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EXTRA: LAST-MINUTE-AUSBILDUNG 2021

Wer suchet, der findet

Trotz der Corona-Pandemie haben Jugendliche gute Chancen, jetzt noch einen Ausbildungsplatz für 2021 zu bekommen

Experten raten Jugendlichen, bei ihrer Berufswahl auch darauf zu achten, was in Zukunft besonders gefragt sein wird. FOTO: FOTOGRAFIXX / GETTY IMAGES

Forum Berufsbildung
Die Zahlen sind eindeutig: Im vergangenen Jahr unterschrieben laut dem Statistischen Bundesamt 465.000 Personen einen Ausbildungsvertrag. Das bedeutet gegenüber 2019 einen Rückgang von knapp zehn Prozent. Am stärksten betroffen sind Industrie und Handel, während die Landwirtschaft einen leichten Zuwachs verzeichnet. Dass sich die Corona-Pandemie irgendwann auf den Ausbildungsmarkt niederschlagen würde, war zu erwarten. Ein Trend der vergangenen Jahre blieb jedoch identisch: die relativ hohe Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen – im April waren es in Berlin knapp 7000 – gegenüber der Zahl der Jugendlichen, die noch auf der Suche sind: etwas mehr als 9000.

Ein großer Teil der Jugendlichen, die sich im vergangenen Jahr intensiv um eine Ausbildung bemühten, werden diese nach den Sommerferien beginnen, ist Andrea Preuße von der Jugendberufsagentur für Arbeit überzeugt. Aber auch für all jene, die kurz vor der Zeugnisausgabe noch nicht wissen, wohin es sie im Herbst verschlägt, gibt es Perspektiven: „Wer wirklich einen Ausbildungsplatz sucht, hat trotz Corona in Berlin gute Chancen.“

Bei der Bewerbung sollte man offen mit Schwächen umgehen

Zwar gibt es einige Bereiche, wie die Verwaltung im öffentlichen Dienst, die bereits im Winter das Auswahlverfahren abgeschlossen haben. Jedoch steht den Jugendlichen nach wie vor eine Auswahl aus mehreren Hundert Berufen zur Verfügung. Beim Sondieren hilft die Jugendberufsagentur. „Wir Berufsberater sind in den Schulen vor Ort“, sagt Preuße. „Falls es tatsächlich Jugendliche gibt, die ihren Berufsberater nicht kennen, können sie immer im Schulsekretariat erfragen, wer für sie zuständig ist. Wir vereinbaren dann umgehend einen Gesprächstermin – entweder in der Schule oder telefonisch.“

Eine genaue Vorstellung, welche Ausbildung angestrebt wird, sei nicht nötig: „Das ist für uns Berufsberater eigentlich der beste Fall, weil es die Beratung tatsächlich erleichtert.“ Sobald die Auswahl eingegrenzt wurde, können die Bewerbungsschreiben formuliert werden. Diese benötigen einige Vorbereitungszeit, wenn man in der Vielzahl der Anschreiben herausstechen möchte. Zuerst einmal sollten sich die angehenden Azubis nicht nur über das Berufsbild, sondern auch über das Unternehmen informieren. Bewerber können beispielsweise auf die Firmenphilosophie oder -tradition Bezug nehmen. Falls praktische Erfahrungen in dem Berufsfeld vorhanden sind, gehört diese in jedem Fall auch ins Anschreiben. Eine ansprechende Gestaltung mit einem Layout, das über Standard-Templates in Word hinausgeht, rundet die Bewerbung ab. In der Schule wird beim Bewerbungstraining häufig geraten, auf ein Foto zu verzichten, um einen besonders neutralen Eindruck zu erzeugen. „Ich finde ein Foto hingegen wichtig“, sagt Andrea Preuße. „Ich vergleiche das mit einer Dating-Plattform, um es auch den Eltern zu verdeutlichen. Ich würde niemand anschreiben, wenn er kein Bild hat. Wer kauft schon die Katze im Sack?“

Weniger Möglichkeiten für ein Praktikum wegen Corona

Zum Bewerbungsprozess gehört auch der Umgang mit den eigenen Schwächen. Das kann die Fünf in einem Unterrichtsfach sein oder auch den Zusatzbogen zum Zeugnis betreffen, auf dem vermerkt ist, wie zuverlässig ein Schüler ist. Ein schlechtes Zeugnis allein ist noch kein Kriterium für eine Absage. „Den Arbeitgebern ist durchaus klar, dass die Noten die Entwicklung in der Pubertät widerspiegeln“, sagt Preuße. „Jugendliche sollten damit offen und transparent umgehen. Wenn sie deutlich machen, dass ihr bisheriges Verhalten nicht zielführend war und sie daran arbeiten, haben sie eine gute Chance.“

Dass ein Bewerbungsschreiben nicht nach Schema F verfasst sein sollte, betont auch Silke Richter, Bereichsleiterin Ausbildungsberatung der Industrie- und Handelskammer Berlin. Dabei kann das Anschreiben der erste Schritt sein. „Proaktivität kommt bei Firmen immer gut an“, sagt Richter. Bewerber können in Pandemie-Zeiten ein Video-Gespräch vorschlagen. Dabei sollte die Kamera angeschaltet sein und man sollte so gekleidet sein, wie man auch zu einem Vorstellungsgespräch erscheint. „Zuletzt waren die Möglichkeiten für Praktika sehr eingeschränkt. Auch darauf kann man Bezug nehmen und Probearbeiten vorschlagen.“

Wie schon 2020 verzichteten die Berliner Schulen in diesem Jahr auf die schriftlichen MSA-Prüfungen. Mehrfach wurde die Befürchtung geäußert, dass der Abschluss damit weniger wert sei. Richter nimmt der Sorge den Wind aus den Segeln: „Das haben uns die Firmen nicht zurückgespiegelt, im Gegenteil: Die Unternehmen schauen immer weniger allein auf die Noten. Viel wichtiger ist es, Bewerber mit all ihren Stärken wahrzunehmen, die sich nicht zwangsläufig in den Noten widerspiegeln. Viele Bewerber haben sich ehrenamtlich engagiert. So etwas ist sehr aussagekräftig.“ Sie empfiehlt darüber hinaus, sich mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes zu beschäftigen. „Der Fachkräftemangel steigt. Ich rate jungen Menschen, sich auch über weniger bekannte Berufen zu informieren und darauf zu achten, was in der Zukunft gefragt sein wird.“

Und falls es 2021 mit der Ausbildung noch nichts wird, weil es mit dem Schulabschluss nicht geklappt hat, muss man den Kopf nicht in den Sand stecken. In diesem Fall können Jugendliche ein Oberstufenzentrum besuchen oder eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme absolvieren. Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden: „Das wichtigste ist die eigene Motivation“, so Preuße. „Dann stehen viele Türen offen.“ RONALD KLEIN

Weitere Informationen und Ansprechpartner

www.jba-berlin.de
Die Jugendberufsagentur berät Jugendliche bis 25 Jahren bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Die Beratung findet auch in den Ferien sowie nach Beendigung der Schulpflicht statt.

www.Ihk-berlin.de
Die Industrie- und Handelskammer Berlin bietet ein Serviceportal rund um das Thema Ausbildung an. Der Fachkräftemonitor verdeutlicht, in welchen Berufsbereichen der Bedarf in Zukunft besonders hoch sein wird.

www.ausbildungsmarkt.de
Das täglich aktualisierte Portal informiert über bundesweit verfügbare Ausbildungsplätze.

www.ausbildung.berlin
Die Website gibt einen Überblick über noch offene Ausbildungsplätze in der Hauptstadt.

www.machs-wie-wir.de
Anhand von kurzen Videoporträts erhalten Jugendliche Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder.

www.ausbildungspark.com
Die Website vermittelt in wenigen Schritten, wie ein ansprechendes Bewerbungsschreiben aufgebaut sein sollte. Darüber hinaus finden Jugendliche Tipps für das Vorstellungsgespräch.

www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung/berufsvorbereitende-bildungsmassnahme
Informationen rund um die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme

„Wir wollen, dass Tätigkeit und Persönlichkeit gut zueinanderpassen“

Die Deutsche Bahn gehört zu den größten Arbeitgebern Berlins, bietet vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten – und setzt auf langfristige Berufsperspektiven
Wer sich für einen technischen Beruf bei der Deutschen Bahn interessiert, kann jetzt noch einen Ausbildungsplatz ergattern. FOTO: BODO SCHACKOW / DPA
Wer sich für einen technischen Beruf bei der Deutschen Bahn interessiert, kann jetzt noch einen Ausbildungsplatz ergattern. FOTO: BODO SCHACKOW / DPA
Ein Gespräch mit Kevin Fröde, Leiter Recruiting für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, über kurzfristige Bewerbungen, Karrierepfade bei der Deutschen Bahn und preisgünstiges Zugfahren.

Berliner Morgenpost: Herr Fröde, die Bahn bietet viele verschiedene Ausbildungen an. Was ist das alles?

Kevin Fröde: Das Angebot der Deutschen Bahn ist sehr breit gefächert. Wir bilden in über 50 Berufen und in mehr als 25 dualen Studiengängen aus. Der Schwerpunkt liegt dabei beim technischen Personal, das für die Instandhaltung und den Fahrbetrieb zuständig ist: Lokomotivführer/innen, Fahrdienstleiter/innen und Zugbegleitpersonal. Aber auch Bürotätigkeiten und IT bilden eine wichtige Säule.

Sind Sie für 2021 schon voll besetzt?

Aktuell suchen wir noch Industrie-Elektriker/innen mit der Spezialisierung zum Lokführen und Mechatroniker/innen für die Fahrzeuginstandhaltung. Im dualen Studium haben wir wenige freie Plätze in der Elektrotechnik, dem Wirtschaftsingenieurwesen, der Informatik und dem kaufmännischen Bereich. 90 Prozent unserer Ausbildungsplätze für 2021 sind allerdings bereits besetzt. Aber auch bei uns gibt es Abspringer. Deshalb können sich Interessenten auf unserer Karriere-Seite den Job-Alarm einrichten: Sollte ein vergebener Platz wieder frei werden, werden sie automatisch per E-Mail informiert.
Kevin Fröde ist Leiter Recruiting für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bei der Deutschen Bahn. FOTO: DANIEL WINKLER / DEUTSCHE BAHN
Kevin Fröde ist Leiter Recruiting für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bei der Deutschen Bahn. FOTO: DANIEL WINKLER / DEUTSCHE BAHN
Was sind die formalen Voraussetzungen?

Für ein duales Studium braucht man Abitur oder Fach-Abitur und für eine Ausbildung mittlere Reife oder auch einen Hauptschulabschluss. Darüber hinaus wissen wir, dass junge Menschen mit sehr unterschiedlichen Chancen ins Leben starten. Um auch Leute mit schlechteren Noten oder aus schwierigem sozialem Umfeld zu erreichen, gibt es unser Chance-Plus-Programm, das auf dem Weg zu einem Ausbildungsplatz unterstützt.

Worauf legen Sie bei Bewerbern besonders viel Wert?

Wer sich bei uns bewirbt, sollte die Stellenbeschreibung sehr genau kennen. Anschließend empfiehlt es sich, in Ruhe zu überdenken, ob man die entsprechende Aufgabe dauerhaft ausfüllen will. Gut ist, diese Aufgabe mit eigenen Charaktereigenschaften und Interessen zu verknüpfen. So kann man die Motivation herausarbeiten. Wer uns die dann überzeugend im Gespräch darlegt, ist einen großen Schritt weiter. Denn wir wollen ja das Gleiche wie die Bewerber/innen: nämlich dass Tätigkeit und Persönlichkeit gut zueinanderpassen – idealerweise für ein ganzes berufliches Leben.

Sie sprechen auf ihrer Website von einer Übernahmegarantie. Wie sicher ist die?

Wer eine gute Ausbildung absolviert, wird übernommen. Und auf dem Weg dahin helfen wir unter anderem mit festen Ansprechpartnern und regelmäßigen Feedback-Gesprächen – in beide Richtungen: Was kann der Azubi besser machen? Was können wir verbessern? Wir geben uns da viel Mühe, weil wir die zukünftigen Arbeitnehmer ja brauchen. Und wir bieten auch später im Beruf maximale soziale Sicherheit. Bei uns wird immer pünktlich bezahlt und die Zukunft der Bahn steht unter einem guten Stern: Klimaschutz, Mobilitätswende, Nachhaltigkeit. Die Trends der Zeit arbeiten für uns.

Fahren die DB-Azubis eigentlich kostenlos Zug und S-Bahn?

Sie könnten sehr stark vergünstigt fahren. Apropos Vergünstigungen: Jeder Azubi bekommt bei uns zur Begrüßung ein Tablet zur Verfügung gestellt – für die Ausbildung, aber auch zur privaten Nutzung. Das Brutto-Gehalt liegt zwischen 1004 und 1208 Euro, es gibt ein 13. Monatsgehalt und in manchen Fällen einen Mietkostenzuschuss. Und wir bilden auf dem neuesten Stand der Technik aus. Gerade durch Corona haben wir digital noch mal einen enormen Schub gemacht. Später im Berufsleben gibt es bei der Bahn viele Karrierewege und mannigfache Möglichkeiten, sein berufliches Leben individuell mit dem privaten abzustimmen.

Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?

Es beginnt online auf unserer Karriereseite. Auf Bewerbungsschreiben verzichten wir dabei. Unser Fokus liegt stärker auf dem Interview. Wegen Corona finden die Gespräche virtuell statt. Dafür finden Sie auf unserer Website ein Tutorial. Wir bieten zusätzlich auch ein Bewerbungstraining an. Da kann man sich auf das Gespräch vorbereiten, technisch und inhaltlich. FELIX HASS
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