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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Frühling 2019

Festtage 2019 der Staatsoper Unter den Linden

Heitere Stoffe stehen im Zentrum der Festtage 2019

Daniel Barenboim (M.) steht fast jeden Abend am Pult. TERRY LINKE

Ronald Klein 

Keine Frage, in der Regel prägen tragische Stoffe die Gattung Oper. Ganz anders geht es bei den diesjährigen Festtagen der Staatsoper Unter den Linden zu. Mit Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ und Sergej Prokofjews „Die Verlobung im Kloster“ bilden zwei Komödien das Herzstück des elftägigen Festivals. „Grundsätzlich ist Prokofjew weniger für Komödien bekannt“, sagt Detlef Giese, Chefdramaturg der Staatsoper. „Bei der „Verlobung“ nimmt er ganz bewusst einen Rückgriff auf Mozart und Rossini vor – mit Vorgängen von Verwandlung, Verwechslung und Verkleidung. Er nannte sein Werk aber nicht Opera buffa, sondern sprach von einer lyrisch-komischen Oper. Damit wird die Bedeutung des Gesanglichen betont. Das ist eine Parallele zu Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“, in denen man Passagen großer Kantabilität und auch Ernsthaftigkeit findet.“
Andrea Moses inszeniert Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. BERND UHLIG
Andrea Moses inszeniert Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. BERND UHLIG
Das temporeiche Stück spielt in Spanien Mitte des 18. Jahrhunderts. Zwei junge Paare erleben die Liebeswirren und finden erst nach zahlreichen Umwegen zueinander. „Mit einem Stoff wie „Krieg und Frieden“ oder der „Geschichte vom wahren Menschen“ ist Prokofjew nicht so recht glücklich geworden“, sagt Giese. „Bei „Die Verlobung im Kloster“ konnte er jedoch komödiantische Leichtigkeit einbringen und hatte die Möglichkeit zu zeigen, wie virtuos und stilistisch vielfältig er zu komponieren vermochte.“

Die 1941 vollendete und 1946 in Leningrad uraufgeführte Oper wurde in Prokofjews sowjetischen Heimat als „formalistisch“ kritisiert. Seit seiner Rückkehr in die Sowjetunion 1936 musste sich der Komponist mit rigiden Regeln unter Stalins Regime auseinandersetzen. Die Kulturpolitik forderte ihn wiederholt auf, auf fortschrittliche Kompositionstechniken zu verzichten. Prokofjews Musik sollte „zugänglicher“ werden. Auch der Lebensstil seiner Familie missfiel der Partei als zu „westlich“ und „dekadent“. Anfang 1948 bestellte der Politiker Andrei Schdanow, ein enger Vertrauter Stalins, 70 Künstler ein und maßregelte sie als „unpatriotisch, elitär und volksfern“. In der Folge erhielten die Schriftsteller, Filmemacher und Komponisten – unter ihnen Prokofjew – Berufsverbot, ihre Werke durften nicht mehr aufgeführt werden. Prokofjew starb 1953 – am gleichen Tag wie Stalin. 


Ende der 50er-Jahre kam das Stück auf die Bühne der Staatsoper und blieb einige Jahre im Repertoire. Das Anknüpfen an Traditionen spielt bei den Festtagen eine wichtige Rolle, so beispielsweise beim Auftaktkonzert, das stets durch die Wiener Philharmoniker erfolgt, die Werke von Komponisten ihrer Heimatstadt spielen, so etwa von Mozart, Schubert, Schönberg oder Mahler. Ebenso assoziiert man das Festival mit Opern von Richard Wagner. „Die Festtage wurden von Daniel Barenboim gegründet, um einen besonderen Rahmen für die erste zyklische Aufführung von Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Regie von Harry Kupfer zu schaffen“, erklärt Giese den Hintergrund. „Wagner blieb die Jahre über die Konstante des Festivals: 2002 wurden seine zehn großen musikdramatischen Werke als zusammenhängender Zyklus gezeigt. Das war ein Kraftakt, zumal noch die vier Brahms-Sinfonien gespielt wurden.“

MARCUS EBENER
MARCUS EBENER
Doch auch neue Ansätze stehen in diesem Jahr auf dem Spielplan der Festtage. Das kürzlich ins Leben gerufene Opernkinderorchester stellt sich vor. Das Ensemble entstand auf Initiative des Intendanten Matthias Schulz. „Es besteht aus jungen Musikern zwischen sieben und zwölf Jahren, die unter Anleitung von Profis das Ensemble bilden“, sagt Giese. „Als Mentoren wirken Mitglieder der Staatskapelle Berlin. Gespielt wird „Peter und der Wolf“, was aber nicht abendfüllend ist. Von daher komplettieren Ausschnitte von Mozarts „Zauberflöte“ und Humperdincks „Hänsel und Gretel“ das Programm. Als Erzähler wirkt Rolando Villazón, die musikalische Leitung bei den Festtagen obliegt Daniel Barenboim, gemeinsam mit Max Renne, dem „regulären“ Dirigenten des Opernkinderorchesters.“

Neben Villazón tritt in diesem Jahr noch ein weiterer Weltstar auf. Die russisch-österreichische Sopranistin Anna Netrebko singt am 19. und 20. April Verdi-Arien, begleitet von der Staatskapelle Berlin unter Leitung Daniel Barenboims.

Termine

Festtage 2019
12.–22. April
Tel.: 030/20 35 45 55
www.staatsoper-berlin.de

Staatsoper Unter den Linden
Unter den Linden 7, Mitte

Philharmonie
Herbert-von-Karajan-Str. 1,
Tiergarten
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