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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2020/2021

Gut eingepackt

Die Entwicklung umweltschonender Verpackungen ist hochaktuell – und macht die Branche zum Arbeitsplatz mit Zukunft

Ausbildung in einem innovativen Umfeld: Verkaufsverpackungen sollen müllvermeidend und funktional sein, aber trotzdem für den Inhalt werben. FOTO: DANIEL KARMANN / DPA

Uwe Lehmann 

„Unverpackt“ nennt sich ein junges, erfolgreiches Einzelhandelskonzept, bei dem Geschäfte ihre Waren ohne Verpackung anbieten, „Lose“ ein anderes. Bei „Vom Fass“ wird Öl, Essig und Wein vom Fass in mitgebrachte Flaschen gefüllt. Immer mehr Verbraucher lassen sich auch im Supermarkt an Wurst- und Käsetheke die gekaufte Ware in mitgebrachte Frischhaltedosen packen. Verpackungen haben derzeit einen eher miesen Ruf. Trotzdem werden wir ohne sie auf absehbare Zeit nicht auskommen können, denn praktisch jedes Produkt von der Kopfschmerztablette bis zum Laptop, von der Schokolade bis zum Waschpulver ist irgendwie verpackt.

Gerade im Hinblick auf Müllvermeidung und Nachhaltigkeit müssen Verpackungen immer weiter verbessert werden. Hier warten auf Packmitteltechnologen – bis August 2011 hieß der Ausbildungsberuf Verpackungsmittelmechaniker – große Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten und Chancen. Zumal Verpackung längst nicht gleich Verpackung ist. Mal muss eine stabile Kartonage etwa einen empfindlichen Flachbildschirm auf dem Transport schützen, mal eine aufwendig und hochwertig gestaltete Schachtel einem edlen Parfüm zu Glanz und Glamour verhelfen. Außerdem müssen Verpackungen oft zusätzliche Funktionen besitzen wie zum Beispiel Dosierungs- oder Entnahmehilfen und die Möglichkeit, die Verpackung nach dem Öffnen wieder verschließen zu können. Dabei arbeiten die Packmitteltechnologen häufig mit Verpackungsdesignern zusammen, die aus Verpackungen kleine Kunstwerke machen.
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Am Ende muss gerade eine Verkaufsverpackung – anders als eine Transportverpackung – viele Sinne ansprechen und gleichzeitig gut funktionieren. Sie muss gut aussehen, für ihren Inhalt werben, sich gut anfühlen, gut zu bedienen sein und sich gut entsorgen lassen.

Spezieller Studiengang für Verpackungstechnik
Bei der dualen Ausbildung zum Packmitteltechnologen kommt es vor allem auf handwerkliches Geschick und mathematisch-technisches Verständnis an. FOTO: SCA PACKAGING / DPA
Bei der dualen Ausbildung zum Packmitteltechnologen kommt es vor allem auf handwerkliches Geschick und mathematisch-technisches Verständnis an. FOTO: SCA PACKAGING / DPA
Packmitteltechnologen erlernen ihren Beruf mittels einer dreijährigen dualen Ausbildung, vornehmlich in der Industrie – beispielsweise in auf Verpackungsdruck spezialisierten Druckereien. Dort üben Azubis, nach Kundenwünschen, am Computer Konturen für Stanzformen zu entwickeln und manuell oder maschinell Muster herzustellen. In der konkreten Packmittelfertigung wiederum plant man Materialbedarf und Produktionsprozesse und richtet anschließend die Fertigungsanlagen ein. Anschließend muss noch der gesamte Herstellungsprozess gesteuert und überwacht sowie das fertige Produkt regelmäßig kontrolliert werden. Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis sind da eine Grundvoraussetzung. Auch sollte man mit den Fächern Physik und Mathematik nicht gerade auf Kriegsfuß stehen. Meist werden von den Ausbildungsbetrieben Bewerber mit einem Mittleren Schulabschluss (MSA) gesucht.

Wer die Hochschulreife besitzt und sich für eine Tätigkeit in der Branche interessiert, kann auch an einer Hochschule wie der Beuth Hochschule für Technik Berlin ein ingenieurwissenschaftliches Studium der Verpackungstechnik mit den Abschlüssen Bachelor beziehungsweise Master of Engineering absolvieren. Immer häufiger sind Verpackungen mit hoch qualifizierten und aufwendigen Ingenieursleistungen verbunden, wie etwa bei der Vakuumtechnik und der Beschichtung von Folien, die die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern.

Es gibt auch noch ein spezialisierteres Studium der Lebensmittelverpackungstechnologie. Dabei besuchen Studierende in den ersten Semestern Vorlesungen aus dem klassischen Ingenieurwesen. Im Grundstudium stehen dabei naturwissenschaftliche Fächer auf dem Lehrplan. Daneben werden aber auch Inhalte wie Druckverfahren, Werkstoffkunde, technisches Zeichnen, Elektrotechnik, Konstruktion, Wirtschaftslehre und Design vermittelt. Im weiteren Verlauf des Studiums werden Schwerpunkte in den Bereichen Verpackungsprozesse, maschinelles Abpacken, Recycling und Entsorgung oder Qualitätsmanagement gesetzt. Auch Verpackungs- und Patentrecht, Gestaltung oder Marketing können Studieninhalte sein.

Nach erfolgreichem Studium finden Verpackungstechniker Jobs in der Verpackungsentwicklung, Verpackungsprüfung, Beratung, Produktion, im Qualitätsmanagement oder im Produktmanagement. Im Übrigen haben auch Absolventen anderer klassischer Ingenieurwissenschaften immer die Möglichkeit, in die Verpackungsbranche einzusteigen.
     

Info

Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Empf. Schulabschluss: Hauptschulabschluss
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 770 Euro, 2. Jahr 830 Euro, 3. Jahr 900 Euro
Einstiegsgehalt: ca. 2200 Euro
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