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Ein Markt – viele Berufe

Der Lebensmitteleinzelhandel boomt. Insbesondere die großen Supermarktketten bilden Azubis in vielfältigen Fachrichtungen aus – mit exzellenten Aufstiegschancen

Vom Azubi zum Filialleiter: Die Supermarktkette Rewe bietet in Berlin derzeit noch 165 offene Stellen für Auszubildende. FOTO: OLIVER BERG / DPA

Die Corona-Pandemie hat viele Branchen hart getroffen: Hotels dürfen keine Touristen beherbergen, Gastronomen nach monatelanger Schließung vorerst nur ihre Terrassen öffnen und die meisten Künstler konnten seit über einem Jahr nicht mehr arbeiten. Doch es gibt auch Gewinner in der Krise. Zu den größten zählt der Lebensmitteleinzelhandel, der sich im letzten Jahr über ein deutliches Umsatzplus freuen konnte. Dementsprechend groß ist in der Branche der Bedarf an Mitarbeitern – und vor allem auch an Auszubildenden, denen sich zahlreiche Chancen bieten.

Gesucht und ausgebildet werden vor allem Fachverkäufer/innen in den verschiedenen Fachrichtungen wie Frische, Fleisch, Bäckerei, Konditorei, aber auch Fleischer, Bäcker, Lageristen sowie Kaufleute im Einzelhandel. Neben der herkömmlichen Ausbildung gibt es häufig auch die Möglichkeit eines dualen Studiums. Der Marktriese Aldi Nord bietet etwa in Berlin 80 Ausbildungsplätze, größtenteils im Verkauf, und zehn Plätze für ein duales Studium an.
Berliner Wasserbetriebe
Insgesamt tut sich der Lebensmitteleinzelhandel in diesem Jahr trotz boomender Geschäfte etwas schwerer mit der Besetzung der Lehrstellen. Im vergangenen Jahr hatte die Branche auch davon profitiert, dass sich aufgrund der Gastronomie-Schließungen in der Pandemie weniger junge Leute für eine Ausbildung in Restaurants und Hotels beworben hatten und stattdessen ihre Chance im Lebensmitteleinzelhandel suchten. Die Supermarktkette Bio Company bietet beispielsweise insgesamt 100 Ausbildungsplätze an, wovon bis jetzt etwa die Hälfte besetzt werden konnte. „Ein Grund dafür, dass die Bewerbungslage derzeit etwas schwächer ausfällt, könnte sein, dass die persönliche Schnittstelle zu den jungen Leuten fehlt beziehungsweise anders gelagert ist. So finden etwa Ausbildungsmessen derzeit nicht in Präsenz, sondern online statt. Kamen zuvor viele Interessenten an unseren Messestand, sind es jetzt wenige Einzelgespräche im Online-Chat“, erläutert Karen Koch, Ausbildungsleiterin der Bio Company. Auch die Zusammenarbeit mit den Schulen fehle pandemiebedingt. Daher könnten keine Berufsvorbereitungswochen und entsprechende Praktika stattfinden, so Koch.

Kleinere Einzelhändler buhlen wieder um Bewerber

Auch für Schüler, die eine Ausbildung beginnen wollen, ist die Situation mit viel Unsicherheit verbunden. Sie fragen sich, wie ein Bewerbungsprozess nun stattfinden soll und ob es überhaupt Sinn macht, sich gerade jetzt zu bewerben. „Hinsichtlich der Vorstellungsgespräche hat die Digitalisierung aber auch positive Effekte“, meint Koch. So biete die Bio Company Video-Schalten zur Vorstellung an, was sehr gut angenommen werde, auch fänden mehr Telefon-Interviews statt. „Gab es zuvor eine Absprungquote von 50 Prozent, nehmen jetzt 90 bis 95 Prozent die Einladung zum Vorstellungsgespräch wahr“, sagt die Ausbildungsleiterin.

Auch Rewe sucht in Berlin noch 165 Auszubildende, während der Discounter Penny noch 40 Azubis einstellt. Davon ist der Großteil für die Markt-Ausbildungsberufe Kaufmann/frau im Einzelhandel, Verkäufer/in und das Abi-Programm vorgesehen. „Letzteres führen wir dieses Jahr in allen Penny-Regionen ein und kooperieren national mit der Food Akademie, beim Abi-Programm werden die Abiturienten/innen neben dem kaufmännischen Abschluss auch den Handelsfachwirt/in-Abschluss machen“, erläutert Andreas Krämer, Pressesprecher der Rewe Group, zu der auch Penny gehört. Denselben Ausbildungsweg, bei dem man gleichzeitig zwei Abschlüsse in drei Jahren erwirbt und am Ende alle Warenprozesse von der Bestellung bis zum Verkauf beherrscht, bietet in Berlin beispielsweise auch Kaufland an. Darüber hinaus werde bei Rewe noch in der Logistik (Fachkraft für Lagerlogistik und zum Fachlagerist/in) und in der Verwaltung (Kaufmann/frau für Büromanagement) ausgebildet, so Krämer. Ebenfalls im Angebot sei das duale Studium BWL/Handel. „Somit sind auch alle Bereiche und Zielgruppen beziehungsweise Schulabgänger/innen gleichermaßen angesprochen. Wie bei Rewe steht auch bei Penny im Vordergrund, dass die Bewerber und Bewerberinnen uns überzeugen können, dass sie im Handel Karriere machen und durchstarten wollen“, erklärt Krämer. Ähnliche Angebote macht auch Aldi Nord seinen zukünftigen Mitarbeitern. „Mit unserem dualen Studium im Verkauf möchten wir gezielt Nachwuchs-Führungskräfte ansprechen“, sagt Verena Lissek, Senior Specialist Corporate Communications. Neben dem Bachelor in Business Administration werden die Studierenden parallel zum Regionalverkaufsleiter ausgebildet. Direkt nach dem Studium übernehmen die Absolventen dann in der Regel eine Führungsposition und tragen als Regionalverkaufsleiter die Verantwortung für mehrere Filialen und Mitarbeiter. „Mittlerweile bieten wir auch ein duales Master-Studium im Bereich Handelsmanagement an“, erklärt Lissek. „Das international ausgerichtete Studium beinhaltet auch den Aufenthalt in einem weiteren Aldi-Nord-Land.“

Kleinere Einzelhändler haben es da schwerer, im Gerangel um die Auszubildenden mitzuhalten. Vielerorts sieht man jetzt wieder die Plakate „Auszubildende gesucht“ in den Schaufenstern. Oft macht es aber auch der Beruf schwer, Bewerber für sich zu gewinnen. Fleischer haben schon länger Nachwuchsprobleme. Und auch bei den Bäckern sieht es in der Regel nicht besser aus. Selbst ein großer regionaler Betrieb wie die Meisterbäckerei Steinecke, immerhin im gesamten Stadtgebiet mit über 100 Filialen vertreten, bildet kaum Bäcker aus. „Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir drei feste Zusagen für den Beruf der Bäckerin beziehungsweise des Bäckers. Hier sind keine weiteren Einstellungen möglich. Für insgesamt 40 Azubis im Verkauf haben wir auch in diesem Jahr vorhandene Lehrstellen im Bereich Berlin und Brandenburg im Angebot. Elf feste Zusagen liegen zurzeit vor“, sagt Silvia Otto von Steinecke. Um die fehlenden 29 Stellen zu besetzen, wirbt Steinecke auf einer eigenen Ausbildungs-Website um Bewerber. „Zieh durch, erstelle deinen persönlichen Avatar und bewirb dich bei Steinecke“, heißt es dort – wobei unter allen Azubis gleich noch eine „Play Station 5“ verlost wird.

Die Entwicklungschancen nach der Ausbildung sind im Lebensmittelhandel generell sehr gut. „Es kommt durchaus vor, dass ein Azubi es in einigen Jahren zum Marktleiter schafft“, sagt Karen Koch. Es stehen aber auch viele andere interessante Tätigkeitsfelder offen, wie etwa Bereichsleitungen für Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst sowie Backwaren oder die Position der stellvertretenden Marktleitung.“

Wer sich um eine Ausbildung im Lebensmitteleinzelhandel bewerben möchte, sollte dies mit aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen tun, empfiehlt Koch. Darüber hinaus sind Kommunikationsfähigkeit – bei der Bio Company auch besonderes Interesse an Bio sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen – sowie klassische Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Engagement gefragt. UWE LEHMANN

Digitaler und kundenorientierter

Die klassische Banklehre wurde im vergangenen Jahr grundlegend reformiert
Update: Angehende Bankkaufleute erlernen während ihrer Ausbildung inzwischen mehr kommunikative und digitale Kompetenzen. FOTO: MLENNY / GETTY IMAGES
Update: Angehende Bankkaufleute erlernen während ihrer Ausbildung inzwischen mehr kommunikative und digitale Kompetenzen. FOTO: MLENNY / GETTY IMAGES
Zahlreiche Karrieren in der Wirtschaft, den Medien und im Sport begannen mit der dreijährigen Ausbildung in einer Bankfiliale. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, absolvierte diese genauso wie TV-Moderatorin Frauke Ludowig, Schauspieler Christoph Maria Herbst und der designierte Bundestrainer Hans-Dieter Flick. Sie alle hörten von ihren Eltern, dass sie erst einmal etwas „Solides“ lernen sollten. Jedoch wandelte sich das vermeintlich sichere Image: Die Zahl der Bankfilialen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgedünnt. Überweisungen finden mittlerweile zu einem großen Teil online statt.

Um den Beruf fit für die Zukunft zu machen, trat am 1. August des vergangenen Jahres eine neue Ausbildungsordnung in Kraft, die die alte aus dem Jahr 1998 ablöste. „Inzwischen sind die Veränderungszyklen in der Banken-Arbeitswelt so kurz, dass es an der Zeit für eine grundlegende Überarbeitung der Ausbildungsordnung war“, sagt Carsten Rogge-Strang, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes. Zwar bilden Vermögensbildung, Kreditvergabe und Baufinanzierung noch immer wichtige Säulen der dreijährigen Ausbildung. Aber „angereichert werden sie durch neue Elemente, die eine Bankausbildung künftig vor allem digitaler und kundenorientierter machen.“ Im Fokus steht nunmehr die ganzheitliche Kundenberatung. „Deshalb werden angehenden Bankkaufleuten neuerdings auch kommunikative, sprachliche, soziale und soziokulturelle Kompetenzen vermittelt, ebenso analytische Fähigkeiten, vernetztes Denken und die Fähigkeit, digitale Arbeitsmittel und Methoden einzusetzen.“ Ebenso stehen agiles Arbeiten und Projektmanagement auf dem Programm. „Dafür wurde die Ausbildungsordnung an anderer Stelle sinnvoll entschlackt“, so Rogge-Strang. „Angesichts automatisierter Massenprozesse sind vertiefte Kenntnisse im Zahlungsverkehr nur noch in Sonderfällen erforderlich und deshalb nicht mehr prüfungsrelevant. Auch der Bereich Barzahlungsverkehr inklusive Ausbildung an einer Kasse findet sich nicht mehr in den Mindestanforderungen der beruflichen Erstausbildung.“

Dies ist in den meisten Fällen der erste Karriereschritt. „Die klassische Bankausbildung bleibt ein unverzichtbares Element für den Berufseinstieg ins Bankgewerbe, auch wenn der Anteil studienförmiger Ausbildungsverhältnisse in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen hat“, betont Rogge-Strang. „Qualitativ hochwertige Bankberatung bleibt wichtig und wird durch die neue Ausbildungsordnung noch besser. Insofern haben ausgebildete Bankkaufleute weiterhin gute Karrierechancen – auch, weil viele Unternehmen bedarfsgerecht ausbilden und in diesen Häusern gute Chancen auf eine Übernahme bestehen.“ Und manchmal führt die Übernahme ganz nach oben, was der ehemalige Deutsche-Bank-Azubi Christian Sewing beweist, der als Vorstandsvorsitzender seit 2018 die Geschicke des Konzerns leitet. RONALD KLEIN

Ausbildung Bankkaufleute

Schulabschluss: MSA/Fachabitur/Abitur
Voraussetzungen: Mathematik-Affinität, kommunikative Kompetenzen
Ausbildungsdauer: drei Jahre
Gehalt: ca. 1050 Euro
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