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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2021

Mit neuen Kenntnissen heimkehren

Sowohl Studierende als auch Azubis haben die Möglichkeit, einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland zu absolvieren

Auslandserfahrungen können für die berufliche Zukunft von Vorteil sein. Foto: Getty Images

Ist die Schullaufbahn geschafft, sehnen sich viele junge Erwachsene danach, eine Zeit lang fern der Heimat zu leben. Sprachen lernen, andere Menschen, fremde Orte und Kulturen entdecken, auf eigenen Beinen stehen – ein Auslandsaufenthalt kann viele bereichernde Erfahrungen bringen, die bestenfalls im späteren Leben sogar von Vorteil sein können. Sowohl im Rahmen eines Studiums als auch während einer Berufsausbildung bieten sich Möglichkeiten, einige Zeit im Ausland zu lernen.

Prüfungen gehören auch im Ausland zum Alltag

Studienanfänger, die sich für ein Auslandssemester interessieren, sollten sich an die Anlaufstellen ihrer Hochschule wenden, rät Michael Flacke, Pressesprecher des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD): „Im International Office oder dem Akademischen Auslandsamt erhält man alle wichtigen Informationen zu Finanzierungsmöglichkeiten. Dort erhält man auch Informationen darüber, ob die eigene Hochschule mit ausländischen Hochschulen kooperiert und Austauschplätze zur Verfügung stehen.“ Auch wenn ein Auslandssemester in der Regel frühestens nach Vollendung des ersten Studienjahres beginnen kann, sollten sich Studierende aufgrund der Vorlaufzeiten frühzeitig mit der Planung beschäftigen. Aktuell spielt dabei auch die Corona-Krise eine Rolle. „Ganz wichtig ist es, sich eng mit der eigenen Hochschule abzusprechen. Vielleicht besteht die Möglichkeit, das geplante Auslandssemester zunächst virtuell zu starten oder um einige Zeit zu verschieben“, so Flacke.

Mit insgesamt 650.000 Stipendiaten allein aus Deutschland ist das EU-geförderte Programm Erasmus Plus eines der größten und bekanntesten Stipendienprogramme für den Studienaufenthalt im europäischen Ausland. Wer einen Platz für mindestens drei und maximal zwölf Monate an seiner Wunsch-Hochschule ergattert, profitiert unter anderem vom aktiven Erasmus-Netzwerk vor Ort.

Der weltweit größte Förderer von internationalen Studierendenaustauschen ist der Deutsche Akademische Austauschdienst, dieser informiert unter daad.de über das breite Spektrum der Stipendienprogramme mit ganz unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen – darunter auch viele Programme, die außereuropäische Ziele anvisieren. Wer sich einen Eindruck von den Auslandserfahrungen anderer Studierender und Praktikanten verschaffen möchte, erfährt zum Beispiel auf der Website studieren-weltweit.de aus erster Hand, worauf es bei Bewerbung, Planung und Durchführung ankommt.

Von Azubis wird mehr Eigeninitiative erwartet

Während Studierende Anlaufstellen meist direkt an ihrer Hochschule vorfinden, ist von Azubis mehr Selbstorganisation gefordert. Aber das Berufsbildungsgesetz macht es prinzipiell möglich, auch einen Teil der Berufsausbildung im Ausland zu verbringen. Das bedeutet, das Ausbildungsverhältnis wird in dieser Zeit nicht unterbrochen und der Lohn fortgezahlt. Allerdings haben Auszubildende keinen Rechtsanspruch auf einen Auslandsaufenthalt und müssen ihre Pläne zunächst mit ihrem Ausbildungsbetrieb individuell festlegen und der zuständigen Kammer mitteilen. Dauert der geplante Aufenthalt länger als vier Wochen, ein Viertel der gesamten Ausbildungszeit ist das Maximum, wird zudem ein Auslands-Ausbildungsplan abgestimmt. So wird sichergestellt, dass die relevanten Inhalte auch im ausländischen Betrieb vermittelt werden.

Der Blick über den Tellerrand lehrt darüber hinaus aber noch viel mehr, weiß Jakob Schmachtel, Ausbildungsberater bei der IHK Berlin: „Azubis erwerben während eines Auslandsaufenthalts wertvolle Kompetenzen, die auch weit über die jeweils fachlichen Kompetenzen hinausgehen. So berichten die Ausbildungsbetriebe, dass die Azubis häufig schon von einem relativ kurzen Aufenthalt von vier bis sechs Wochen enorm profitieren und zum Beispiel ein höheres Maß an Selbstständigkeit, verbesserte Sprachkenntnisse und mehr Verständnis für andere Lösungsansätze mit zurückbringen.“

Da nicht alle Betriebe international vernetzt sind, helfen Vereine für bestimmte Berufsgruppen sowie Institutionen, die sich auf einzelne Länder konzentrieren und Azubis ins Ausland vermitteln. Auf der Website der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung sind unter na-bibb.de entsprechende Anlaufstellen sowie viele nützliche Informationen zu finden. Grundsätzlich mache ein Auslandsaufenthalt für alle Berufsausbildungen Sinn, so Schmachtel: „Etwa sechs Prozent der Azubis in Deutschland nehmen diese Möglichkeit wahr. Für Berufe, in denen Kontakt zum Ausland direkt zum Berufsbild gehört, zum Beispiel die Kaufleute für Außenhandelsmanagement, Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen und auch für die Touristik-Berufe, ist ein Auslandsaufenthalt selbstverständlich besonders gewinnbringend.“ Antonia Ostersetzer
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