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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Frühling 2019

Leipziger Buchmesse mit dem Gastland Tschechien als Schwerpunkt

Das Gastland Tschechien markiert einen der Schwerpunkte der diesjährigen Buchmesse

Fast 200.000 Besucher informieren sich jedes Jahr in den Messehallen über Literaturtrends. JENS-ULRICH KOCH

Barbara Hoppe 

Wenn sich die Tore der Leipziger Buchmesse öffnen, darf man ruhig einen Moment innehalten und staunen. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Veranstaltung lebendiger als je zuvor. Die Zahl der Aussteller wächst stetig an. Kinder- und Jugendbücher, belletristische Neuerscheinungen und nicht zuletzt die beliebte Manga-Comic-Con, die seit 2014 eine eigene Halle bespielt, ziehen die Menschen an.

Von einst 31.000 Besuchern im Jahr 1991 entwickelte sich die Messe zu einem Publikumsmagneten – nicht zuletzt wegen „Leipzig liest“. Das Lesefest lud 2018 zu Veranstaltungen an mehr als 400 Orten. „Anders als kuratierte Literaturfestivals ist „Leipzig liest“ als Marketing-Verstärker für den Messeauftritt der Verlage gebaut. Jeder Aussteller kann teilnehmen“, sagt Pressereferentin Julia Lücke. „Gerade kleinere Verlage wissen das zu schätzen: Ein begeisterungsfähiges Publikum und das nahezu unbegrenzte Reservoir an unverwechselbaren Veranstaltungsorten machen die Stadt nicht nur für die Stars des Literaturbetriebs, sondern gerade für experimentierfreudige, unabhängige Verlage und deren Autoren zur idealen Bühne.“

3600 Veranstaltungen an 500 Orten bietet das Festival rund um die Buchmesse in diesem Jahr. Es ist Europas größte Lesebühne und, so ergänzt Julia Lücke, „umfasst alle Lesungen, Diskussionen, Konzerte oder Performances, die die Aussteller der Leipziger Buchmesse auf dem Leipziger Messegelände oder in der Stadt Leipzig veranstalten.“

Gastland der Messe ist dieses Jahr Tschechien. „Mit Tomáš Kubíček, dem Projektleiter des Gastlandes Tschechien auf der Leipziger Buchmesse 2019 sowie Direktor der Mährischen Landesbibliothek, und dem Programmkoordinator Martin Krafl haben wir zwei ausgewiesene Experten für die tschechische Literaturszene und das Veranstaltungsmanagement am Start“, betont Julia Lücke.

Spiegel der Gesellschaft

Freuen dürfen sich die Besucher auf 70 Neuerscheinungen von Romanen, Lyrikbänden, Sach- und Tagebüchern, Comics sowie Kinder- und Jugendliteratur. Dabei steht jeder Messetag unter einem anderen Thema, das von einem tschechischen Schriftsteller als Pate vorgestellt wird. Themen wie „Krisenzeiten? Europa heute“ oder „Literatur und Beunruhigung“ zeigen auch das Selbstverständnis der Messe. „Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft und unsere deutsche und europäische Gesellschaft setzt sich aus Menschen – Autoren, Verlegern, Lesern und Nichtlesern – zusammen, die höchst unterschiedlich auf die Welt schauen. Insofern sind wir ein Spiegelbild des geeinten und des zerstrittenen Europas. In Leipzig pflegen wir das fried- und respektvolle Gespräch miteinander, denn wir müssen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene über die brennenden Fragen diskutieren und manchmal auch konstruktiv streiten“, erklärt Julia Lücke.

Dazu passt die Programmreihe des europäischen Netzwerks für Literatur aus Mittel- und Südosteuropa Traduki. „Found in Translation“ gewährt den Besuchern spannende Einblicke in die Literatur Südosteuropas. Auch die diesjährigen Neuerungen unterstützen die Debattenkultur. Das Schulprojekt „Democracy Slam“ wirft Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders auf während sich die Diskussionsreihe „The Years of Change 1989–1991“ mit den Folgen dieser Zeit beschäftigt.

Ziel sei, so Julia Lücke, ein lebendiges Programm mit spannenden Werken und interessanten Autoren auf die Beine zu stellen – vom Debütanten bis zum Weltstar.

Termine

Leipziger Messe
Messe-Allee 1
04356 Leipzig
www.leipziger-buchmesse.de

Leipziger Buchmesse
21.–24. März

Gemischte Gefühle zur Heimatstadt

Die „Fontanestadt“ feiert den 200. Geburtstag ihres großen Sohnes
MARTEN KOERNER
MARTEN KOERNER
Martina Helmig

Neuruppin ist Theodor Fontanes Geburtsstadt. Hier ging er widerwillig aufs Alte Gymnasium. Später ist er immer wieder zurückgekehrt, um seine Mutter und seine Schwester zu besuchen. In den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, die er in Neuruppin zu schreiben begann, gibt es plastische Schilderungen der Klosterkirche und des Tempelgartens.

Fontanes Beziehung zu seiner Heimatstadt war jedoch ambivalent, er schrieb über sie mit spitzer Feder. Die breiten Straßen, großen Plätze und hohen Häuser fand er für eine Provinzstadt überdimensioniert. „Sie gleicht einem auf Auswuchs gemachten großen Staatsrock, in den sich der Betreffende, weil er von Natur klein ist, nie hineinwachsen kann. Dadurch entsteht eine Öde und Leere, die zuletzt den Eindruck der Langenweile macht“, steht im neunten Kapitel der „Wanderungen“.

Neuruppin trägt seit 1998 den Namenszusatz „Fontanestadt“. Die Stadt ist stolz auf ihren großen Sohn, der als bedeutendster deutscher Vertreter des literarischen Realismus gilt. „Seit 2016 bereiten wir uns auf das Jubiläum vor“, sagt Mario Zetzsche, der Projektleiter der Neuruppiner Feiern zum 200. Geburtstag.

Es gibt zahlreiche Fontane-Orte wie das Geburtshaus mit der Löwenapotheke seines Vaters, das Alte Gymnasium, das Fontane-Denkmal, Klosterkirche, Tempelgarten, diverse Wohnhäuser seiner Verwandten und das Grab seines jüngsten Sohnes. „Wir haben in diesem Jahr eine Fontane-Stadttour, die in eine radtouristische Route durch verschiedene Landkreise eingebettet ist“, sagt Zetzsche. Der RBB hat eine App entwickelt, die die Orte mit Texten, Lesungen, Fotos und Filmen erfahrbar macht.

In Neuruppin wird das Fontanejahr am 30. März mit einem Festakt eröffnet und am 30. Dezember mit dem eigentlichen Geburtstag abgeschlossen. Die Leitausstellung „fontane.200/ Autor“ gibt im Museum Neuruppin einen Einblick in seine Schreibwerkstatt. Die Fontane- Festspiele, die sonst nur in geraden Jahren stattfinden, laden das Publikum vom 30. Mai bis zum 10. Juni zu einer Mischung aus Lesung, Musik, Performance, Straßentheater, Kunst und Film ein.

Über die Monate verteilt gibt es eine große Fülle an Fontane-Projekten in der Stadt. In mehreren Galerien beschäftigen sich bildende Künstler mit dem Schriftsteller. Überregionale Jugendprojekte laden Schulklassen ein. Der Tempelgarten zeigt „Fontanes Pflanzen“. Rainald Grebe und Tilla Kratochwil lesen „Die Ehebriefe von Theodor und Emilie Fontane“. „Man kann zu uns kommen und wird immer eine offene Ausstellung finden“, sagt Mario Zetzsche. „Besonders an den Wochenenden ist hier rund um Fontane immer etwas los.“

Termine

Projektbüro fontane.200/Neuruppin
Karl-Liebknecht-Straße 33/34
16816 Neuruppin,
Tel.: 03391/355 686
www.tourismus-neuruppin.de
www.fontane-200.de

Veranstaltungsprogramm
30. März bis 30. Dezember
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