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Jobs im Zentrum der Macht

Die Bundestagsverwaltung beschäftigt 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Sachbearbeiter, Informatiker und Polizisten. Wer dort Karriere machen will, muss besondere Voraussetzungen erfüllen

Sie sorgen für einen störungsfreien Betrieb: Die Polizei des Deutschen Bundestages ist eine eigenständige Polizeibehörde mit rund 200 Beschäftigten. FOTO: MICHAEL KAPPELER / PICTURE ALLIANCE/DPA

Das Parlamentsviertel ist nicht nur der Ort, an dem Mandatsträger politische Entscheidungen diskutieren, abwägen und schließlich treffen. Für viele ist es vor allem eins: ein Arbeitsplatz. Von den 7000 Menschen, die tagtäglich im Deutschen Bundestag arbeiten, sind allein 3000 in der Verwaltung beschäftigt. Als Sachbearbeiter, Sekretariatskräfte und Juristen, als Polizisten, Pförtner, Plenarassistenten und sogar als medizinisches Fachpersonal, als Erzieher und Gärtner. Ihr gemeinsames Ziel: der störungsfreie und reibungslose parlamentarische Betrieb.

Es ist auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu verstehen, wie die Bundestagsverwaltung funktioniert. Ein Blick auf das öffentlich einsehbare Organigramm zeigt, dass die einzelnen Abteilungen in Unterabteilungen und die wiederum in Sekretariate, Fachbereiche, Referate und Stabsstelle untergliedert sind. In diesen werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Profilen und Fähigkeiten benötigt. Da kommt es schon mal vor, dass sich Mitarbeiter mit ein und derselben Ausbildung völlig unterschiedlichen Aufgaben widmen. Ein Sachbearbeiter des Referats BL 1, das für die Bauplanung und die Liegenschaften des Deutschen Bundestags verantwortlich ist, kümmert sich folglich um andere Dinge als ein Sachbearbeiter des Referats IT 2, das sich unter anderem mit der IT-Beschaffung und Rechtsfragen der Informationsverarbeitung auseinandersetzt. „Besonders gesucht werden derzeit Bewerber für die Bereiche der Informations- und der Gebäudetechnik. Es werden jedoch auch in allen anderen Berufsgruppen regelmäßig Stellen ausgeschrieben“, heißt es aus der Pressestelle.
Azubis sind sowohl in der IT als auch im Handwerk gefragt

Besonders viele Karriereoptionen haben Schulabgänger und Studierende. Jährlich beginnen rund 20 Schulabsolventen ihre Ausbildung im Deutschen Bundestag. Deren Zahl und das jeweils konkrete Ausbildungsangebot sind stark abhängig von zu besetzenden Stellen. Für 2021 wurden unter anderem angehende Elektroniker gesucht, ebenso wie Fachinformatiker für Systemintegration, Verwaltungsfachangestellte und Kaufleute für Büromanagement. Eine genaue Aufstellung für das Ausbildungsjahr 2022 gibt es aktuell noch nicht. Auf Nachfrage erfahren wir aber, dass ähnliche Positionen besetzt werden sollen. Zudem werden aller Voraussicht nach Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik gesucht, ebenso wie Abiturienten, die ein duales Studium der Informatik beginnen möchten. Nach Abschluss der Ausbildung kommt es nicht selten zur Übernahme. Viele Mitarbeiter sind Angestellte des öffentlichen Dienstes, die nach dem jeweils geltenden, transparenten Tarifvertrag (TVöD) beschäftigt werden.

Einen ersten Einblick in die facettenreiche Arbeitswelt der Bundestagsverwaltung ermöglicht das hauseigene Nachrichtenportal www.mitmischen.de, das sich explizit an Jugendliche richtet und auch Themen rund um die Ausbildungsmöglichkeiten bereithält. Darunter ein Interview mit Nadine Willer, der Ausbildungsleiterin des Bundestags. „Zwingend ist ein Schulabschluss“, verrät sie dort. Wichtiger als ein Einser-Notendurchschnitt seien aber vielmehr Zuverlässigkeit, ausgeprägte soziale Kompetenzen und ein gutes Textverständnis bei all denjenigen, die einen „klassischen Büroberuf“ anstreben.

Sportasse könnten hingegen eine Karriere bei der Polizei des Deutschen Bundestages anstreben. Seit 2013 existiert die Möglichkeit, direkt im Deutschen Bundestag eine Ausbildung zu absolvieren. Praktisch erfolgt diese gemeinsam mit den Anwärtern der Bundespolizei an deren Akademie in Neustrelitz sowie am Bundespolizeistandort in Blumberg. Die Polizei des Deutschen Bundestags ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Mit nur rund 200 Beschäftigten handelt es sich um den kleinsten Polizeibezirk, der dennoch autonom agiert und ein eigenes Hoheitszeichen besitzt. Besucher des Bundestages begegnen den uniformierten Beamten an den Einlasskontrollen, zudem patrouillieren sie in sämtlichen Gebäuden und auf den öffentlichen Wegen. Und sie überwachen sämtliche Veranstaltungen, die bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie vor Ort stattfanden. Auch bei ihnen gilt die Maxime: Die Arbeit des Parlaments muss um jeden Preis gesichert werden. Dazu gehört auch die Abwehr antidemokratischer Kräfte. Erst im vergangenen Jahr stellten sie dies unter Beweis: Im November verhinderten die Beamten einen Anschlag auf das Kanzleramt.

Demokratische Grundhaltung ist Einstellungsvoraussetzung

Einen ersten Eindruck von der Arbeit im Deutschen Bundestag können Schülerinnen, Schüler und Studierende bereits im Rahmen eines Praktikums gewinnen. „Die Verwaltung des Deutschen Bundestages ist bestrebt, junge Menschen auch in Zeiten der Corona-Pandemie bei der beruflichen Orientierung zu unterstützen und ihnen Einblicke in die vielseitige Arbeit der Parlamentsverwaltung zu ermöglichen“, heißt es aus der Pressestelle. Studierende sind auch an anderer Stelle gefragt: als Aushilfskräfte, wahlweise im pandemiebedingt derzeit eingeschränktem Besucherdienst oder auch bei der Unterstützung der Verwaltungsangestellten. Die Stellen bringen einen wertvollen Eintrag in den Lebenslauf. Sie sind aber ebenso gefragt wegen der vergleichsweise guten Bezahlung: Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 19,5 Wochenstunden gibt es 1245 Euro. Jurastudenten können zudem im Rahmen ihres juristischen Vorbereitungsdienstes eine Ausbildungsstation im Deutschen Bundestag ableisten. Wer das erste Staatsexamen in der Tasche hat und noch auf einen Referendariatsplatz wartet, kann zudem als geprüfter Rechtskandidat die Zeit bis zum weiteren Ausbildungsbeginn abkürzen.

Wer beim Deutschen Bundestag arbeiten will, der hat mehr als nur einen Job. Erwartet wird eine demokratische Grundhaltung, ebenso wie ein einwandfreier Leumund. Dafür bekommt man einen sicheren Job, eine feste und transparente Entlohnung sowie die Möglichkeit, sich intern weiterzuentwickeln. „Neben den allgemeinen Weiterbildungsangeboten besteht die Möglichkeit funktionsbezogener Fortbildungen und arbeitsplatzbezogener Weiterbildungen. Zwischen den Beschäftigten und ihren Vorgesetzten werden im jährlichen Mitarbeitergespräch berufliche Pläne und Möglichkeiten erörtert“, so ein Pressevertreter. Ebenso lockt eine gute Altersvorsorge und, für Familien besonders interessant, die hauseigene Kindertagesstätte, die die Vereinbarung von Familien- und Berufsleben erleichtert. Max Müller

Im Dienste des Staates

Ob als Lehrer oder Polizist: Eine Beamtenlaufbahn bietet viele Chancen, der Status beinhaltet aber auch Pflichten. Die wichtigsten Fakten im Überblick
Garantierte Jobsicherheit: Verbeamtete Lehrer sind unkündbar, nur in Ausnahmefällen können sie entlassen werden. FOTO: GETTY IMAGES
Garantierte Jobsicherheit: Verbeamtete Lehrer sind unkündbar, nur in Ausnahmefällen können sie entlassen werden. FOTO: GETTY IMAGES
Status

In Deutschland kommt Beamten eine besondere rechtliche Stellung zu. Denn anders als gewöhnliche Angestellte stehen sie in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis zum Staat, für den sie sogenannte hoheitsrechtliche Befugnisse ausüben. Etwa in den Bereichen Sicherheit, Bildung oder Finanzen. Als Staatsdiener repräsentieren sie dabei den Bund, die Länder oder die Kommunen. Beamte werden durch Ernennung in den Dienst berufen und beziehen eine gesetzlich festgeschriebene Besoldung. Dieses besondere Arbeitsverhältnis bringt für jeden Angestellten im Staatsdienst eigene Rechte und Pflichten mit sich.

Vorteile

Beamte genießen eine Reihe an Privilegien, die gewährleisten sollen, dass sie ihr Amt unabhängig und neutral ausüben können. Am wichtigsten ist dabei die Verbeamtung auf Lebenszeit: Haben Anwerber die Probezeit von in der Regel drei Jahren überstanden, sind sie prinzipiell unkündbar und können aus dem Dienst nur noch in Ausnahmefällen, etwa im Rahmen einer Disziplinarmaßnahme, entlassen werden. Neben der außerordentlichen Jobsicherheit profitieren Beamte des Weiteren von Familienzuschlägen, einer Pension, die häufig über dem Rentenniveau von Angestellten liegt, geregelten Aufstiegschancen und einer angemessenen Besoldung.

Pflichten

Für Beamte gelten eigene Vorgaben und Pflichten. So haben sie ihren Dienst am Wohl der Allgemeinheit auszurichten und allein nach Recht und Gesetz zu handeln. Als Vertreter des Staates müssen sie außerdem für die freiheitlich demokratische Grundordnung eintreten und zu Beginn ihrer Tätigkeit einen Diensteid ablegen. Ihrem Arbeitgeber sind Beamte zu besonderer Loyalität verpflichtet, weshalb es ihnen auch verboten ist, zu streiken.

Laufbahnen

Grundsätzlich können Beamte für den Bund, die einzelnen Länder oder die Kommunen tätig sein. Bundesbeamten stehen dabei nach wie vor die vier Laufbahnen des einfachen, mittleren, gehobenen und höheren Dienstes mit jeweils eigenen Besoldungsgruppen und Zugangsvoraussetzungen offen. Auf Länderebene unterscheiden sich die Regelungen jedoch. Während in Brandenburg weiterhin die vier Laufbahnen existieren, gibt es in Berlin nur noch zwei, da jeweils der einfache und mittlere Dienst sowie der gehobene und der höhere Dienst zusammengefasst wurden.

Anforderungen

Je nach Laufbahn müssen zukünftige Beamte neben der deutschen Staatsbürgerschaft und einem reinen Vorstrafenregister unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen. So ist für den mittleren Dienst zum Beispiel ein Mittlerer Schulabschluss und eine Berufsausbildung erforderlich, wohingegen Anwärter für den gehobenen Dienst in der Regel einen Hochschulabschluss benötigen. Anstatt einer Ausbildung oder eines Hochschulabschlusses kann aber für Karriereschritte auch ein entsprechender Vorbereitungsdienst von zwei bis drei Jahren geleistet werden.

Besoldung

Die Höhe der Alimentation oder Besoldung von Beamten richtet sich nach der jeweiligen Laufbahn, ist gesetzlich geregelt und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Berlin kann ein Beamter in der Besoldungsgruppe A9 bis A13 (gehobener Dienst) in den ersten zwei Berufsjahren aktuell etwa mit einer Besoldung zwischen 2600 und knapp 4200 Euro rechnen. Das Grundgehalt erhöht sich mit den abgeleisteten Dienstjahren dann kontinuierlich, sodass Beamte keine Gehaltsverhandlungen führen müssen. Julien Hoffmann
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