Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Frühling 2019

Berliner Philharmoniker laden zu den Osterfestspielen nach Baden-Baden ein

Die Berliner Philharmoniker laden zu den Osterfestspielen nach Baden-Baden ein

Das Festspielhaus hat einen der größten Säle in Europa. THOMAS STRAUB

Martina Helmig 

Dass ich diese künstlerische Reise mit den Berliner Philharmonikern zum siebten Mal unternehmen darf, ist fantastisch. Das hätten wir uns am Anfang nicht erträumt“, schwärmt Andreas Mölich-Zebhauser. Der Intendant des Baden-Badener Festspielhauses richtet seit 2013 die Osterfestspiele für das Berliner Orchester aus. „Wir bemühen uns sehr darum, dass die Musiker hier frei und glücklich arbeiten können.“

Die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker gibt es schon seit 1967. Herbert von Karajan installierte sie damals in Salzburg. Fast ein halbes Jahrhundert später machten Sir Simon Rattle und seine Musiker neue Pläne, die sich in Salzburgs starren Strukturen nicht verwirklichen ließen. Die Musiker wollten die Opernproduktionen häufiger spielen und mehr Kammermusik machen. Baden-Baden empfing sie mit offenen Armen.

In diesem Jahr steht vom 13. bis zum 22. April Verdis Oper „Otello“ im Mittelpunkt. Mit Stuart Skelton und Sonya Yoncheva sind die Hauptpartien hochkarätig besetzt. Am Pult steht normalerweise der Chefdirigent. In diesem Jahr des Übergangs, bevor Kirill Petrenko übernimmt, leitet Zubin Mehta die Opernaufführungen. Erstmals arbeiten die Philharmoniker mit dem Regisseur Robert Wilson zusammen. Der Theatermagier will die Musik nicht visuell überspielen, sondern das Drama aus dem Geist der Musik neu deuten. „All seine Inszenierungen sind ein Stück weit stilisiert und bieten den Zuschauern viel Raum für Assoziationen und Interpretationen. Ich setze gern auf starke Handschriften, die der Emotionalität, ohne die die Oper tot wäre, gerecht werden können“, erklärt der Intendant.
Die Berliner Philharmoniker prägen traditionell die Festspiele. MONIKA RITTERSHAUS
Die Berliner Philharmoniker prägen traditionell die Festspiele. MONIKA RITTERSHAUS
Auch die Kinderoper befasst sich mit „Otello“. Der Komponist und Dirigent Aurélien Bello richtet Verdis Oper für das junge Publikum ein. Die Kammeroper wird diesmal eine Uraufführung in Kooperation mit dem Theater Baden-Baden. Die amerikanische Komponistin Victoria Bond hat im Brahms-Haus des Baden-Badener Vororts Lichtental ihr neues Werk komponiert. „Clara“ ist eine Hommage an Baden-Badens berühmteste Bewohnerin: die Pianistin und Komponistin Clara Schumann, deren 200. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert.

Riccardo Muti leitet zwei Aufführungen von Verdis Requiem. Kirill Petrenko dirigiert Beethoven, Tschaikowsky und Schönberg mit Lang Lang und Patricia Kopatchinskaja als Solisten. Beim Musikfest unter dem Motto „Bella Italia“ spielen Mitglieder der Berliner Philharmoniker wieder gemeinsam mit ihren Paten, dem Bundesjugendorchester. In den „Meisterkonzerten“ sind zahlreiche Kammermusikformationen des Orchesters und Mitglieder der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker aktiv. Die Kammerkonzerte finden nicht im Festspielhaus, sondern an vielen verschiedenen Orten der Stadt statt.

„Mit 2500 Plätzen sind wir nach der Pariser Oper das zweitgrößte Opernhaus Europas, und das in der kleinsten Stadt, die überhaupt ein Opernhaus hat“, sagt Andreas Mölich-Zebhauser, der nach dieser Saison von der Intendanz zurücktritt. Doch er ist sich sicher, dass die Osterfestspiele bleiben: „Baden-Baden hat die Philharmoniker offenherzig aufgenommen, es ist eine glückliche Verbindung. Insofern kann man alle Salzburger Spekulationen, dass die Philharmoniker zurückkommen könnten, komplett vergessen.“

Termine

Festspielhaus Baden-Baden
Beim Alten Bahnhof 2
76530 Baden-Baden
Tel.: 07221/301 31 01
www.festspielhaus.de

Osterfestspiele Baden-Baden
Von Sbd., 13. April, bis Mo., 22. April

Barock-Hommage

„Himmlische Stimmen“ läutet Pfingsten die diesjährigen Salzburger Festspiele ein
Die Eröffnung des Pfingstprogramms der Salzburger Festspiele markiert Georg Friedrich Händels Oper „Alcina“ (1735) in der Regie von Gianluca Capuano. Dieses Werk und Nicola Porporas zeitgleich entstandenes Musiktheater „Polifemo“ illustrieren den thematischen Schwerpunkt der Pfingstausgabe „Voci celesti – Himmlische Stimmen“. Festivalleiterin Cecilia Bartoli widmet sich dem Andenken der Kastraten. Die Praxis, Jungen mit Sopran- oder Alt-Stimmen für den späteren Einsatz im Musiktheater zu kastrieren, war in der Epoche des Barocks bis auf Frankreich europaweit gang und gäbe. „Das Thema beschäftigt mich seit Langem und immer wieder“, gibt Bartoli zu. „Ich finde es wichtig, die Geschichte der Kastraten und ihr Leid zur Diskussion zu stellen. Es wäre nicht richtig, ihr Erbe, aber ebenso wenig ihre Qual zu vergessen.“ Die Mezzosopranistin singt in „Alcina“ die Titelrolle. Zum wiederholten Male ist sie bei den Salzburger Festspielen in einem Händel-Werk zu erleben. „Er schafft es, seine Zuhörer in eine andere, magische Welt zu führen“, schwärmt Bartoli. „Ich liebe Händel und ich würde behaupten, dass ich mit ihm eine ganz besondere Liebesbeziehung führe – auch wenn 300 Jahre zwischen uns liegen“. „Alcine“ wird im Sommer übernommen – wenngleich dann der Schwerpunkt der Konzerte und Inszenierungen auf der Auseinandersetzung mit der Antike liegt.

Termine

Salzburger Festspiele
Diverse Orte
7.–10. Juni + 20. Juli bis 31. August
Tel.: 0043/662/804 55 00
www.salzburgerfestspiele.at
Weitere Artikel