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Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA: AUSBILDUNG & STUDIUM 2021/2022

Vielseitig, vielversprechend, Verwaltung

Die HWR bietet einen neuen dualen Studiengang an: „Öffentliche Verwaltung“. Absolventen sind Profis in Theorie und Praxis – das verschafft ihnen Vorteile

Gefragt: Der neue duale Studiengang „Öffentliche Verwaltung“ war bereits zwei Wochen vor Bewerbungsschluss siebenfach überbucht. FOTO: GETTY

Öffentlicher Dienst, Verwaltung – klingt langweilig? Ist es aber gar nicht. Denn Jobs im Verwaltungswesen bedeuten mehr, als nur Akten zu wälzen und Belege hin- und herzuschieben. Je nach Einsatzgebiet kann man Prozesse modernisieren, eine Behörde führen oder große Projekte managen.

Voraussetzung dafür ist meist ein Studium. Neben dem normalen, siebensemestrigen Bachelor-Studiengang „Öffentliche Verwaltung“ an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) gibt es dort jetzt ganz neu auch den dualen Studiengang „Öffentliche Verwaltung“. Er startet im Herbst mit dem ersten Jahrgang. Nach dem nur sechssemestrigen Studium gehören die Absolventen dem nicht-technischen gehobenen Verwaltungsdienst an und können ihre Beamten-Karriere starten. Für alle, die ein bisschen Sicherheit und Planbarkeit für ihr Leben haben möchten, der richtige Job.
Absolventen sind drei Jahre an ihren Arbeitgeber gebunden

Am 18. November 2020 haben die HWR und der Berliner Senat einen Kooperationsvertrag für diesen dualen Studiengang unterzeichnet. Ziel ist es, qualifizierten Nachwuchs für die Berliner Landesverwaltung zu sichern. „Die Verwaltung wächst und gleichzeitig gibt es den demografischen Wandel. Viele Beamtinnen und Beamte gehen jetzt und in den kommenden Jahren in den Ruhestand – da wird viel Nachwuchs benötigt“, erläutert Robert Knappe, Dekan des Fachbereichs Allgemeine Verwaltung an der HWR. Auch Fréderic Verrycken, Staatssekretär der federführenden Senatsverwaltung für Finanzen, betont die Notwendigkeit dieses dualen Studiums: „Die Berliner Verwaltung ist auf gut ausgebildetes Personal angewiesen. Der Bedarf ist groß. Umso wichtiger sind Kooperationen mit Hochschulen zur Gewinnung von Nachwuchskräften.“ Mit dem dualen Studium sollen die Studierenden durch den Theorie-Praxis-Transfer schneller in der Lage sein, in den Behörden zu arbeiten.
 
Denn bei einem dualen Studium haben die Studierenden einen Arbeitgeber, der ihnen auch Gehalt zahlt – in diesem Fall ist es die Senatsverwaltung, die den Studierenden monatlich 1400 Euro vergütet. Im Gegenzug müssen die „Azubi-Studierenden“ in ihrer vorlesungsfreien Zeit in den Behörden arbeiten. Wie ein normaler Arbeitnehmer haben sie jedoch 30 Tage Urlaub. „Dadurch haben die Studierenden sehr viel mehr Praxiserfahrung und sind schneller einsetzbar. Allerdings binden sie sich mit dem Studienvertrag auch für mindestens drei Jahre nach erfolgreichem Studienabschluss an ihren Arbeitgeber“, sagt Knappe. Durch den großen Praxisbezug könnten zudem bereits eigene Fallbeispiele in den Vorlesungen behandelt werden.

Dass duale Studiengänge sehr beliebt sind, ist auch hierbei festzustellen: Die Nachfrage nach dem dualen Studiengang „Öffentliche Verwaltung“ ist enorm. Schon zwei Wochen vor Bewerbungsschluss am 15. Februar war der Kurs siebenfach überbucht. Denn nur 40 Plätze stehen jeweils im Oktober und im April zur Verfügung. Etwa zwei Drittel der Bewerber sind Frauen.

Studium bereitet auf gehobene Beamtenlaufbahn vor

„Die dual Studierenden sind quasi Generalisten. Sie sollen mit etwas Einarbeitung an vielen Stellen der Verwaltung zügig voll einsetzbar sein“, erläutert Knappe. Beispielsweise im allgemeinen Verwaltungsdienst von Senatsverwaltungen und Bezirksämtern, etwa im Bürgeramt, in Sozialämtern und im Haushaltswesen. Allerdings sollte niemand die Belastung unterschätzen. Ein duales Studium ist deutlich anstrengender, weil wenig freie Zeit bleibt.

Wer sich für das Studium interessiert, sollte Folgendes mitbringen: Interesse an Verwaltung und Politik, daran, sich mit der Verfassung und dem Staatswesen zu beschäftigen, sowie Freude am Umgang mit Zahlen. Wer mit Publikumsverkehr arbeitet, sollte auch über Menschenkenntniss verfügen. „Vorrangige Motivation sollte sein, einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Denn eine schnelle und sprunghafte Karriere wie in der Privatwirtschaft ist hier nur selten möglich, alles entwickelt sich Schritt für Schritt“, sagt der Dekan. Die Studierenden müssten auch verstehen lernen, wie der Staat und die Gesellschaft funktionieren. Zudem sind Organisationstalent, Teamfähigkeit und ein ausgeprägtes Rechtsempfinden für einen großen Teil der Tätigkeiten nötig.

Online müssen Interessierte zunächst auf dem Karriereportal des Landes Berlin einen Eignungstest zu kognitiven Fähigkeiten machen. Bei entsprechender Punktzahl kann man sich dann bei einem Bezirksamt oder der Senatsverwaltung für Inneres und Sport (als Ausbildungsbehörde für die Hauptverwaltung) bewerben. Wer nach dem weiteren strengen Auswahlverfahren das Glück hat, einen Platz zu bekommen, kann seine Beamtenlaufbahn im gehobenen öffentlichen Dienst starten. Das Studium besteht aus einer Mischung aus rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Modulen. Schon zu Beginn geht es mit Grundlagenkenntnissen in den Bereichen Recht, Betriebswirtschaft sowie Verwaltungs- und Sozialwissenschaften los. Aber auch Psychologie und Verwaltungsenglisch werden gelehrt. Der Lohn für die Mühe: ein sicherer Arbeitsplatz, planbares Einkommen, soziale Absicherung und vielfältige Aufstiegschancen. SIMONE JACOBIUS

Nicht nur für Überflieger

Stipendien sind nur für die Besten der Besten. Falsch. In vielen Fällen zählen ganz andere Kriterien als ein Notendurchschnitt mit einer Eins vor dem Komma. Die Suche kann sich durchaus lohnen
Auch Studierende in sozialer Notlage werden mit Stipendien gefördert. FOTO: GETTY
Auch Studierende in sozialer Notlage werden mit Stipendien gefördert. FOTO: GETTY
Rund zwei Drittel aller Studierenden haben sich laut dem Portal mystipendium.de noch nie auf eine Förderung beworben. Dabei sind die Möglichkeiten vielfältig und wer etwas Zeit investiert, kann sich unter Umständen erfolgreich um ein Stipendium bewerben. Vier Tipps, die im Förderdschungel helfen können.

Regionale Organisationen und Angebote der Wunsch-Uni beachten

Manche Stiftungen fördern nur Studierende bestimmter Herkunft oder manche Stipendien werden nur von speziellen Hochschulen an Studierende festgelegter Fächer vergeben. Der Nassauische Zentralstudienfonds etwa richtet sich ausschließlich an Studierende, die im Raum Frankfurt am Main und Wiesbaden geboren sind. Das Fritz-Prosiegel-Stipendium des Studentenwerks Hamburg wiederum fördert in Hamburg Geborene, deren Vater oder Mutter Lehrer ist oder war.

Religionszugehörigkeit kann entscheidend sein

Viele der großen Begabtenförderwerke sind überkonfessionell und nicht parteigebunden. Doch daneben existiert auch eine große Zahl an Förderungen, die sich speziell an Menschen einer bestimmten Religion richten: Das Avicenna-Studienwerk fördert muslimische Studierende jeden Alters, die an einer deutschen Hochschule eingeschrieben sind. Die Freiburger Adelhausenstiftung wiederum fördert bedürftige katholische Frauen, die an den Hochschulen der Stadt Freiburg studieren. Daneben gibt es unter anderem Stipendien für evangelische Studierende im Land Bayern oder jüdische Studierende im Land Berlin. Wer also ohnehin in einer Religion verwurzelt ist, für den lohnt es sich, nach Förderungen Ausschau zu halten – teilweise bieten auch die Kirchen eigene Stipendien für Studierende oder Auszubildende an.

Affinität zu großen politischen Parteien überprüfen

Man muss nicht gleich bei den Jusos oder der Jungen Union eintreten, aber wer grundsätzlich mit den Zielen einer der großen Parteien übereinstimmt, für den sind vielleicht die Stipendien der parteinahen Stiftungen etwas. In der Regel geht es dabei neben dem bisherigen gesellschaftlichen Engagement auch darum, bei Veranstaltungen der jeweiligen Stiftung Präsenz zu zeigen und sich in Themen-Workshops weiterzubilden. Allein schon deshalb ist es sinnvoll, sich nur für die Stipendien jener parteinahen Stiftungen zu bewerben, deren Ziele einen auch wirklich interessieren.

Sich bewusst machen, warum man finanzielle Hilfe braucht

Es gibt viele Gründe, die es komplizierter machen können, ein Studium selbst zu finanzieren. Einige Stipendien sind darum auch für spezielle soziale Notlagen gedacht. So hilft das Ariadne-Stipendium der Universität Trier Studierenden ab dem zweiten Semester, die wegen Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen in finanzielle Schieflage geraten sind. Die Universität Konstanz wiederum vergibt Stipendien an Studierende, die aus Krisen- oder Kriegsgebieten kommen oder plötzlich unverschuldet in finanzielle Not geraten sind. Ähnliche Stipendien für Notlagen oder damit ein Studium in den letzten Zügen nicht noch am Geld scheitert, bieten viele Hochschulen an. JULIA FRESE

Tipps und Infos zum Thema Stipendien:

Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung:
www.stipendienlotse.de

Das Start-up MyStipendium bietet ebenfalls eine europaweite Stipendiendatenbank an:
www.mystipendium.de

Studien- und Stipendieninfos für Menschen, die als Erste in ihrer Familie studieren:
www.arbeiterkind.de

Allgemeine Tipps zu Studienfinanzierung, Aufstiegsförderung und Stipendien jenseits der Begabtenförderung:
www.studentenwerke.de

Informationen rund um zwei der größten Stipendiengeber in Deutschland:
www.studienstiftung.de
www.deutschlandstipendium.de
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