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Kulturzeit - Frühling 2019

Potsdamer Tanztage mit Festivalschwerpunkten Bauhaus & Robotik

Zum ersten Mal haben die „Potsdamer Tanztage“ einen Festivalschwerpunkt

Die Compagnie ZOO feiert mit „How to Proceed“ (o.) 20-jähriges Jubiläum. SIMON CARTER + BART GRIETENS

Max Müller 

Im Mai schaut die gesamte deutsche Tanzszene auf die brandenburgische Landeshauptstadt. Dort finden einmal mehr die „Potsdamer Tanztage“ statt. „Das Festival hat eine überregionale Bedeutung“, betont Sven Till, Festivalleiter und Co-Intendant der Fabrik Potsdam, die sich selbst als „Internationales Zentrum für Tanz und Bewegung“ versteht und Hauptaustragungsort des knapp zweiwöchigen Spektakels ist.

Seit 1991 kommen in der einstigen Garnisonsstadt internationale Choreografen zusammen, um ihre aktuellen Performances zu präsentieren. Neben „Dance München“ und dem sommerlichen „Tanz im August“ sind die „Potsdamer Tanztage“ eine der wichtigsten choreografischen Plattformen hierzulande.
Bauhaus trifft Robotik Image 1
In der Vergangenheit setzte sich der Spielplan zumeist aus innovativen und neuen Inszenierungen und Positionen zusammen. „In diesem Jahr gibt es erstmals so etwa wie einen Oberbegriff“, erklärt Till. Bereits 2016 fragte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur an, ob nicht Interesse daran bestünde, das Thema „Bauhaus“ aufzugreifen. Walter Gropius prägte die Architektur- und Kunstrichtung, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Da in Brandenburg selbst wenige Bauwerke den Zeitgeist der beginnenden 1920er-Jahre spiegeln, wollte man sich auf einer anderen Ebene mit den Einflüssen des Bauhaus’ auseinandersetzen – und fand diese in der Kunst, konkret im Tanz.


Getanzte Design-Ideen

„Wir waren überrascht und erfreut über die Anfrage und haben uns gleich in einem aufwendigen Rechercheprozess dem Thema genähert“, sagt Till. „Im Grunde haben Bauhaus-Künstler Linien und Entwicklungen beeinflusst, die bis in die Gegenwart verfolgbar sind.“ Damit spricht der Festivalleiter gleich zwei Aspekte an, die sich in den Potsdamer Tanztagen widerspiegeln. Da wäre zum einen das Thema Rekonstruktion. Das Bayerische Junior-Ballett München eröffnet die diesjährige Ausgabe im Hans-Otto-Theater mit dem Stück „Das Triadische Ballett“. Hierbei handelt es sich um eine epische Performance des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer (1888–1943), die zwischen klassischem Ballett und fantastischen Maskentänzen changiert. Besonders auffällig sind die futuristischen Kostüme der Darsteller.Die Rekonstruktion wird um einen reflektierenden Teil erweitert. Im Fokus steht die Weiterentwicklung der Bauhaus-Ideen in den USA, wohin die meisten Künstler während der 1930er- und 1940er- Jahre emigrierten und die von Tänzern und Choreographen der Vereinigten Staaten begeistert aufgenommen wurden.

Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ ist in einer Rekonstruktion zu erleben. WILFRIED HÖSL
Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ ist in einer Rekonstruktion zu erleben. WILFRIED HÖSL
Im Rahmen der Potsdamer Tanztage führt ein Kollektiv um Anne Collod das Projekt „Parades & Changes“ von der Choreografin Anna Halprin und dem Experimentalmusiker Morton Subotnick fort. Das Werk stellt einen Meilenstein des postmodernen Tanzes dar, das aufgrund nackter Körper in den USA mehr als 25 Jahre verboten war.

Einen dritten Schwerpunkt bildet die Robotik. Diesen Aspekt bildet Choy Ka Fai ab, der in seiner „Dance Clinic“ Krankheiten mit Hilfe der künstlichen Intelligenz „Ember Jello“ behandelt. „Das Bauhaus hat gelehrt, wie wir mit neuen Materialien umgehen. Heute geht es in unserer Welt auch um die Auseinandersetzung mit neuen Robotertechnologien. Es ist eine ganz neue Choreografie von Choy Ka Fai, auf die wir uns sehr freuen“, hebt der Festivalleiter hervor.

Daneben gibt es auch wieder für Laien die Möglichkeit, bei den „Potsdamer Tanztagen“ mitzuwirken. „Für uns gehört beides zusammen“, konstatiert Till. Welchen Stellenwert die Arbeit mit Hobbytänzern hat, beweist der Kick-off zum Festival: Die US-Choreografin Joanne Leighton inszeniert im Vorfeld der Eröffnung mit 99 Laiendarstellern einen weiteren Teil ihrer Serie „Made in…“, einem generationenübergreifenden Tanz-Event.

Termine

Potsdamer Tanztage
14.-26. Mai
Diverse Orte
Tel.: 0331/24 09 23,
www.potsdamer-tanztage.de
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