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Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA: AUSBILDUNG & STUDIUM 2021/2022

Viele Fähigkeiten unter einem Dach

Ingenieur, Betriebswirt und Informatiker in einem: Eine Ausbildung zum Facility Manager bietet Vielfalt und hervorragende Berufsaussichten in unterschiedlichen Branchen

Multitalente mit viel Verantwortung: Ausgebildete Facility Manager sind Techniker, Manager und Führungspersönlichkeit in einem. FOTO: GETTY IMAGES

Ob Wohnkomplex, Krankenhaus, Museum, Bahnhof oder Fußballstadion: Kein modernes Gebäude kommt heutzutage mehr ohne die Arbeit von Facility Managern aus. Von den Abwasserrohren im Keller bis zur Solarstromanlwage auf dem Dach sind die Objektexperten dafür zuständig, aus technischer, planerischer und kaufmännischer Sicht den reibungslosen Ablauf eines Gebäudebetriebs und seiner gesamten Infrastruktur zu gewährleisten. Facility Managern fällt damit eine anspruchsvolle organisatorische Arbeit zu. Dennoch verbinden viele die Branche noch immer mit dem Beruf des Hausmeisters.
Gebäude aus Betreibersicht verstehen lernen

Ein unbegründetes Vorurteil, schließlich ist die Ausbildung zum Facility Manager mittlerweile sogar Gegenstand mehrerer Studiengänge. Eine der ersten Adressen hierbei ist die Beuth Hochschule für Technik, die in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) gemeinsam den Bachelor- und Masterstudiengang Facility Management anbietet. Von Grundlagenfächern wie Mathematik, Chemie und Physik über BWL und Informatik-Kurse bis hin zu Modulen zu klimaneutraler Energietechnik oder Eventplanung wird den Studierenden hier einiges abverlangt. „Das Besondere am Studium ist, dass sehr viele verschiedene Disziplinen zusammengebracht werden müssen. Facility Management ist per Definition interdisziplinär“, bestätigt Markus Krämer, Studiengangssprecher der HTW.
  
An der Beuth Hochschule für Technik Berlin absolvieren angehende Facility Manager den technischen Teil des interdisziplinären Studiengangs. FOTOS: BEUTH HOCHSCHULE (2)
An der Beuth Hochschule für Technik Berlin absolvieren angehende Facility Manager den technischen Teil des interdisziplinären Studiengangs. FOTOS: BEUTH HOCHSCHULE (2)
Das Studienangebot haben die beiden Hochschulen entsprechend zwischen sich aufgeteilt: Während an der HTW in Oberschöneweide der Fokus auf Fächern wie BWL, Geschäfts- und Flächenoptimierung oder IT-Einsatz liegt, widmet sich die Beuth am Standort Wedding dem Schwerpunkt Technik. In praxisorientiertem Unterricht geht es dort etwa um Themen wie Gebäudelehre oder die Erkennung von Bauschäden. „Im Prinzip lehren wir hier die klassischen Ingenieursdisziplinen“, erläutert Josef Kraus, Studiengangssprecher der Beuth. „Wir möchten aber auch erreichen, dass unsere Studierenden später mit den anderen Fachdisziplinen auf Augenhöhe diskutieren können. Es geht darum, die Gebäude aus Betreibersicht zu verstehen.“

An der Schnittstelle zwischen Ingenieuren, Informatikern und Betriebswirten nehmen Facility Manager eine wichtige Führungsposition ein. So geht es im Job dann etwa darum zu entscheiden, ob die Luftreinigungsanlagen eines Objektes nachgerüstet werden müssen, die Brandschutzvorschriften eingehalten werden oder ob das Gebäude eventuell ein neues IT-System benötigt. „Für all diese Aufgaben müssen sich Facility Manager gut mit anderen Stellen abstimmen und in der Lage sein, Handwerker und Techniker entsprechend zu führen. Sie müssen sich also mit der technischen Ausstattung des Gebäudes auskennen, gleichzeitig aber auch wissen, wie sie den Gebäudebetrieb bestmöglich planen und effizient organisieren können“, sagt Markus Krämer. Im Master können Studierende diese Management-Kompetenzen auf der Ebene des strategischen Facility Managements noch weiter vertiefen.
 

 
Neben dem Studium an der Beuth und HTW ist eine weitere Anlaufstelle für angehende Facility Manager die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), die den dualen Bachelor-Studiengang Technisches Facility Management anbietet. Studierende wechseln hier phasenweise zwischen Seminarunterricht an der Hochschule und der praktischen Tätigkeit in einem Betrieb ihrer Wahl. „Unser Ziel ist es, dass die Studierenden wie Trainees durch verschiedene Abteilungen eines Unternehmens laufen, damit sie die unterschiedlichen Aufgabenfelder des Jobs direkt in der Praxis kennenlernen und so schnell einen Einblick in die Vielfalt des Berufs erhalten“, sagt Andrea Pelzeter, Studiengangsleiterin an der HWR.

Jobangebote noch vor dem Studienabschluss

Häufig werden den Studierenden in ihren Betrieben dabei schon von Beginn an wichtige Aufgaben übertragen, weshalb die angehenden Facility Manager sehr schnell in den Job hineinwachsen. „Ich bin manchmal selbst ganz überrascht, was den Studierenden, etwa im Bereich der Einführung neuer Tools, zum Teil bereits überantwortet wird“, verrät Pelzeter. Diese enge Zusammenarbeit kommt nicht zuletzt auch den Betrieben zugute. „Durch das duale Studium haben die Firmen die Möglichkeit, die Studierenden auf ihre Unternehmensphilosophie einzuschwören und sie in die verschiedenen Bereiche einzuarbeiten, sodass sie nach drei Jahren direkt einsetzbar sind.“ Eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Ähnlich wie bei der Beuth und der HTW spielt auch an der HWR das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle im Studium. „Wir versuchen, unsere Studierenden dafür zu sensibilisieren, wie sie Gebäude zukunftsorientiert verbessern und managen können. So haben wir etwa ein eigenes Modul hierzu, in dem es um die Frage geht, wie Gebäude zukünftig klimaneutral betrieben werden können“, berichtet Pelzeter. Im Bereich der Energiewende werde Facility Managern in den kommenden Jahren daher noch eine wichtige Aufgabe zukommen.

Absolventen können einer äußerst sicheren Zukunft entgegenblicken. Egal ob als Objektmanager für ein einzelnes Gebäude oder als Zuständiger für eine Reihe von Liegenschaften, ob als Verwalter oder als Berater – die Facility-Management-Branche zeichnet sich durch hervorragende und vielfältige Berufsperspektiven aus. „Rund 80 Prozent unserer Absolventen erhalten ein Angebot von ihren Unternehmen. Und für die verbleibenden 20Prozent gibt es Anfragen von Drittunternehmen“, bestätigt Pelzeter. An der Beuth und HTW sind die Aussichten ähnlich gut: „Unsere Studierenden müssen gar nicht bis zum Ende des Studiums warten, bis sie ein Jobangebot kriegen.“, bekräftigt Josef Kraus von der Beuth Hochschule.

Wie krisensicher der Bereich ist, hat jüngst auch die Corona-Pandemie gezeigt: So gilt der Facility Manager seither als systemrelevant, denn selbst wenn die Produktion stillsteht und Gebäude vorerst nicht mehr genutzt werden, müssen die Anlagen weiter betrieben werden. Gleichzeitig ergaben sich neue Aufgabenfelder, wie auch Andrea Pelzeter weiß: „Da, wo weniger gereinigt wurde, gab es zum Beispiel neue Hygieneanforderungen, die organisiert und umgesetzt werden mussten. An der Pandemie sieht man: Facility Management verschwindet nicht, weder durch Entwicklungen wie die Digitalisierung und schon gar nicht durch Corona.“ JULIEN HOFFMANN

Mit IT ans Ziel

Berufsausbildungen im Informatik-Sektor sind vielversprechend und bereiten auf ganz unterschiedliche Jobprofile vor
GRAFIK: GETTY IMAGES
GRAFIK: GETTY IMAGES
Interesse an elektronischer Datenverarbeitung bedeutet nicht, dass man automatisch mit jeder Ausbildung im IT-Bereich glücklich wird. Das Berufsfeld gilt inzwischen als äußerst differenziert, entsprechend wurden auch die Berufsausbildungen vergangenes Jahr modernisiert und neu geordnet. Wer sich für einen Ausbildungsplatz in der IT interessiert, sollte sich vorab gut über die unterschiedlichen Profile informieren. Nach der erfolgreichen Ausbildung erwarten Berufseinsteiger ausgezeichnete Zukunftsperspektiven. Fuß fassen könne man in so gut wie jeder Branche, sagt Ines Janoszka, Ausbildungsberaterin bei der IHK Berlin. „Fachinformatiker, IT-Systemelektroniker und Kaufleute für Digitalisierungsmanagement finden sich in nahezu allen Wirtschaftsbereichen und sind gefragte Fachkräfte.“ Mitbringen sollten Schulabgänger grundsätzlich gute Noten in den MINT-Schulfächern, meint Janoszka. Auch Englischkenntnisse seien wichtig sowie Interesse an und Begeisterung für IT-Technologien. „Lebenslanges Lernen, sich (selbstständig) über Neuerungen zu informieren, sich im IT-Bereich weiterzuentwickeln und weiterzubilden, gehört in diesem Beruf einfach dazu.“ Ein kleiner Überblick über drei Wege zum IT-Profi:

Kaufleute für Digitalisierungsmanagement

Im Zuge der Modernisierung der IT-Berufe wurden die Informatikkaufleute von den Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement abgelöst. Mit der Bezeichnung hat sich auch der Schwerpunkt der Ausbildung, für die ein Abitur Voraussetzung ist, stärker in Richtung digitale Kompetenzen verlagert. Schließlich müssen Betriebe die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse vorantreiben, um zukunftsfähig zu bleiben. Kaufleute für Digitalisierungsmanagement bringen die hierfür notwendige Kombination aus kaufmännischem Wissen und IT-Expertise mit. Während der dreijährigen Ausbildung lernen sie Daten- und Informationsbedarf zu ermitteln, Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, IT-Systeme zu beurteilen und alles zum Thema Datenschutz. Nach dem Berufseinstieg arbeiten Kaufleute für Digitalisierungsmanagement vor allem an Konzepten für IT-Systeme, die das Unternehmen wirtschaftlich effizienter machen. Aber auch Bereiche des IT-Supports, der Qualitätssicherung und des Controllings gehören zum Job.

IT-Systemelektroniker/in

Ausgefeilte Computersysteme benötigen Fachleute, die diese planen, installieren und warten. Systemelektroniker sind für diese Aufgaben bestens gerüstet. Wer einen mittleren Schulabschluss, Geduld und technisches Verständnis mitbringt, kann sich um einen Platz für die dreijährige Ausbildung bewerben. „Diese findet vor allem bei Herstellern und Betreibern von IT-Infrastrukturen und IT-Systemen sowie bei Installationsbetrieben für Sicherheitstechnik statt“, sagt Ines Janoszka von der IHK Berlin. Ausbildungsinhalte seien unter anderem das Installieren und Konfigurieren von IT-Systemen und Netzwerkstrukturen, deren Instandhaltung und Fehlerbehebung. Mittlerweile spielt zudem das Thema IT-Sicherheit eine wichtige Rolle. Nach der Ausbildung arbeiten IT-Systemelektroniker meistens in Industrie- und Handelsunternehmen. Dort sind sie auch häufig als Berater gefragt, etwa wenn neue IT-Geräte und -Systeme benötigt werden.

Fachinformatiker/in

Als spezialisierte Softwareentwickler sind Fachinformatiker überall gefragt, wo Unternehmen individuelle IT-Lösungen und -Systeme benötigen. Bereits während der dreijährigen Ausbildung, für die ein mittlerer Schulabschluss Voraussetzung ist, wählen sie eine von mittlerweile vier Fachrichtungen: Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung. Angehende Fachinformatiker sollten ein hohes mathematisches Verständnis sowie Englischkenntnisse mitbringen und bereit sein, unterschiedliche Programmiersprachen zu erlernen. Fachinformatiker, die in der Anwendungsentwicklung ausgebildet wurden, programmieren nach dem Berufseinstieg neue und komplexe Software, die immer wieder optimiert wird. Da sich der IT-Markt in rasantem Tempo entwickelt, sollte Fachinformatik-Azubis aller Fachrichtungen bewusst sein, dass selbstständiges Weiterlernen über die Ausbildung hinaus dazugehört. ANTONIA OSTERSETZER
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