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Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA: AUSBILDUNG & STUDIUM 2021/2022

Sichere Perspektive bei der Polizei

Die Polizei Berlin sucht geeigneten Nachwuchs und bietet vielfältige Karrierepfade. Bewerber sollten sich gut vorbereiten

Nach der Ausbildung können sich Nachwuchspolizisten je nach Eignung und freien Positionen auf Spezialdienststellen bewerben. FOTO: PAUL ZINKEN/DPA/PA

Verbrechen aufklären, Unfälle aufnehmen, Demonstrationen und Veranstaltungen sichern und letztlich auch Verbrecher fassen. All das und noch viel mehr gehört zum Alltag von Polizisten. Und dort wird Nachwuchs dringend benötigt. Die Berliner Polizei arbeitet an einem Generationswechsel. Die Mitarbeiter sollen nicht nur jünger, sondern auch weiblicher werden und multikultureller. „Das Kollegium soll einen Querschnitt unserer Berliner Gesellschaft abbilden“, erläutert Polizeioberkommissar und Berufsberater Ronny Barczynski. Nachwuchs wird vor allem bei den Vollzugsbeamten bei der Schutz- und der Kriminalpolizei gesucht. Aber es gibt auch noch andere Ausbildungsmöglichkeiten, beispielsweise als Verwaltungskraft, beim Objektschutz oder Gewerbeaußendienst – und das quer durch alle Laufbahnen, mit und ohne Studium.
be Berlin
Insgesamt werden im Herbst dieses Jahres 312 neue Auszubildende in den mittleren Dienst der Schutzpolizei (Ausbildung) sowie 300 Studierende in den gehobenen Dienst der Schutz- oder Kriminalpolizei eingestellt (Studium). „Wir stellen zwei Mal im Jahr ein. Unser Bedarf ist groß. Denn die geburtenstarken Jahrgänge gehen jetzt langsam in den Ruhestand. Nun muss viel Nachwuchs her. Leider sinkt gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger, sodass wir ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage haben“, sagt Barczynski.

39 Prozent der Bewerber scheiden schon während des Tests aus

In den vergangenen drei Jahren waren unter den Neueinstellungen quer durch alle Laufbahnen 70 Prozent Männer und 30 Prozent Frauen. Wobei der Anteil der Frauen bei der Kripo mit 45 Prozent höher ist. Insgesamt hatten 31,7 Prozent der Auszubildenden einen Migrationshintergrund. „Damit stehen wir weit vorne im öffentlichen Dienst“, meint der Beamte. Aber er sieht auch die Notwendigkeit. „Sprachkompetenzen und das Wissen um die kulturellen Hintergründe helfen am Einsatzort ungemein.“ Die Beamten würden allerdings in einem Stressbereich arbeiten, den sich Kollegen ohne Migrationshintergrund kaum vorstellen können. „Es gibt immer die eine Seite, die sagt: ,Cool, der hat’s geschafft!‘, aber auch die andere, kriminelle Seite, die meint: ,Lass mal gut sein, du bist doch einer von uns.‘ Das ist ein zweischneidiges Schwert für die Kollegen.“

"Das Kollegium soll einen Querschnitt unserer Berliner Gesellschaft abbilden."

Ronny Barczynski, Polizeioberkommissar und Berufsberater

Auch Frauen haben bei manchen Einsätzen einen riesengroßen Vorteil. „Bei häuslicher Gewalt haben die betroffenen Frauen oft mehr Vertrauen zu unseren Kolleginnen. Auch Kinder fassen schneller Zutrauen zu ihnen, bei Unfällen oder Ähnlichem.“

Für die Bewerbung ist mindestens der erweiterte Hauptschulabschluss notwendig, für diejenigen, die studieren wollen, mindestens die Fachhochschulreife. Doch das Aufnahmeverfahren für den Polizeidienst hat es in sich. 39 Prozent der Bewerber scheiden schon während des Tests aus. Die Bewerbung erfolgt online. Nach der Registrierung gilt es, einen kleinen webbasierten Vortest zu bestehen. Nur nach einem positiven Ergebnis erfolgt die Einladung zum dreistündigen Einstellungstest am Alexanderplatz. Wer den besteht, absolviert gleich hinterher den Sporttest. Dieser besteht aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nur aus einem 2000-Meter-Lauf – normalerweise kommt noch ein Hindernisparcours hinzu. Männer müssen die Strecke in 9:20 Minuten schaffen, Frauen in 9:50. Außerdem muss ein Schwimmnachweis vorgelegt werden.
Herbst 2020: 600 von 6200 Kandidaten schafften es an die Polizeiakademie. FOTO: BERND VON JUTRCZENKA/DPA/PA
Herbst 2020: 600 von 6200 Kandidaten schafften es an die Polizeiakademie. FOTO: BERND VON JUTRCZENKA/DPA/PA
In der Reihenfolge der erreichten Punktzahl werden die Kandidaten am nächsten Tag zur polizeiärztlichen Untersuchung und zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Bei denjenigen, die infrage kommen, wird dann noch der Leumund geprüft. „Im Idealfall haben die Frauen und Männer eine weiße Weste. Aber über Kleinigkeiten wie einen gestohlenen Lippenstift in der Pubertät schauen wir auch schon mal hinweg“, sagt Barczynski. Dennoch fallen bei der Leumundprüfung noch einmal etwa elf Prozent durch. Letztlich schafft es etwa jeder zehnte Bewerber auf die Polizeiakademie in Ruhleben. Im Herbst 2020 sind beispielsweise von 6200 Kandidaten 600 angenommen worden. „Prinzipiell ist die Polizei damit gut aufgestellt. Wir könnten auch gar nicht mehr ausbilden. Es ist schon erheblich aufgestockt worden in den vergangenen Jahren“, sagt der Berufsberater.

Die Vollzugsbeamten für Kripo und Schutzpolizei werden umfangreich in der Polizeiakademie ausgebildet. Sie ist mit modernster Technik, Sport- und Schwimmhalle ausgestattet. Es gibt auch eine Tatortstraße, an der die Spurensicherung geübt wird. Wer ein Studium im Polizeidienst absolviert, besucht die Hochschule für Wirtschaft und Recht und geht nur für die sportliche Ausbildung zur Polizeiakademie.

Nach der Ausbildung können sich die Nachwuchspolizisten und -polizistinnen je nach Eignung und freien Positionen auf Spezialdienststellen bewerben: Abteilung Verkehr, Wasserschutzpolizei, Funk- und Fernmeldewesen, Präventionsarbeit, Hundeführer, Prüfgruppe Wirtschaftskriminalität oder auch die Operativen Dienste. Wer sich bewährt, kann sogar in die nächsthöhere Laufbahn aufsteigen.

Auch externe Fachkräfte werden bei der Polizei regelmäßig gesucht

Wer keine Ausbildung bei der Schutzpolizei macht, sondern im mittleren Verwaltungsdienst, lernt zweieinhalb Jahre. Dabei praktiziert der oder die Auszubildende in den unterschiedlichen Dienststellen der Polizei und lernt die jeweiligen Rechts- und Verwaltungsvorschriften kennen und umsetzen. Der theoretische Teil wird an ein bis zwei Tagen pro Woche an der Verwaltungsakademie Berlin gelehrt.

Nach erfolgreicher Prüfung werden die Neulinge als Beamte auf Probe übernommen. Ihre Einsatzgebiete sind später beispielsweise die Bußgeldstelle, die Personalverwaltung oder das Haushalts- und Rechnungswesen. Zum 1. September jedes Jahres bietet die Polizei Berlin 20 Ausbildungsplätze im mittleren Dienst der Verwaltung für sogenannte Polizeisekretariatsanwärter und -anwärterinnen.

Wer im Objektschutz arbeiten möchte, absolviert keine langwierige Ausbildung, sondern nur einen 16-wöchigen Lehrgang. Diese Mitarbeiter werden auch nicht verbeamtet, gehören aber dem öffentlichen Dienst an. Die Angestellten bewachen beispielsweise Botschaften oder andere gefährdete Einrichtungen. Hierfür ist mindestens ein Hauptschulabschluss notwendig, außerdem ein Führerschein. Eine Altersbegrenzung gibt es hierfür nicht.

Aber auch externe Fachkräfte wie Psychologen, Sozialarbeiter, Fotografen, Chemiker, Tierpfleger, Fahrzeuglackierer, ITler, Mediziner oder Lagerverwalter werden regelmäßig gesucht. Gezahlt wird zwar kein so gutes Gehalt wie in der freien Wirtschaft, dafür hat man aber einen gesicherten Arbeitsplatz. Also insgesamt sichere Perspektiven bei der Polizei! SIMONE JACOBIUS

Die Teilzeit-Azubis

Nicht jeder hat Kapazitäten, eine Ausbildung in Vollzeit zu absolvieren. Jakob Schmachtel von der IHK Berlin erklärt das Teilzeit-Modell
Vollzeit oder Teilzeit? Für duale Ausbildungen kommen prinzipiell beide Modelle infrage. FOTO: GETTY
Vollzeit oder Teilzeit? Für duale Ausbildungen kommen prinzipiell beide Modelle infrage. FOTO: GETTY
Berliner Morgenpost: Herr Schmachtel, die Teilzeitausbildung in der aktuellen Form ist ein relativ neues Modell. Für wen ist diese Art der Ausbildung besonders geeignet?

Jakob Schmachtel: Die Möglichkeit der Teilzeitausbildung gibt es seit 2005. Neu ist: Bis 2019 musste ein „berechtigtes“ Interesse nachgewiesen werden. Dies bestand in der Regel bei Auszubildenden mit Familienverantwortung, also Alleinerziehenden oder Menschen, die ihre Angehörigen pflegen. Mit dem Berufsbildungsmodernisierungsgesetz vom 1. Januar 2020 ist dieser Personenkreis nun erweitert worden. Seitdem ist die Teilzeitausbildung im Grunde für alle Menschen geöffnet. Ob man nun mehr Zeit fürs Snowboardfahren haben will, alleinerziehend ist oder eine zweite Erwerbstätigkeit hat, das ist jedem selbst überlassen und die Kammer prüft die einzelnen Gründe nicht mehr. Somit ist die Teilzeitausbildung auch für geflüchtete Menschen eine gute Alternative, weil sie dann die Zeit haben, zum Beispiel nebenbei Deutschkurse zu besuchen. Auch die Betriebe profitieren von einem solchen Modell, denn sie gewinnen verantwortungsvolle Fachkräfte und beweisen Familienfreundlichkeit. In der Vergangenheit haben Alleinerziehende den größten Teil der Teilzeitauszubildenden ausgemacht. Ob sich das nun ändert, wird sich zeigen.
Jakob Schmachtel, Ausbildungsberater an der IHK Berlin. FOTO: IHK BERLIN
Jakob Schmachtel, Ausbildungsberater an der IHK Berlin. FOTO: IHK BERLIN
Wie läuft denn eine Teilzeitausbildung genau ab und wie viel Zeit muss dafür eingeplant werden?

Wichtig ist zu wissen, dass sich eine Ausbildung durch das Teilzeit-Modell zwingend verlängert. Maßstab ist immer die betriebliche Vollzeit. Liegt die zum Beispiel bei 40 Stunden und würde die wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert, verlängert sich die Ausbildung ungefähr um ein Jahr. Wird die wöchentliche Arbeitszeit allerdings auf 20 Stunden reduziert, veranderthalbfacht sich die Ausbildungsdauer sogar. Insgesamt darf die Kürzung der Arbeitszeit nicht mehr als 50 Prozent der regulären Arbeitszeit betragen. Mit dem Teilzeitrechner auf unserer Internetseite können sich die Auszubildenden individuell ausrechnen, wie lange ihre Ausbildung dauern wird. Denn das ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig, zum einen von der Regelarbeitszeit im Betrieb, aber auch von möglichen Verkürzungen durch Abitur oder vorherige Ausbildungen. Entsprechend der Kürzung verlängert sich natürlich die Ausbildungsdauer. Maximal darf eine Teilzeitausbildung das 1,5-Fache der Vollzeitausbildung dauern. Wichtig ist zu bedenken, dass nur die Zeit im Betrieb verkürzt wird, nicht aber die Zeit in der Berufsschule. Weil in einer dualen Ausbildung Theorie und Praxis zwingend zusammengehören, verlagert sich der Prüfungstermin der Teilzeitauszubildenden etwas nach hinten.

Und wie ist das Thema Urlaub geregelt?

Teilzeit-Azubis müssen keine Angst vor weniger Urlaub haben. Denn wenn sie nur die Stunden am Tag reduzieren, aber fünf Tage arbeiten, dann haben sie genauso viel Urlaubsanspruch wie Vollzeitbeschäftigte. Arbeiten sie allerdings an weniger Tagen, reduziert sich ihr Urlaubsanspruch dementsprechend – man braucht aber je Urlaubswoche auch weniger Tage. Auf die Urlaubswoche betrachtet sollte sich das also ausgleichen.

Für welche Ausbildungsberufe bietet sich das Teilzeitmodell an?

Grundsätzlich ist es in allen dualen Ausbildungen möglich, bietet sich aber besonders bei der Ausbildung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau für Büromanagement an. Überall dort, wo es starre Arbeitszeiten oder starken Kundenverkehr gibt, zum Beispiel im Einzelhandel oder in der Gastronomie, ist es immer ein bisschen schwieriger, Teilzeit zu realisieren.

Die Vergütung reduziert sich ja bei der Teilzeitausbildung. Gibt es finanzielle Unterstützungsangebote?

Die Ausbildungsvergütung kann prozentual im selben Maße wie die Arbeitszeit verkürzt werden, das bedeutet, dass die Vergütung monatlich etwas geringer ausfällt. Hier ist es wichtig, immer individuell zu schauen, welche Förderungen infrage kommen. Vor allem für Alleinerziehende gibt es verschiedene Möglichkeiten, Zuschüsse zu beantragen, denn das Land Berlin fördert Betriebe, die Alleinerziehende ausbilden. Außerdem kann ein Antrag auf Berufsausbildungsbeihilfe gestellt werden, es können Wohn- oder Kindergeld beantragt werden. Bei pflegenden Angehörigen kann ein Antrag auf Zuschüsse aus der Pflegekasse sinnvoll sein. Bei schulischen Teilzeitausbildungen kommt auch Azubi-BAföG infrage. MALEEN HARTEN
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