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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Frühling 2019

Eröffnung des Bauhaus-Museums Weimar zum 100. Bauhaus-Jubiläum

Zum 100. Bauhaus-Jubiläum eröffnen zwei Museen an alten Wirkungsstätten

Zwei Jahre dauert der Weimaraner Museumsbau. BLOOMIMAGES

Martina Helmig 

Nur vierzehn kurze Jahre gab es das Bauhaus, und doch gilt es bis heute als wichtigste Schule der Moderne und als erfolgreichster kultureller Exportartikel Deutschlands aus dem 20. Jahrhundert. Jeder kennt die typischen Würfelhäuser mit Flachdach, Marcel Breuers Stahlrohrmöbel, die Wagenfeld-Tischleuchte oder Marianne Brandts halbkugelige Teekanne. Die Bewegung hat Kultobjekte hervorgebracht, die für viele zum Lifestyle gehören.

Bauhaus hat das gestalterische Denken und Schaffen weltweit revolutioniert. Man denkt an geometrische Formen und schnörkellose Funktionalität. Trotzdem gibt es keinen einheitlichen Bauhaus-Stil. Dazu waren die kreativen Köpfe, die am Bauhaus wirkten, viel zu unterschiedlich. „Im Jubiläumsprogramm sind so viele verschiedene Facetten zu erleben, dass ich selbst immer wieder überrascht bin. Jedes Projekt wirft ein Schlaglicht, durch das man eine neue Sicht auf das gewinnt, was das Bauhaus ausgemacht hat“, erklärt Christian Bodach. Der Leiter der Geschäftsstelle des Bauhaus-Verbundes in Weimar sammelt und veröffentlicht die Projekte zum 100. Bauhaus-Jubiläum in Deutschland.
„Das Bauhaus kommt aus Weimar“ heißt die Eröffnungsausstellung. TOMAS SARACENO
„Das Bauhaus kommt aus Weimar“ heißt die Eröffnungsausstellung. TOMAS SARACENO
Langfristige Planung

Bereits vor zehn Jahren begannen die drei Bauhaus-Institutionen in Weimar, Dessau und Berlin, das runde Jubiläum zu planen. Sie holten den Bund und elf Bundesländer mit ins Boot und stellten die Feiern so auf eine breite, dezentrale Basis. „Die Welt neu denken – 100 Jahre Bauhaus“ lautet der Generaltitel. „Wir haben inzwischen 1500 Veranstaltungen von rund 400 Institutionen in der Datenbank. Sie finden in ganz Deutschland zwischen Hamburg und Stuttgart, Dresden und Düsseldorf statt“, freut sich Geschäftsstellenleiter Bodach. Auch Grundsätzliches für die Bauhaus-Zukunft wird geschaffen: Alle drei Bauhaus-Institutionen bekommen neue Museumsbauten.

Walter Gropius gründete die Kunstschule 1919 in Weimar. Sein visionäres Konzept entstand aus der Aufbruchsstimmung nach dem Ersten Weltkrieg. „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens“, stand im Gründungsmanifest.

Schule der Moderne Image 1
Es ging darum, Leben, Kunst und Handwerk zu vereinen. Die Produkte sollten in die industrielle Serienfertigung gehen, um den Alltag zu revolutionieren und eine neue, bessere Welt zu gestalten. Das Bauhaus prägte Architektur, Malerei, Tanz, das Design von Möbeln, Geschirr und Textilien. Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten, Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy wurden Gropius’ Mitstreiter.

Begegnungen mit Gropius

Am 6. April wird das neue, dreistöckige Bauhaus-Museum in Weimar eröffnet. „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ heißt die erste Ausstellung mit Designikonen und unveröffentlichten Zeitdokumenten. Auf geführten Spaziergängen kann man unter anderem das streng geometrisch gestaltete Direktorenzimmer von Walter Gropius sehen. Wie sich die Gründer das Wohnen vorstellten, zeigt ab Mai das „Haus Am Horn“, das erste Musterhaus von 1923.

Als die Anfeindungen in Weimar zu groß wurden, zog das Bauhaus 1925 nach Dessau um. Hier hat die Schule am längsten gewirkt und ihre Blütezeit erlebt. Alle drei Bauhausdirektoren, Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, haben in Dessau gearbeitet. In Dessau-Roßlau befindet sich heute die weltweit größte Anzahl authentischer Bauhausbauten. Das Bauhaus-Gebäude, die Meisterhäuser und die Laubenganghäuser gehören zum Unesco- Welterbe. Mit der Eröffnung des neuen Bauhaus Museums in Dessau am 8. September können ie 40.000 Exponate der Sammung erstmals umfassend präseniert werden. „Versuchsstätte auhaus“ heißt die Jubiläumsusstellung.

Die Architektin Heike Hanada entwarf das neue Museumsgebäude in Weimar. HEIKE HANADA LABORATORY OF ART AND ARCHITECTURE (2)
Die Architektin Heike Hanada entwarf das neue Museumsgebäude in Weimar. HEIKE HANADA LABORATORY OF ART AND ARCHITECTURE (2)
Das Bauhaus in Berlin

In Berlin wirkten die Bauhäusler nur ein knappes Jahr, bevor die Schule 1933 von den Nazis geschlossen wurde. Hier befindet sich im Bauhausarchiv die weltweit größte Bauhaus-Sammlung. Im Haus der Kulturen der Welt erkundet die Ausstellung „bauhaus imaginista“ mit Partnern aus China, Japan, Russland und Brasilien vom 15. März bis zum 10. Juni die internationalen Verflechtungen der Bauhaus-Bewegung. Die Ausstellung „Original Bauhaus“ zeigt ab dem 6. September in der Berlinischen Galerie 14 Bauhaus-Objekte und ihre Geschichte. Anders als in Weimar und Dessau muss man in Berlin auf den Museumsneubau noch bis 2023 warten.

Nach der Schließung der Schule gingen die Protagonisten ins Exil und trugen die Bauhaus-Ideen erfolgreich in die ganze Welt. Das 100. Jubiläum wird auch in Israel, den USA und Japan gefeiert. Im deutschen Kalender findet sich alles Erdenkliche vom wissenschaftlichen Diskurs bis zum Bauhaus-Marathon und einem Bauhaus-Agentenprogramm für Schüler.

Am 5. Mai startet die „Grand Tour der Moderne“, die 100 Bauten der Moderne in ganz Deutschland genauer vorstellt. Da kann jeder einen Anknüpfungspunkt vor der eigenen Haustür finden. „Im Jubiläumsprogramm gibt es nicht nur Intellektuelles, sondern auch ganz vieles, das einfach Freude macht“, wirbt Christian Bodach vom Bauhaus-Verbund. „Das Feiern gehörte für die Bauhäusler unbedingt zum Programm.“

Termine

Bauhaus-Museum Weimar
Stéphane-Hessel-Platz 1
99423 Weimar,
Tel.: 03643/54 54 00
www.klassik-stiftung.de

Eröffnung des Museum
6. April
Öffnungszeiten:
Mo.,10–14.30 Uhr, Di.–So.,10–18 Uhr

Weitere Informationenzum Jubiläum
www.bauhaus100.de
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