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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Herbst 2019

Berliner Show „Vivid“ anlässlich 100 Jahre Friedrichstadt-Palast

100 Jahre Friedrichstadt-Palast: Die Jubiläumsspielzeit eröffnet unter dem inklusiven Motto „An Alle“

Am 29. November wird das 100. Jubiläum mit der Show „Vivid“ gefeiert. FOTO: ROBERT GRISCHEK

Ronald Klein  

Der Slogan bezieht sich auf die gleichnamige Revue von Erik Charell, die 1924 im Großen Schauspielhaus in Berlin Premiere feierte. „Die Traditionslinie des Friedrichstadt-Palastes geht über die Geschichte der DDR hinaus“, stellt der Intendant des Friedrichstadt-Palastes Berndt Schmidt klar. „Wir feiern das 100-jährige Bühnenjubiläum und knüpfen damit an die Tradition Max Reinhardts an.“ Der legendäre Intendant ließ das Theater schräg gegenüber dem heutigen Berliner Ensemble nach Plänen des Architekten Hans Poelzig umbauen. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 20. November 1919 mit Aischylos’ „Orestie“. Das Haus bot mehr als 5000 Besuchern Platz. Später erlebte die Bühne eine wechselvolle Geschichte. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Max Reinhardt zum Verkauf gezwungen, ab 1947 übernahm die DDR den Betrieb und erwirkte die Umbenennung in Friedrichstadt-Palast. Das alte Haus musste 1980 wegen Statikproblemen geschlossen und 1985 abgerissen werden.

Im Rahmen der Jubiläumsspielzeit blickt der Friedrichstadt-Palast historisch noch weiter zurück: Im September erfolgte mit der Präsentation eines im Wedding entdeckten Artefaktes der ersten Berliner Markthalle der Prolog zur Austellung über die Geschichte des Palastes. Die nur kurzzeitig betriebene Markthalle befand sich auf dem Areal, das seit 1984 den Neubau des Friedrichstadt-Palastes beheimatet. Dessen Bühne ist seitdem mit 2200 Quadratmetern die größte ihrer Art weltweit.
Hier inszeniert im Oktober erstmalig der zukünftige Volksbühnen-Intendant René Pollesch gemeinsam mit Fabian Hinrichs. Die beiden sind seit ihrer Zeit am Rosa-Luxemburg-Platz ein eingespieltes Team. „Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang“ (2010) und „Kill Your Darlings!“ (2012) waren Publikumserfolge. Bei „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“ wirken neben Hinrichs noch 26 Tänzer des Friedrichstadt- Palastes mit. Die Inszenierung passe gut zur Jubiläumsspielzeit, der Zeitpunkt stelle aber einen Zufall dar, so Schmidt: „Das hätte auch letztes oder nächstes Jahr sein können.“ Im November beginnen die Feierlichkeiten mit dem Repertoire- Stück „Vivid“. Darin verliert Protagonistin R’eye – teils Mensch, teils Maschine – die Lust an ihrem fremdgesteuerten Leben. Die Androidin bricht aus der Alltagsroutine aus und begibt sich auf die Suche nach ihrer wahren Identität. Dabei entdeckt sie die Schönheit der Natur ebenso wie die Verlockungen der Großstadt. Mit den staunenden Augen eines Kindes lernt R’eye, ihre Umgebung neu zu entdecken.
        
Intendant Berndt Schmidt auf dem Dach des Friedrichstadt-Palastes. FOTO: PATRICK GUTSCHE
Intendant Berndt Schmidt auf dem Dach des Friedrichstadt-Palastes. FOTO: PATRICK GUTSCHE
„Wir haben uns bei der Jubiläumsvorstellung am 29. November gegen eine Gala entschieden, bei der sich die üblichen Verdächtigen selbst feiern“, stellt Schmidt klar. „Wir laden keine Prominenten ein, sondern rollen den roten Teppich für Menschen aus, deren Abend viel zu wenig gewürdigt wird: den ‚normalen‘ Berlinern – Mitarbeitern aus Krankenhäusern oder von der Feuerwehr beispielsweise.“ Täglich zu sehen ist dann auch eine in Kooperation mit dem Stadtmuseum entwickelte Ausstellung, die bei freiem Eintritt in den Foyers die Geschichte des Hauses beleuchtet und Künstlerinnen vorstellt, deren Karriere mit dem Friedrichstadt-Palast in Verbindung stand, unter ihnen Claire Waldoff und Marlene Dietrich.
      

Termine

Friedrichstadt-Palast
Friedrichstraße 107
Mitte
Tel.: 030/23 26 23 26
www.palast.berlin

Vivid
En suite bis Sommer 2020

Von der Markthalle bis zur Gegenwart
Ausstellung
tgl. 11–17 Uhr
Eintritt frei
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