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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Frühling 2019

Vorpommersche Landesbühne mit Vineta-Saga auf der Ostseebühne Zinnowitz

Martin Schneider übernimmt die Intendanz an der Vorpommerschen Landesbühne

Die „Vineta“-Saga wird unter freiem Himmel im Ostseebad Zinnowitz aufgeführt.THOMAS HÄNTZSCHEL (2)

Max Müller 

Nach 35 Jahren an der Spitze der Vorpommerschen Landesbühne nimmt Wolfgang Bordel am 1. Mai Abschied. Sein Nachfolger wird der zu dem Zeitpunkt selbst gerade 35 Jahre alte Schauspieler und Leiter der Barther Boddenbühne Martin Schneider.

Zwölf Spielstätten, darunter das Anklamer Stammhaus und die gelbe „Blechbüchse“ auf Usedom, bilden heute die Vorpommersche Landesbühne. Dazu kommt eine Ausbildungsstätte für Schauspieler, die auch der designierte Intendant Schneider besuchte. „Als ich im Jahr 2005 an der Vorpommerschen Landesbühne zur Schauspielprüfung vorgesprochen habe, empfand ich die Atmosphäre als sehr herzlich. Man war nicht nur eine Nummer oder ein Name. Damals dachte ich: Hier will ich hin!“ Schon kurz nach der Ausbildung bot ihm Bordel an, die Spielstätte im Erholungsort Barth zu übernehmen. „Wow, ein Theater wolltest du schon immer leiten, fängst halt gleich damit an“, dachte sich Schneider, überrascht über das Vertrauen, das ihm der promovierte Physiker und Philosoph Bordel schenkte. Nun soll er nicht nur in Barth, sondern in halb Vorpommern die Strippen ziehen.

„Ich habe den größten Respekt vor der Aufgabe“, sagt Schneider. Auch wenn mit ihm eine neue Generation Theatermacher frischen Wind an die Ostsee bringt, wird sich kein kompletter Wandel vollziehen. „Wolfgang Bordel und ich haben die gleichen Visionen“, sagt Martin Schneider. „Ich möchte dem Spielplan noch ein paar neue kleine Formate wie Talkrunden und musikalische Abende, Klassenzimmerstücke und ein Jugendtheater beifügen. Das Menü bleibt also bestehen, nur ein paar Zutaten sollen hinzugefügt werden.“
Frischer Wind an der Ostsee Image 1
Das Schiff auf Kurs halten

Trotz all der Vorfreude müssen auch unter Schneider die richtigen Strippen gezogen werden, um Bordels Boot nicht zum Kentern zu bringen. „Wir müssen zukünftig unsere finanzielle Situation stabilisieren, um endlich gerechte Löhne zahlen zu können. Die Kommunen haben bereits ihr Möglichstes getan. Nun ist das Land in der Pflicht. Auch baulich befinden wir uns in einem Sanierungsstau. Die ersten Anträge sind geschrieben und Pläne gezeichnet. Jetzt beginnt die Jagd nach den Fördermitteln.“

Komödien und Kabarett bleiben Herzstück der Vorpommerschen Landesbühne. Ebenso wichtig sind moderne Klassiker. Bertolt Brechts „Mutter Courage“ hält sich seit Jahren auf dem Spielplan.

Während in der Hauptstadt fast alle Theater in die Sommerpause gehen, bricht an der Vorpommerschen Landesbühne die Hauptsaison an. „Kultur, Bildung, Tourismus“, zählt Schneider die Säulen seines „Dreispartenhauses“ auf.

Eines der sommerlichen Highlights sind seit 1997 die Vineta-Festspiele auf der Insel Usedom. Auf der Freilichtbühne unweit der Strandpromenade wird die Sage von der untergegangenen Stadt inszeniert. Vom Fluch endlich erlöst, strebt Vineta auch in diesem Jahr danach, alten Ruhm wiederzuerlangen. Zwar versteckt der Wächter Warin das Gold, auf dem ein Fluch liegen soll. Doch Elfen zwingen ihn dazu, die Vineter zum Schatz zu führen.

„Vineta ist das größte Schiff in unserer Flotte“, sagt Schneider. „Es ist eine wunderbare Sage, über die man noch sehr lange Geschichten von Überfluss und Untergang erzählen kann. Wir werden weiter in unsere größte von vier Freilichtbühnen investieren und unser Publikum mit auf eine Reise in die Tiefe der Ostsee nehmen“, sagt Schneider.

Termine

Ostseebühne Zinnowitz
Seestraße 8
17454 Zinnowitz
Tel.: 03971/268 88 00
vorpommersche-landesbuehne.de

Vineta – Der Klang des Goldes
28. Juni bis 31. August

Bach neu gedacht

Die Thüringer Bachwochen präsentieren den Komponisten im modernen Gewand
Martina Helmig

„Es ist einfach bewegend, an Johann Sebastian Bachs Taufstein zu stehen oder eine Bach-Kantate in der Divi-Blasii-Kirche zu erleben, für die der Komponist sie geschrieben hat. Er hat die Akustik der Kirche beim Komponieren mitgedacht“, sagt Christoph Drescher, der die Thüringer Bachwochen leitet.

Bach hatte eine intensive Beziehung zu Thüringen. Er ist in Eisenach geboren, in Ohrdruf aufgewachsen, wirkte dann in Weimar, Arnstadt und Mühlhausen. Seine große Familie lebte über das ganze Land verteilt.

Natürlich stehen Bachs Werke wie die großen Passionen und Motetten im Mittelpunkt. „Wir widmen uns aber nicht nur der musikalischen Denkmalpflege. Wir wollen auch zeigen, dass er bis heute immer wieder Künstler inspiriert hat“, erklärt Drescher. Deshalb gibt es im Programm auch Bach-Tanztheater, Mahlers Bach-Bearbeitungen und eine Barocklounge, in der ein DJ mit einer Barockgeigerin zusammen musiziert. Ein Thema ist diesmal das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum. Es liegt nicht gerade auf der Hand, und doch haben die Veranstalter nach interessanten Bezugspunkten gesucht. Im Festival erklingen Bach-Bearbeitungen aus der Bauhaus-Zeit. „Bei Bach haben einige Ideale des Bauhaus bereits eine Rolle gespielt, zum Beispiel Funktionalität und Struktur. Für ihn war Musik immer auch ein Werkzeug, um einen Bibeltext zu transportieren. Außerdem ist das Bauhaus-Jubiläum ein guter Anlass dafür, sich mit dem Zahlenwerk hinter Bachs Musik zu befassen“, erklärt der Festivalleiter. „Bach, der Konstrukteur“, lautet das Motto.

Termine

Diverse Orte
Thüringer Bachwochen
12. April bis 5. Mai
Programm und Tickets:
www.thueringer-bachwochen.de
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