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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2020/2021

Von Anfang an kompetent

Im Bürgeramt Friedrichshain-Kreuzberg bedienen und beraten Auszubildende zum Verwaltungsfachangestellten die Kunden

Praxisnahe Ausbildung: Im Bürgeramt lernen Azubis auch den Umgang mit komplizierten Fällen. FOTO:SEB_RA/ISTOCK

Dagmar Trüpschuch 

Gerahmte Fotos mit lachenden Jugendlichen schmücken die Wände, im Warteraum mit einer Spielecke für Kinder warten ein Mann und zwei Frauen darauf, dass ihre Wartenummern aufgerufen werden, damit sie einen neuen Ausweis beantragen oder einen Antrag auf Wohngeld stellen können. Ein ganz normales Bürgeramt also? Nein, denn der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist der erste Bezirk, der ein Ausbildungsbürgeramt in Berlin eingerichtet hat. Hier werden Verwaltungsfachangestellte und Kaufleute für Büromanagement ausgebildet. „Wir wollen damit ein verlässliches und qualitativ hohes Ausbildungsniveau schaffen“, sagt Nükhet Tercan, die das Ausbildungsbürgeramt 2015 mit Kollegen aufgebaut hat und heute Ausbilderin und stellvertretende Leiterin ist.

Die Azubis durchlaufen alle Abteilungen

Seitdem verbringen die Auszubildenden der Berliner Bezirksämter rund sechs Monate ihrer dreijährigen Ausbildung in dem Haus an der Schlesischen Straße. Rund acht bis zehn Azubis arbeiten hier in der Regel, betreut werden sie von Ausbildern, die ihnen von Anfang an zur Seite stehen, sie anleiten, sie später jedoch selbstständig arbeiten lassen. Bei Fragen sind sie jederzeit ansprechbar.
Marcela Römhild und Jakow Estel sind beide im dritten Jahr ihrer Ausbildung zu Verwaltungsfachangestellten. Beide suchten einen sicheren Arbeitsplatz, den der öffentliche Dienst ihnen garantiert. „Die Ausbildung ist sehr vielseitig“, sagt Marcela Römhild. Das Bezirksamt mit seinen vielen Abteilungen bietet Einsicht in viele Arbeitsbereiche. Marcela Römhild machte Praktika in der Stadtbibliothek, im Sekretariat der Musikschule sowie in der Wohnungs- und Bauaufsichtsbehörde. Jakow Estel war im Personalservice, beim Sozialamt und bei der Beschäftigtenvertretung tätig.

Seit September sind sie im Bürgeramt II in Friedrichshain-Kreuzberg. Jakow Estel arbeitet zurzeit an der Information im Eingangsbereich. Zu ihm kommen alle Kunden, die eine Verlustanzeige ihrer Papiere aufgeben, ihren Berlinpass beantragen oder verlängern oder ihren neuen Ausweis abholen möchten. Es kommen auch Kunden ohne Termin, die er manchmal in frei gewordene Zeitfenster vermitteln kann. Jakow Estel gefällt der unmittelbare Kontakt zum Kunden. „Eine große Herausforderung ist jedoch, dass Kunden auch ärgerlich werden können, wenn ich ihr Anliegen nicht bearbeiten kann, weil Papiere fehlen oder kein Termin frei ist.“ Hier muss er Fingerspitzengefühl in der Kommunikation zeigen. „Bei meinen Ausbildern konnte ich mir in der Anfangszeit viel abgucken“, sagt er. Die meisten Kunden seien jedoch freundlich.
Marcela Römhild arbeitet zurzeit in der Sachbearbeitung. Sie macht eine Teilzeitausbildung, auch das ist beim Bezirksamt unter bestimmten Umständen möglich. Sie hat normale Berufsschultage, nur die Praxistage sind verkürzt. Einziger Nachteil: Sie verdient etwas weniger Geld als Jakow Estel, der im dritten Lehrjahr rund 1000 Euro brutto erhält. Sie führt Kundengespräche, nimmt Anträge für Ausweispapiere und Führungszeugnisse entgegen und prüft, ob alle Unterlagen vollständig sind. „Es ist eine Arbeit mit hoher Verantwortung“, sagt sie, „weil wir hier Entscheidungen treffen und Dokumente siegeln dürfen.“ Sie hat auch schon an der Information gearbeitet, die Einsatzorte rotieren, sodass jeder mal in jeder Abteilung war.

Für ihre Arbeit brauchen die beiden nicht nur Computer- und Menschenkenntnisse, sondern auch juristisches Know-how. „Denn alle Entscheidungen, die wir treffen, müssen auf rechtlicher Basis geschehen“, sagt Marcela Römhild. „Dafür werden wir ausgebildet.“ Besonders in der Verwaltungsakademie, die sie während ihrer Ausbildung dreimal für jeweils drei Monate besuchen, steht die Vermittlung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften im Mittelpunkt. Sie lernen aber auch, Haushalts- und Wirtschaftspläne zu erstellen. „Für diejenigen, die sich für den juristischen Bereich interessieren, ist diese Ausbildung perfekt“, sagt Marcela Römhild. Aber auch strukturiertes Arbeiten sei wichtig, um die Tätigkeit ausüben zu können, fügt Jakow Estel hinzu.

Marcela Römhild weiß noch nicht, in welcher Abteilung sie nach der Ausbildung arbeiten möchte. Eventuell möchte sie später noch eine Weiterbildung zur Verwaltungsfachwirtin machen, um auch Führungsaufgaben übernehmen zu können. Jakow Estel möchte gerne erst einmal im Bürgeramt arbeiten. Er schätzt die Abwechslung zwischen Sachbearbeitung und Kundenkontakt.

Info

Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Empf. Schulabschluss: Mittlerer Schulabschluss (MSA)
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 970 Euro, 2. Jahr 1020 Euro, 3. Jahr 1065 Euro
Einstiegsgehalt: ca. 2350 Euro
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