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Extra: Bachelor, Master & duale Studiengänge

Mit dem Arzt auf Augenhöhe

Ab Herbst bietet die Charité den neuen Studiengang „Pflege“ an. Absolventen sind gefragte Profis – in Theorie und Praxis

Im Rahmen des Bachelorstudiums durchlaufen Studierende alle Bereiche des Pflegeberufs. FOTO: LIGHTFIELDSTUDIOS / ISTOCK

Pflege ist und bleibt eines der gefragtesten Berufsfelder in Deutschland. Im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern ist die Akademisierung der Ausbildung hierzulande aber noch nicht Normalität. Dabei wäre das sinnvoll. „Je eigenständiger die Pflegenden entscheiden können, desto attraktiver ist der Beruf“, sagt Asja Maaz, die Studiengangskoordinatorin des Bachelorstudiengangs „Pflege“ an der Charité, „das hat auch mit Wertschätzung zu tun.“

In sieben Semestern werden dort 60 Studierende ab dem Wintersemester 2020/21 sowohl akademisch als auch praxisnah ausgebildet. Das Studium ist für alle Bereiche zwischen Forschung und Krankenbett angelegt. Der Bachelorstudiengang befähigt die Absolventen zur Pflege von Kindern, Senioren und in der Gesundheits- und Krankenpflege – in Krankenhäusern, in Senioren- und Pflegeheimen oder mobil. Auch die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens sind Bestandteil des Studiums.

"Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind mit dem Bachelor riesig"

Asja Maaz, Studiengangskoordinatorin an der Charité

Eines der wichtigsten Ziele des neuen Studiengangs ist die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Pflegenden in der Steuerung und Koordination ihrer Arbeit. Denn bislang dürfen Pflegekräfte nur sehr wenig allein entscheiden. Wenn medizinisches und pflegerisches Personal jedoch auf Augenhöhe miteinander kommunizieren kann, nützt das allen Beteiligten. „Die Pflegenden verbringen viel mehr Zeit mit den Patienten als der Arzt“, betont Asja Maaz, „sie haben dementsprechend wertvolle Informationen.“

Studierende erlangen zwei Abschlüsse

Das Vollzeit-Studium an der Charité vereint Praxis und Theorie. In jedem der drei Bereiche Ambulant-, Akut- und Langzeitpflege sind 400 Praxis-Stunden vorgesehen. Die Praktika werden wissenschaftlich vor- und nachbereitet. Das vertieft die praktische Erfahrung, sodass die Studierenden Entwicklungen des Patienten oder – beim Einsatz im Krankenhaus – das Funktionieren einer Station tiefgreifender verstehen lernen.
Das Studium am Campus Mitte und am Campus Virchow punktet zudem mit seinem breiten Angebot. „Pflege-Studierende werden gemeinsame Veranstaltungen mit angehenden Medizinern besuchen, um miteinander und voneinander zu lernen“, so Maaz. Beispielsweise im etablierten „Skills Lab“ der Charité: Hier können Szenarien simuliert und praktische Fähigkeiten trainiert werden; manuell an Puppen oder kommunikativ mit Schauspielpatienten.
Nützlich dürfte auch die internationale Vernetzung des Universitätsklinikums sein, von der auch die Studierenden profitieren. Zeit für Auslandserfahrung unter Teilnahme am beliebten Erasmus-Programm ist fester Bestandteil des Pflegestudiums.

Im Anschluss an das Studium haben die Absolventen zwei Abschlüsse in der Tasche: den Bachelor sowie die Berufsanerkennung in Pflege. „Die Absolventen werden in der Lage sein, reflektierend mit ihrer Praxis umzugehen“, sagt Asja Maaz. Relevante Aspekte der Soziologie, Psychologie, Anatomie, Biochemie und anderer Bezugswissenschaften sind Teil des Curriculums. Anschließend stehen den Absolventen weitere akademische Karrierepfade bis hin zur Promotion offen. Außerdem sind die Pflegeprofis hervorragend auf die tägliche Arbeit mit den Patienten vorbereitet und befinden sich so automatisch in einer besseren Ausgangsposition für etwaige Gehaltsforderungen.

„Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind mit dem Bachelor riesig“, sagt die Studiengangskoordinatorin. Schon jetzt werde ja bereits überall händeringend nach Personal gesucht. Hinzu kommt, dass ab 2029 alle Praxisanleiter den Bachelor haben sollten, kurz: jeder, der Mentor, Ausbilder oder Supervisor in der Pflege ist. Die Absolventen werden in Zukunft also sogar noch gefragter sein.

Die Bewerbungsfrist läuft vom vom 1. bis zum 15. Juli. Voraussetzung ist die Hochschulzugangsberechtigung, einen NC gibt es bislang nicht. Wer seine akademische Ausbildung anschließend vertiefen möchte, hat dazu ab 2024 im geplanten Masterstudiengang „Pflege“ die Möglichkeit.

Aber auch verschiedene weitere Studiengänge bieten sich für eine professionelle Laufbahn in der Pflege an, beispielsweise im Pflegemanagement. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Erarbeitung von Konzepten zu Versorgung und Beratung. Die Studiengänge „Pflegegerontologie“ und „Palliativpflege“ sind zugehörige Spezialisierungen. Und wer „Public Health“ studiert, lernt, die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung insgesamt zu fördern. Pflege hat viele Seiten, gefragt sind sie alle. Felix Hass


 
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