionen, Landschaften, Städte und Menschen. Schon immer hat sich der Mensch Gedanken gemacht, wie er am besten Schluchten oder Flüsse überwinden kann. Bereits die Römer waren hervorragende Brückenbaumeister. Bestanden Brücken anfangs aus Holz, Stein oder Ziegel, änderten sich mit der Zeit sowohl die Materialien als auch die Konstruktionsweisen. So steht im englischen Coalbrookdale bis heute mit der 1779 erbauten „Iron Bridge“ die erste gusseiserne Bogenbrücke der Welt. In Oberbayern steht zwischen Rosenheim und Traunstein Deutschlands erste Stahlbrücke mit einer beheizbaren Oberflächenbeschichtung (Korrosionsschutz) und in Amsterdam wurde die erste Edelstahlbrücke aus dem 3D-Drucker gefertigt. Manche Brücken erlangen sogar regelrechten Ruhm, wie die Golden Gate Bridge in San Francisco oder die Öres- und-Brücke zwischen Dänemark und Schweden, die sogar eine Hauptrolle in einer skandinavischen Krimiserie spielte.
REWE
Im Brückenbau jagt ein Rekord den nächsten

Immer höhere Anforderungen werden an die Bauwerke gestellt, immer längere Distanzen und größere Höhen gilt es zu überwinden. Mit einer Länge von 164,8 Kilometern ist die Große Brücke Danyang-Kunshan in China die derzeit längste Brücke der Welt.

Derartige Bauwerke stellen an die Architekten – oftmals zeigen Brücken auch eine beeindruckende Architektur –, die Brückenbauingenieure und die bauausführenden Unternehmen enorme Anforderungen. Brücken zählen daher auch zur „Königsklasse des konstruktiven Ingenieurbaus“. Dabei führen Brückenbauingenieure mittels spezieller Software umfangreiche Berechnungen der Konstruktion etwa im Hinblick auf Belastung, Standfestigkeit und Schwingverhalten durch. Während der Planung erfolgt ein permanenter Austausch mit Fachleuten aus den Bereichen Geotechnik, Tief- und Verkehrsbau sowie Baudynamik, um beispielsweise vorhandene Bodeneigenschaften oder die Verkehrsbelastung zu berücksichtigen.
Die Hochmoselbrücke in Rheinland-Pfalz ist mit bis zu 160 Metern eine der höchsten Brücken Deutschlands. FOTO: THOMAS FREY/ DPA
Die Hochmoselbrücke in Rheinland-Pfalz ist mit bis zu 160 Metern eine der höchsten Brücken Deutschlands. FOTO: THOMAS FREY/ DPA
Neben dem Neubau von Brücken ist vor allem die Sanierung derzeit ein großes Thema. Viele Brückenbauwerke in Deutschland, ob Bahn-, Autobahn- oder Fußgängerbrücke, sind inzwischen bis zu einhundert Jahre alt. So hat die Deutsche Bahn (DB) in den letzten fünf Jahren 900 Eisenbahnbrücken umfassend modernisiert. Insgesamt gibt es mehr als 25.000 Eisenbahnbrücken im Netz der Deutschen Bahn. „Ab diesem Jahr wird die Bahn ihr Sanierungstempo noch einmal erhöhen und in den 2020er-Jahren weitere 2000 Brücken modernisieren“, erklärt DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.
    
Mit einer Länge von 164,8 Kilometern gilt die Große Brücke Danyang-Kunshan in China als derzeit längste Brücke der Welt. FOTO: LUO CHUNXIAO/ DPA
Mit einer Länge von 164,8 Kilometern gilt die Große Brücke Danyang-Kunshan in China als derzeit längste Brücke der Welt. FOTO: LUO CHUNXIAO/ DPA
Im Übrigen kommen Brückenbauingenieure auch bei der regelmäßigen Kontrolle der Bauwerke zum Einsatz. Generell ist die Deutsche Bahn einer der größten Arbeitgeber für Ingenieure allgemein: Die DB beschäftigt insgesamt 10.000 Ingenieure und stellt jedes Jahr rund 1000 neu ein.

„Die meisten Brückenbauingenieure besitzen ein abgeschlossenes Studium des Bauingenieurwesens und spezialisieren sich während des Studiums, häufig aber auch erst im Laufe ihrer Berufstätigkeit auf den Brückenbau“, erläutert Inga Stein-Barthelmes, Bereichsleiterin Politik, Kommunikation und Presse beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. Bisher könne der Bedarf an derartigen Fachkräften noch gut gedeckt werden, so Stein-Barthelmes.

Gute Jobperspektiven im In- und Ausland
    
„Bridge of Spies“: Die Glienicker Brücke in Berlin wurde im Kalten Krieg berühmt–hier wurden Agenten ausgetauscht. FOTO: JULIE WOODHOUSE / DPA
„Bridge of Spies“: Die Glienicker Brücke in Berlin wurde im Kalten Krieg berühmt–hier wurden Agenten ausgetauscht. FOTO: JULIE WOODHOUSE / DPA
Für angehende Brückenbauer mit einem abgeschlossenen natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studium wird beispielsweise an der Bauhaus-Universität Weimar ein sechsmonatiges berufsbegleitendes Studium Brückenbau angeboten. An der Beuth Hochschule für Technik Berlin wiederum wird der Studiengang „Konstruktiver Hoch- und Ingenieursbau“ nach drei Semestern mit dem „Master of Engeneering“ abgeschlossen. Der Studienplan enthalte neben den konstruktiv geprägten Inhalten FEM/Dynamik, Stahlbetonbau, Stahlbau, Ingenieurholzbau und Geotechnik auch Bauphysik, Bauen im Bestand und Unternehmensführung, so die Hochschule zu den Lehrinhalten. Zum Angebotskatalog der verschiedenen Wahlpflichtmodule zählt ebenfalls der Brückenbau. Im Übrigen ist das Studium des Bauingenieurwesens auch als duales Studium möglich. Und die Jobaussichten sind gut – im In- wie im Ausland.
   
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