Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2020/2021

Verantwortung für unser Essen

Die Lebensmittelindustrie befindet sich im Wandel. Wer in die Boom-Branche einsteigt, hat vielversprechende Zukunftsperspektiven

Hightech statt Handwerk: Viele Prozesse in der Lebensmittelproduktion finden heute vollautomatisch statt. FOTO: SEVENTYFOUR/ ISTOCK

UWE LEHMANN

Essen ist lebensnotwendig, Essen ist aber auch Genuss und Lifestyle. Für viele Menschen ist Essen längst nicht mehr nur reine Nahrungsaufnahme und für andere ist es genau „das“. Dabei ändert sich rasant, was, wie und wo wir essen. Wo früher Bäcker mit frischen selbst gebackenen Schrippen lockten, versorgen nun Backstationen die Bürger mit günstigen, industriell vorproduzierten Brötchen. Während in kaum einem Kiez noch eine Fleischerei zu finden ist, sind inzwischen die Regale der Discounter gut gefüllt mit veganen Fleischersatzprodukten. Galten bis vor einigen Jahren Aroma- und Konservierungsstoffe noch als große Errungenschaften der Lebensmittelindustrie, sind heute natürliche Produkte bis hin zum Fertiggericht ohne Zusatzstoffe gefragt.

Kein Wunder, dass Berufe, die sich mit der Weiterentwicklung und Kontrolle von Lebensmitteln, vom Rohprodukt bis zum fertigen Gericht, befassen, hoch im Kurs stehen. Das Berufsfeld ist weit, der Bedarf groß, die Chancen sind vielversprechend. Jobs warten etwa in großen Unternehmen, die Fisch, Fleisch, Obst oder Gemüse verarbeiten, aber auch in industriellen Großbäckereien, Molkereibetrieben oder Kaffeeröstereien.
Abgeordnetenhaus Berlin
„Individuelle Lebensstile führen zu neuen Anforderungen an die Produkte und zu einer breiter werdenden Produktpalette mit Online-Handel und kurzen Lieferzeiten“, beschreibt Stefan Töpfl, Forscher am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL), die Entwicklung. Moderne Verfahren erlaubten dabei nachhaltig hergestellte Produkte mit hoher Qualität und dem passenden Storytelling, so Töpfl.

Karriereperspektiven für Azubis und Studierende

Den Einstieg in die boomende Lebensmittelbranche kann man etwa als Fachkraft für Lebensmitteltechnik mit einer dreijährigen dualen Ausbildung – ein Faible für Bio, Chemie und Mathe ist hilfreich – und abschließender IHK-Prüfung finden. Diese Fachkraft ist, einfach gesagt, dafür zuständig, mithilfe von verschiedenen Anlagen und Maschinen unterschiedliche Lebensmittel und Getränke in hoher Stückzahl herzustellen und zu verarbeiten. Sie betreut dabei die Abläufe entlang des gesamten Entstehungsprozesses: vom Eingang der Zutaten bis hin zum fertigen, verkaufsfähigen Produkt und dessen Kontrolle.
Lebensmittelkontrolleure sollten eine hohe Ekelschwelle mitbringen. FOTO:G. BALLY/ KEYSTONE/DPA
Lebensmittelkontrolleure sollten eine hohe Ekelschwelle mitbringen. FOTO:G. BALLY/ KEYSTONE/DPA
Nicht verwechseln sollte man die Fachkraft für Lebensmitteltechnik mit dem staatlich geprüften Lebensmitteltechniker. Die Aufgaben sind dabei zwar sehr ähnlich, jedoch weiterführender, und der Ausbildungsweg ist unterschiedlich. Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung beispielsweise als Bäcker, Fleischer, Koch oder Brauer schließt sich eine Weiterbildung an einer Fachschule an. Der staatlich geprüfte Lebensmitteltechniker ist über der Fachkraft angesiedelt und bekleidet zumeist Positionen im mittleren Management.

Doch auch über ein wissenschaftliches Ingenieurstudium der Lebensmitteltechnologie kann man den Einstieg in die zukunftssichere Branche angehen. Der interdisziplinäre Studiengang bietet ein weites Spektrum im Bereich Lebensmitteltechnologie, von Verfahrenstechnik, Produktkenntnis, Analytik bis hin zu Qualitätskontrolle, Lebensmittelrecht und einer betriebswirtschaftlichen Basis.

Aber natürlich ist in der Lebensmittelbranche längst nicht immer alles Gold, was glänzt. Bio-Produkte können gefälscht sein, Zusatzstoffe werden falsch deklariert, Zutaten nicht richtig angegeben, die Zapfanlage wird nicht gereinigt oder es werden Hygienevorschriften nicht eingehalten, um nur einige Beispiele zu nennen. Daher sind – und es gibt derzeit eher zu wenige – Lebensmittelkontrolleure, die die Sicherheit und den unbeschwerten Genuss der Verbraucher garantieren sollen, absolut notwendig. Wer die entsprechende Aus- oder besser gesagt Fortbildung zum Lebensmittelkontrolleur absolvieren möchte, muss zuvor bereits in einem Beruf der Lebensmittelbranche gearbeitet haben – Ausbildung und Meistertitel oder Hochschulabschluss mit Lebensmittelbezug sind Voraussetzung. Die Fortbildung dauert zwei Jahre und findet in den Lebensmittelüberwachungsämtern sowie in den zentralen Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer statt. Für Interessenten an dem Beruf hält der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure (BVLK) im Übrigen noch einen Tipp parat: „Sie sollten sich nicht schnell ekeln!“
     

Info

Lebensmitteltechnologe – duales Studium
Ausbildungsdauer: 4,5 Jahre
Empf. Schulabschluss: Fachabitur
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 700 Euro, 2. Jahr 850 Euro, 3. Jahr 950 Euro, ab 4. Jahr 1000 Euro
Einstiegsgehalt: ca. 2700 Euro
Fachkraft für Lebensmitteltechnik Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Empf. Schulabschluss: Mittlerer Schulabschluss (MSA)
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 515 Euro, 2. Jahr 611 Euro, 3. Jahr 695 Euro
Einstiegsgehalt: ca. 1500 Euro
Weitere Artikel