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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Herbst 2019

Kammerkonzerte des Deutschen Symphonie-Orchesters in Berlin

Die Kammermusikreihe „Notturno“ des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) feiert das zehnte Jubiläum

Martina Helmig  

„Unsere Musiker sind neugierig. Sie melden sich freiwillig für diese ungewöhnlichen Konzerte und gestalten sie mit großer Freude“, erzählt Alexander Steinbeis. Der Direktor des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) lädt in jeder Saison drei Mal zu Kammerkonzerten in Museen und Galerien ein. Die Musiker bringen Räume zum Klingen, in denen Ölgemälde und Skulpturen die eigentlichen Stars sind. Die Musiker lassen sich gern von den Kunstwerken inspirieren.

„Notturno“ heißt die Erfolgsreihe, die in dieser Spielzeit ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Alles begann mit einem Gespräch zwischen Alexander Steinbeis und Hermann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, die Orte der Stiftung mit Musik zu neuem Leben zu erwecken. Zu später Stunde sollte es sein, denn das Motto der Saison war damals „Nachtgestalten“. In der Basilika des Bode-Museums fand das erste Konzert statt. Das Konzept überzeugte, und die neue Reihe wurde schnell erfolgreich.
Vor dem Konzert haben die Besucher die Gelegenheit, das Haus und die Sammlung kennenzulernen. Um 21 Uhr begrüßt der Hausherr die Gäste und erzählt etwas über sein Museum. Dann führt ein Kurator eine halbe Stunde lang durch die Höhepunkte der Sammlung, bevor um 22 Uhr das Kammerkonzert von einer Stunde Dauer beginnt. Ganz unterschiedliche Kammerformationen des DSO sind dabei zu erleben.

„Die Programme sind, wenn möglich, auf die Orte abgestimmt“, meint Alexander Steinbeis. „Wir überlegen immer als Erstes, welche Anknüpfungspunkte es gibt. An den Hamburger Bahnhof gehen wir anders heran als an die Alte Nationalgalerie.“ Konzertgänger mischen sich mit Museumsbesuchern. Die Konzerte sind immer gut besucht, meist ausverkauft.

„Die Reihe bleibt lebendig, indem immer wieder neue Orte hinzukommen“, sagt der Orchesterdirektor. Er erinnert sich gut an das Konzert im Wilhelmvon-Humboldt-Saal der Staatsbibliothek, nachdem dieser vor zwei Jahren prächtig restauriert wurde. „Die Orte der Stiftung entwickeln sich weiter. Immer wieder wird etwas renoviert und neu eröffnet, das erweitert auch unsere Möglichkeiten“, so Steinbeis. Die Musiker haben unter den Museen und Galerien ein paar Favoriten, wo sie immer wieder gern spielen. Dazu gehört das Neue Museum, weswegen auch das Jubiläumskonzert dort stattgefunden hat. In Anwesenheit der Nofretete zu musizieren, ist für die Musiker immer etwas Besonderes.
         
Am 10. September leitete das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin die „Notturno“-Jubiläumsspielzeit im Neuen Museum ein. FOTOS: KAI BIENERT / MUTESOUVENIR (2)
Am 10. September leitete das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin die „Notturno“-Jubiläumsspielzeit im Neuen Museum ein. FOTOS: KAI BIENERT / MUTESOUVENIR (2)
Auf zu neuen Orten

Die drei regulären „Notturno“- Konzerte der Saison stehen noch bevor. Drei neue Orte wollen die Musiker erkunden. Am 8. November geht es in die im Juli eröffnete James-Simon-Galerie. Ein Flöte-Cello-Klavier-Trio wird nicht in der Ausstellung mit Gipsfiguren spielen, sondern in einem Saal mit Bühne und Bestuhlung, der sonst für Vorträge und Lesungen genutzt wird. „Das sind für uns Traumbedingungen, weil wir nichts auf- und umbauen müssen“, sagt Steinbeis. Die Musiker spielen Haydn und Weber, eine Rarität von Philippe Gaubert und etwas Zeitgenössisches, vom Jazz Inspiriertes von Nikolai Kapustin. „Die Galerie ist das verbindende Gebäude, durch das man die Museumsinsel betritt. Dafür haben wir ein breiter ausgelegtes Programm gewählt.“

Im März geben sechs DSO-Musiker ein Konzert mit Biber, Britten und Zelenka im Panorama am Pergamonmuseum, in dem die antike Metropole Pergamon in 360 Grad zu erleben ist. Das letzte Nachtkonzert gestaltet das Blechbläserquintett des DSO im Juni. Im Humboldt Forum, der neuen Begegnungsstätte verschiedener Kulturen, gehen die Musiker auf eine musikalische Weltreise mit Bearbeitungen chinesischer Volkslieder und Stücken wie „Serengeti“, Armenian Scenes“ und „The Casbah of Tetouan“.

Auch außerhalb der „Notturno“-Reihe haben die Musiker des DSO schon an den unterschiedlichsten Orten gespielt. Zum Beispiel am Beckenrand des Liquidroms, während sich die Zuhörer im Wasser treiben ließen, oder im Botanischen Garten zwischen exotischen Stauden und duftenden Blüten. Auch vor dem Brandenburger Tor, im Kunsthaus Tacheles, in der Bar Jeder Vernunft und im Kraftwerk Berlin waren sie zu Gast. Jedes Jahr findet der „Symphonic Mob“ in der Mall of Berlin statt. Dem Orchesterdirektor ist es wichtig, immer wieder aus den traditionellen Konzertsälen herauszugehen. „Als Berliner Orchester möchten wir nicht das ganze Jahr über in der Philharmonie sitzen, sondern auch in der Stadt präsent sein“, sagt Steinbeis. „Die Erweiterung der Spielstätten hält den Organismus des Orchesters lebendig. Jeder neue Ort ist wie ein neues Ohrenöffnen.“
           

Termine

DSO-Besucherservice
Charlottenstraße 56
Mitte
Tel.: 030/20 29 87 11
www.dso-berlin.de

Notturno

8. November, 22 Uhr
James-Simon-Galerie
Bodestraße 1–3
Mitte

6. März, 22 Uhr
Pergamonmuseum
Bodestraße 1–3
Mitte

5. Juni, 22 Uhr
Humboldt Forum
Unter den Linden 3
Mitte
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