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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2020/2021

Endlich erwachsen!

Der Auszug aus dem elterlichen Haushalt ist ein elementarer Schritt in die Selbstständigkeit. Damit er gelingt, bedarf es guter Planung

Bafög, Miete, Rundfunkbeitrag: Wer auf eigenen Beinen stehen möchte, sollte seine Finanzen im Griff haben.              FOTO: MARTINE DOUCET/ ISTOCK

MAX MÜLLER

Mit dem Schulabschluss, einem unterzeichneten Ausbildungsvertrag oder fest zugesagten Studienplatz in der Tasche beginnt für die meisten jungen Menschen der nächste Lebensabschnitt. Mit dem Neustart wünschen sich viele, künftig auch auf eigenen Beinen zu stehen. Wichtigste Voraussetzung beim Schritt in die Selbstständigkeit ist eine solide Finanzierung. Denn nur wenn die Finanzen geordnet sind, lassen sich Wohnung, Handyvertrag oder der vielfach ungeliebte Rundfunkbeitrag regelmäßig bezahlen.

Die gute Nachricht: Es gibt vielfältige Möglichkeiten der finanziellen Förderung. Für Auszubildende, die keinen Lohn erhalten, sowie Studierende bietet das Bundesausbildungsförderungsgesetz – umgangssprachlich Bafög genannt – seit bald 50 Jahren eine wichtige Grundlage. Gefördert wird nach Ausbildungsart, mit und ohne Kranken- und Pflegeversicherungszuschuss und in Abhängigkeit davon, ob der Bafög-Empfänger sich dazu entschieden hat, weiterhin bei den Eltern zu leben oder in eine eigene Unterkunft zu ziehen. Die Förderung für Azubis liegt dabei zwischen 243 und 699 Euro, die für Studierende zwischen 474 und 853 Euro. Angesichts der steigenden Mieten, insbesondere in den Großstädten, wurden von der Politik jüngst die Höchstsätze angepasst, die nächste Erhöhung erfolgt im Herbst dieses Jahres.
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WG-Zimmer kosten im Schnitt 420 Euro

Bis zum 25. Lebensjahr besteht außerdem die Möglichkeit, Kindergeld in Höhe von 192 Euro zu erhalten. Um aufzustocken, gehen viele Studierende arbeiten. Doch Obacht: Wer seine Bafög-Förderung nicht riskieren will, sollte die Obergrenzen kennen. In der Regel dürfen Empfänger monatlich nicht mehr als 450 Euro dazuverdienen. Der Verdienst ist auch wichtig im Hinblick auf die Krankenversicherung. Bei Auszubildenden, die weniger als 325 Euro im Monat verdienen, übernimmt der Arbeitgeber die Beiträge. Studierende bleiben in der Regel bis zum Alter von 25 Jahren zunächst familienversichert.

Wie viel Geld am Ende zum Leben bleibt, ist auch abhängig davon, wo und wie man lebt. Die günstigste Option ist ein Zimmer des Studierendenwerks Berlin. Hier beginnen die Mieten ab 210 Euro, allerdings gibt es seit Jahren viel zu wenige Plätze für die immer weiter steigende Zahl an Studierenden. Weniger als sechs Prozent aller angehenden Akademiker kommen in den subventionierten Unterkünften unter, es gibt Wartezeiten von bis zu drei Semestern.
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Alternativ lohnt sich die Suche nach einer Wohngemeinschaft. Auch in diesem Bereich sind die Preise in den vergangenen Jahren gestiegen. Nach einer Umfrage des Portals wg-gesucht.de liegt der Durchschnittspreis mittlerweile bei 420 Euro (Stand: 2018). Der Vorteil gegenüber dem eigenen Apartment: Die Nebenkosten werden zumeist solidarisch geteilt, ebenso wie die Gebühren für den Internet- und Telefon anschluss. Schwerer hat’s da, wer in der eigenen Wohnung leben möchte. Diese bietet zwar mehr Privatsphäre, doch die Kosten müssen allein gestemmt werden.

Kritisch hinterfragen sollten junge Menschen, welche Versicherungen sie wirklich brauchen. So ist eine private Haftpflichtversicherung, die einen fahrlässig herbeigeführten Schaden reguliert, unumgänglich. Wer sein Zimmer nur spärlich ausstattet, kann hingegen auf eine teure Hausratversicherung verzichten.

Genau hinschauen sollten junge Erwachsene auch bei allen Verträgen, die sie abschließen. Viele Firmen trumpfen gerne mit Lockangeboten auf, dann kann es allerdings schnell dazu kommen, dass für die Handynutzung statt zehn „plötzlich“ 30 Euro fällig werden – und das nicht selten bei Laufzeiten von bis zu zwei Jahren. Hilfreich können da Apps sein, in denen Laufzeiten und Kündigungsfristen eingetragen werden – so behalten auch junge Menschen immer die volle Kostenkontrolle und können sich für das Zeit nehmen, was sie wirklich ersehnen: das Leben in den eigenen vier Wänden in vollen Zügen zu genießen.
   
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